Kunstverein Münster zeigt „Der diskrete Charme...“

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Im Innenhof des Factory Hotels: Martin Hoeners „Vogelhäuser“ (2010), zu sehen in Münster. ▪

Von Marion Gay ▪ MÜNSTER–Was passiert, wenn sich Kunst in den Alltag mischt? Installationen einen Tennisplatz einnehmen, Bilder sich auf Flure von Universitäten und Hotels schleichen, Videos in einer alten Autowerkstatt auftauchen? Die Ausstellung „Der diskrete Charme des blinden Flecks“ des Westfälischen Kunstvereins Münster präsentiert rund zwanzig Arbeiten von sieben internationalen Künstlern an fünf ungewöhnlichen Orten und thematisiert die Diskrepanz zwischen Demokratie und elitärem Habitus.

Als Mitgliederverein hat ein Kunstverein heutzutage die demokratische Verpflichtung, sein Publikum in die künstlerische Auseinandersetzung mit einzubeziehen. Gleichzeitig jedoch besteht der Anspruch, intellektuell auf hohem Niveau zu agieren und experimentelle Positionen vorzustellen, die bisher noch nicht etabliert sind. Beides ist schwer miteinander zu vereinbaren. Der Westfälische Kunstverein, der seit 2009 wegen Baumaßnahmen im Münsteraner Landesmuseum ohne feste Räumlichkeiten ist, geht nun den Weg, künstlerische Arbeiten an Orten zu präsentieren, an denen man normalerweise nicht auf Kunst trifft. So ist die Videoinstallation „These are the days“ (2008) des britischen Künstlers Matt Stokes in einer Schule zu sehen. Die Arbeit ist eine dokumentarische Recherche, in der Stokes den Einfluss von Underground-Musik auf Subkulturen untersucht. Einem ähnlichen Thema widmet sich der kanadische Künstler Tim Lee, dessen Videoarbeit „The Move, The Beastie Boys“ (2001) in einer ehemaligen Hinterhof-Autowerkstatt läuft. Drei Monitore zeigen den Künstler beim Nachahmen von Hip-Hop-Sprechgesang.

Außerhalb der Innenstadt, im Innenhof des Factory Hotels, präsentiert Martin Hoener die Installation „Vogelhäuser“ (2010): Mehrere Vogelkrippen sind miteinander durch Lichterketten verbunden. So wie das Hotel ein Platz ist, an dem sich der Fremde nur kurzzeitig aufhält, bleiben auch die Futterstellen temporäre Anflugstellen. Versteckt zwischen Fahrstuhl und Fluren ist das Bild „Konstruiertes Lächeln“ (2006), das die Farbfeldmalerei von Sol LeWitt aus den 1970er Jahren aufgreift. Hoener verschiebt die geometrischen Farbflächen allerdings so, dass eine halbmondförmige Form entsteht, die wie ein Lächeln wirkt.

Nahezu unauffällig mogeln sich die Bilder von Natalie Czech auf dem Flur des Universitätsgebäudes unter die Plakate. Die sechs Arbeiten aus der Serie „A hidden poem“ (2010) zeigen aus Zeitschriften ausgeschnittene Fotografien zusammen mit Text, in dem die Künstlerin einzelne Wörter farbig markiert hat. Die angestrichenen Passagen ergeben ein Gedicht, das wie ein Subtext des ursprünglichen Textes erscheint und in Dialog mit dem Foto tritt.

Marja Thomanns Installation „Aufstellung“ (2010) auf dem Platz des Tennis-Clubs Rot-Weiß Münster e.V. ist dagegen nicht zu übersehen. Die weißen, türgroßen Aufsteller haben tennisballgroße Löcher und Spiegel und nehmen die Rolle von Spielern ein. Die Künstlerin entschied sich für den Tennisplatz eines kleinen, lokalen Vereins, um Parallelen zur Vereinsstruktur von Kunstvereinen aufzuzeigen: Tennis galt lange Zeit als exklusiver Sport reicher Bürger, der sich jedoch seit den 1980er Jahren popularisiert hat und heute wie die Mitgliedschaft im Kunstverein jedem offen steht.

Die Schau

Künstler zeigen ihre Werke an verschiedenen Orten.

Bis 27. Februar.

Factory Hotel: Mo – So, 12 bis 19 Uhr

Schillergymnasium: Mi – Fr, 11 bis 14 Uhr

Juridicum: Mo – Fr, 8 bis 20 Uhr

Ehem. City-Floh-Dome: Do – So 14.30 bis 19 Uhr

Tennis-Club Rot-Weiß Mün- s ter: Mo – So, 8 bis 22 Uhr

Tel. 0251/ 46157

http://www.westfaelischer-

kunstverein.de

Quelle: wa.de

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