Der Kunstverein Arnsberg feiert sich selbst

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Glitzernde Illusion: Anton Quiring und seine Installation „Endlos Endlos“ in der Lichthalle in Arnsberg.

Von Achim Lettmann ARNSBERG - Auf Klappstühlen haben sie Platz genommen. Die Gründungsmitglieder des Kunstvereins Arnsberg. Ganz gewissenhaft sehen sie aus, die im Sauerland für zeitgenössische junge Kunst eintreten.

Fotografiert wurden die Gruppe von Marie-Antonietta Chiarenza & Daniel Hauser 1994. Damals ging es den beiden um den „Kunstbetrieb“ an sich, um den Kunstverein als Institution. Wie kommt Kunst zustande? Diese Grundsatzfrage erfüllt nach wie vor den Arnsberger Kunstverein. In der aktuellen Gruppenschau „inundumundumherum“, die heute Abend eröffnet wird, rückt man das eigene Selbstverständnis ins Licht – natürlich mit Hilfe der Kunst, die hier seit 1988 entstanden ist. Ein gefühlter Rückblick.

Es sind 15 Positionen zu sehen. Von arrivierten Künstlern wie Thomas Ruff werden Porträtfotografien (1991) ausgestellt. Jimmie Durham ist in einem kopierten Selbstporträt (2006) mit Blutergüssen im Gesicht zu sehen. Was leistet dieses tradierte Sujet, was gibt das Selbstbildnis preis? Kunst muss im Gespräch sein, ist eine Losung von Künstlern, die gerade heutzutage mit ihren Performances und Aktionen Erlebnisse schaffen. Von Daniel Knorr beispielsweise sind Katzenfotos von 2010 in Arnsberg zu sehen. Sie sollen das Werk dokumentieren, dass vor allem ein Konzept sein will: Katzen tragen Schmuck von Mitgliedern des Kunstvereins und werden an weiteren Orten ausgestellt. Die Diskussionen darum sind Daniel Knorr vor allem wichtig, weiß Kathrin Ueberholz vom Kunstverein. So hat die Kunst, die in Arnsberg geschaffen wird, etwas Prozesshaftes, Flüchtiges.

Das Miteinander ist wichtig, also was lässt sich hier anstoßen, was entwickelt der Künstler vor Ort? Ayreen Anastas & Rene Gabri haben einfach zugehört. Die documenta-Künstler notierten dann zu den Themen Deutschland, Europa und Arnsberg Wortfelder, die wie eine Karte anmuten und der Sache nahe kommen: Kultur, Bread, sauber, War, Conflict... dafür steht Deutschland. Die Tischarbeit summiert Dialoge.

Yorgos Sapountzis hat die Überreste eines Picknicks von 2011 zusammen geräumt, bei dem auch ein zeltartiges Haus gebaut wurde. Die Latten und Tücher liegen verschnürrt am Boden. An der Wand hängen drei Food-Art-Kästen, in denen auf konstruktiven Zeichnungen Käsescheiben, Salami und Schinken gammeln. Das überrascht noch heute, obwohl die Performance längst abgeschlossen ist. Es bleiben Erinnerungen, aber die müssten für Besucher, die hinzukommen und die Ausstellung sehen, mehr erschlossen werden. Im Kunstverein werden nicht mal die Künstlernamen und Werke ausgewiesen. So bleibt man – mit all dem Vergnüglichen – unter sich.

In der Lichthalle beim Kloster Wedinghausen – vier Minuten vom Kunstverein entfernt – stellt Anton Quiring aus Frankfurt seinen Kosmonauten Petrov vor. Es ist die Parallelschau, vom Kunstverein kuratiert. Reisegeschichten lassen Quiring, der auch in Bielefeld und Mainz ausgestellt hat, in ferne Galaxien nicht mehr los. Seine Installation „Endlos Endlos“ materialisiert einen Erzählmoment der 7. Reise, zweite Episode, als Petrov in Arnsberg landet, ein Feuer entfacht und seine Rakete für den Abflug vorbereitet. Quiring lässt Alufolie als Raketenwand glitzern, setzt Kunststoffrohre ein und mischt Holzkohle zu Materie. Spielerisch und flirrend wirkt sein Space-Lager vor historischen Fassaden. Wer sich in der Raumsonde aufrichtet, sieht einen Sternenhimmel, der als universelles Sehnsuchtsziel gilt. Darum finden sich Petrovs Apparate, eine Sternenkarte, Weltraumbedarf. Quirings Erzählung ist sichtbar nachzulesen, verspricht der Künstler. Er überträgt irdische Gegensätze ins All, um sie zu überwinden.

Eröffnung, heute 19 Uhr Kunstverein, 20 Uhr Lichthalle.

Bis 17. August, mi-fr 17.30 bis 19 Uhr, so 11 bis 15 Uhr;

www.kunstverein-arnsberg.de

Quelle: wa.de

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