Kunstwerke von Portigon als Kulturerbe geschützt

Von Robert Vornholt DÜSSELDORF - Neun bedeutende Kunstwerke und drei wertvolle Musikinstrumente, die dem landeseigenen WestLB-Nachfolgeunternehmen Portigon gehören, sollen nicht ins Ausland verkauft, sondern auf die Liste des national wertvollen Kulturerbes gesetzt werden. Diesen Vorstoß hatte NRW-Kulturministerin Ute Schäfer (SPD) bereits unternommen, ehe die 22 Teilnehmer gestern am „Runden Tisch“ Platz genommen hatten, um über den Umgang mit Objekten im Unternehmensbesitz des Landes zu diskutieren.

Neben zwei Stradivaris und einem Violincello von Joseph Rocca zählt auch Eduardo Chillidas Skulptur „Toleranz durch Dialog“, das für den münsterschen Rathausinnenhof geschaffen worden war, zu den Werken, deren Eintrag ins Schutzverzeichnis die Kulturministerin für „wahrscheinlich“ hält. In der Westfalenmetropole war ein Sturm der Entrüstung entfacht worden, als Veräußerungsgerüchte bekannt wurden.

Schäfer erläuterte, dass neben den Arbeiten von Giovanni di Paolo, Paul Signac, August Macke, Henry Moore, Max Ernst, Dieter Roth, Fritz König und Fritz Winter weitere 60 Kunstwerke zurzeit fachlich bewertet werden. Das NRW-Tochterunternehmen Portigon wollte ursprünglich alle etwa 400 Objekte im Zuge der Abwicklung der Bank verkaufen. Ein fünfköpfiges Sachverständigen-Gremium soll prüfen, ob eine Veräußerung der Kunstschätze ins Ausland untersagt wird. Ein Weiterverkauf im Inland bleibt möglich.

„Es wird keine rein ökonomische, sondern eine politische Lösung geben“, erläuterte Schäfer nach dem Treffen im Ministerium, an dem Vertreter der Landesregierung, der Wirtschaft und der Kunst und von Portigon teilnahmen. „Es gibt keinen Zeitdruck“, stellte die Ministerin klar. Es werde nun geprüft, ob die Kunstwerke in eine Stiftung eingebracht werden, die offen für privates Engagement – etwa große Unternehmen – sein soll. „Bis zur Sommerpause“ soll bei bis zu zwei Begegnungen geklärt werden, welche Lösungen für den Erhalt möglichst vieler Kunstwerke umsetzbar sind.

„Nur gegen Entschädigung zum Marktwert“ könne das Portigon-Eigentum erworben werden, erklärte NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) als Eigentümer-Vertreter der WestLB-Folgefirma. Wie viel Geld die Objekte bringen, müsse geklärt werden, erläuterte er, dass die Aufnahme in die Kulturgut-Schutzliste berücksichtigt werden müsse. Möglichst viele Partner sollten die Stiftung tragen, verwies der Finanzminister auf das Interesse in der Wirtschaft. Walter-Borjans bestätigte, dass Portigon auf Auktionen als einzigen Verkaufsweg verzichtet.

„Es gibt einen ganz großen politischen Willen, eine Lösung zu finden“, bestätigte Susanne Titz als Sprecherin kommunaler und landeseigener Museen. Es sei ein Arbeitsprozess in Gang gekommen, der das Ziel verfolge, Kultur zu schützen und die „Grauzone“ von Landeseigentum zu definieren.

Die beiden Zero-Künstler Günther Uecker (84) und Heinz Mack (83) kritisierten alle Verkaufspläne. Uecker nannte den Umgang mit landeseigener Kunst in Nordrhein-Westfalen eine „Schande“. Zur Portigon-Sammlung gehören auch Werke von Uecker und Mack.

Quelle: wa.de

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