Kurz und nett: Nickelback in Köln

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Nickelback-Frontmann Chad Kroeger in Köln. ▪

Von Tim Griese ▪ KÖLN_Mit ihren Kritikern haben Nickelback zu kämpfen: Wegen ihres eingängigen, reibungsfreien und bisweilen herzergreifenden Radio-Rocks wird die kanadische Band immer wieder von Musikexperten gescholten. Einfacher läuft es mit den Fans. Die fressen ihnen aus den Händen. In den Charts hat das Quartett ein Abo, reihenweise ausverkaufte Konzerte sind keine Seltenheit. So auch in der Kölner Lanxess-Arena. 14 000 sind gekommen.

Das, was der Kritik übel aufstößt und was der eingefleischte Nickelbacker liebt, beruht auf einem einfachen, aber geschickten Konzept: Die Rockband setzt auf Massentauglichkeit ohne Rücksicht auf die Befindlichkeiten der Musikpresse. Ihre Songs passen zur langen Autofahrt genauso wie zur Kuschelrock-Runde auf der Teenie-Party, im Kaufhaus auf der Rolltreppe, im Fahrstuhl und auf der Tanzfläche jeder x-beliebigen Alternative-Disco. Dort werden die Platten der vier Kanadier auch noch in 20 Jahren rotieren, genau so wie auf den Oldie-Feten in den Bierzelten der Welt.

Dabei beschränken sich Nickelback, auch an diesem Abend, auf zwei Arten von Songs: die erdigen Uptempo-Rocker wie „Animal“ und „Burn It to the Ground“ und die Feuerzeug-Balladen mit Gitarreneinschlag wie etwa „Photograph“ vom 2005er Album „All the Right Reasons“, das in Kindheits- und Jugenderinnerungen schwelgt, oder die Liebeserklärung „Far Away“ – alles garniert mit der markant starken Stimme von Frontmann Chad Kroeger.

Den größten Hit der Band spielen Nickelback auch: Bei „How You Remind Me“, dem Song, mit dem ihnen 2001 als bereits gestandene Formation der große Durchbruch gelang, erreicht die Stimmung ihren Höhepunkt. Über die Leinwände flackern immer wieder mit Kameras eingefangene begeisterte Gesichter aus dem Publikum. Spruchbänder werden in die Höhe gereckt, jede Textzeile wird lauthals skandiert. Zuvor sind schon die anderen essentiellen Hits der Band gefeiert worden: „Someday“ etwa, „Lullaby“ oder „Gotta Be Somebody“.

Einzig die 2006er Single „Rock Star“, bei der die Band gesanglich von Chris Daughtry unterstützt wird, der zu Beginn das Vorprogramm gestaltet hat, geht in die Hose. Der stimmgewaltige Sänger ist durchweg neben der Spur, als sei der Rhythmus sein Feind. Allerdings scheint das im Hallenrund niemanden zu interessieren, dafür macht die Sause zu viel Spaß. Und außerdem haben die Jungs von Nickelback noch viele andere eingängige Ohrwürmer in petto, die den Fehlgriff wieder wett machen.

Schade nur, dass es am Ende doch locker noch mehr hätten werden können: Nach rund siebzig Minuten ist erst einmal Sense. Zwei Zugaben folgen, dann gehen die Lichter an. Einige verdutzte Gesichter schauen sich fragend um. Bei sieben Platten und einem umfangreichen Song-Fundus wäre der Umfang des Abends durchaus erweiterbar gewesen. Böse will man den sympathischen Kanadiern aber nicht sein. Dafür hat sich Chad Kroeger einfach zu nett mit dem Publikum unterhalten, Bier und T-Shirts verteilen lassen und eine souveräne Show abgeliefert, ein Konzert zum Wohlfühlen eben. Von Ecken und Kanten keine Spur, die will bei einer erfolgreichen Radio-Rockband wie Nickelback aber auch niemand finden.

Quelle: wa.de

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