Kreis Unna zeigt auf Haus Opherdicke Christian Rohlfs

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Das Aquarell „Roter Blütenzweig“ (1933) ist in Haus Opherdicke zu sehen. ▪

Von Ralf Stiftel ▪ HOLZWICKEDE–Das Rot des Blütenzweigs leuchtet intensiv, aber es knallt nicht. Christian Rohlfs hat sein 1933 entstandenes Aquarell gewässert, an vielen Partien wieder Farbe abgenommen, mit Kreiden Konturen nachgezogen. Am Ende gewann das Blatt Tiefe, an manchen Partien ahnt man die Farbe mehr als man sie sieht. Der Zweig wirkt bewegt, er scheint im Sommerlicht zu schwanken. Ein Anblick wie Medizin an diesen tristen Wintertagen, auch wenn es gerade nicht schneit.

Das Blatt ist in der Ausstellung „Christian Rohlfs – Magie der Farbe“ auf Haus Opherdicke in Holzwickede zu sehen. Hier pflegt der Kreis Unna besonders die klassische Moderne – schon weil der Herrensitz als Standort für die Sammlung Brabant entwickelt werden soll. Christian Rohlfs (1849– 1938) passt hierher. Der Künstler hat gleich mehrere Karrieren durchlaufen. Nach einem Kunststudium in Berlin und Weimar hatte er sich in der Klassikerstadt etabliert. 1902 verlieh ihm der Großherzog den Professorentitel. Um diese Zeit kam Rohlfs aber auf Einladung des Sammlers Karl Ernst Osthaus nach Hagen. Dort lernte er die französische Avantgarde kennen und die jungen Expressionisten. Und im reifen Alter wagte er einen Neuanfang.

Aus dieser späten Phase stammen die mehr als 50 Exponate der Schau. Kurator Jürgen Doppelstein von der Ernst Barlach Museumsgesellschaft stellte sie zusammen aus Beständen der Sammlung Karsch/Nierendorf. Vor allem in Holzschnitten kann man die ersten expressionistischen Erkundungen des da schon 60-jährigen Künstlers studieren, zum Beispiel im Blatt der „Heiligen Drei Könige“ (um 1910), die er in einem mitreißenden Rhythmus ins Bild setzt. Sein Linolschnitt „Straße in Soest“ (1911) zeigt die alten Häuser geradezu lebendig.

Aber auch damit endet die Entwicklung von Rohlfs nicht. Man kann staunen, wie der über 70-Jährige 1922 die „Sommerfrische“ malt: Eine liegende junge Frau im Badeanzug, eine angeschnittene Gestalt davor sind mit großzügigen Linien fast flüchtig, aber überaus sicher skizziert. Über das ganze Bild aber setzt Rohlfs das Grün-Rot-Muster der Badeanzüge als durchgehenden Farbakkord und schafft so eine tiefe Verbindung zwischen Mensch und umgebender Natur.

Und dann die Blumen. Mit Tempera begann er um 1920 zu malen, auf der Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten. Es ist eine besondere Form der Abstraktion, die er darin entwickelt. Sicher bleiben die Motive lesbar. Aber Rohlfs nutzt die Farbe in ihrer besonderen Mischung aus Transparenz und Intensität als eigenständiges Medium. Das ist staunenswert in Blumenbildern wie „Zwei Lotosblüten“ (1937) sichtbar, aber auch schon in der Stadtansicht Bad Soden-Allendorf (1923), wo er die geradezu geometrische Struktur der roten Dächer herausarbeitet. Und im faszinierenden „Blauer Mondschein am Lago Maggiore“ (1933) muss das Auge sich die nächtliche Seenlandschaft erst aus den haarfein schraffierten Flächen herauslesen. Der Mond strahlt da grellweiß, ist von einem roten Lichthof umgeben – und doch stimmt der Titel.

In seinen letzten Lebensjahren genoss Rohlfs internationale Anerkennung. Der Louvre erwarb 1933 ein Bild von ihm, 1936 widmet ihm das Detroit Institute of Art eine Ausstellung. Ganz anders in Deutschland, wo die Nazis die Macht ergriffen hatten: Im Rahmen der Schandaktion „Entartete Kunst“ wurden mehr als 400 Bilder von ihm aus Museen entfernt.

Doch die Schau bietet noch mehr, wuchert mit den Beständen der Sammlung Brabant. So hängen ergänzend in drei Räumen Werke, die zeitgleich mit denen von Rohlfs entstanden, darunter Arbeiten von Max Beckmann, Emil Nolde, Alexej von Jawlensky und Carl Hofer.

Christian Rohlfs – Magie der Farbe in Haus Opherdicke. Eröffnung Sonntag, 11.30 Uhr, bis 24.2.2013. di – so 10.30 – 17.30 Uhr.

Tel. 02301/918 39 72, http://www.kulturkreis-unna.de

Quelle: wa.de

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