Kopfnicken zum Klavierfestival Ruhr

Stellte das neue Programm vor: Intendant Franz Xaver Ohnesorg ▪

ESSEN - Statt Glanz und Gloria jetzt „Service und soziale Verantwortung“: Intendant Franz Xaver Ohnesorg hat gestern in Essen neue Akzente beim Klavierfestival Ruhr angekündigt. 65 Veranstaltungen gibt es vom 5. Mai bis 14. Juli, davon sind 56 Konzerte. Nach wie kommen vor „die Pianisten der Welt“: Daniel Barenboim, Radu Lupu, Andras Schiff, Krystian Zimerman...

Von Elisabeth Elling

Das Festival verortet sich in „Europas neuer Metropole“. Das Ruhrgebiet steht nicht mehr im Untertitel, denn sein östlicher Teil wird kaum noch bespielt. Dafür gibt es 21 Termine in Essen, acht in Duisburg, sechs in Mülheim. Moers, Düsseldorf, Schwelm, Rheinberg und Rheda-Wiedenbrück haben nichts mit dem Ruhrgebiet zu tun – dafür aber Sponsoren. Seitdem das Festival von einer Stiftung getragen wird (2010/11), ist das entscheidend.

Ohnesorg ist es offenbar gelungen, das Festival auf neue Füße zu stellen, nachdem der Initiativkreis Ruhrgebiet (IKR) seinen Zuschuss kürzte und die „Stiftung Klavierfestival Ruhr“ gründete. Ein Drittel des IKR-Budgets habe das Festival zuletzt verbraucht, „das war zu viel“, so gestern Festival-Schirmherr Heinrich Weiss. Die Industriemanager störten sich wohl vor allem an der Unverhältnismäßigkeit von wachsenden sozialen Problemlagen im Revier und dem von Ohnesorg unverdrossen vergrößerten Festival mit zwischenzeitlich knapp 90 Konzerten.

Konflikte mit dem IKR habe es nicht gegeben, so Ohnesorg: „Nicht Kopfschütteln, sondern Kopfnicken“ habe er dort wahrgenommen. Was seinen Erfolg bei der Sponsoren- und Stifterwerbung angeht, könnte das stimmen. Ihre Zuschüsse machten gut 40 Prozent des Festival-Etats aus. Der IKR bleibt aber der Hauptsponsor, und erst in 15 bis 20 Jahren werde ein Stiftungskapital aufgebaut sein, das einen „substanziellen Beitrag“ liefern könne, so Ohnesorg.

Der Intendant, mit einem neuen Fünfjahresvertrag ausgestattet, übt sich in Bescheidenheit: „Wir sind kein pompöses Festival“. Und: „Wir grenzen niemanden aus.“ Damit meint er die Kartenpreise, die bei zwei Dritteln des Kontingents zwischen 10 und 45 Euro lägen. Nur Tickets für Daniel Barenboim (8. Mai Mercatorhalle Duisburg) und die Geigerin Anne-Sophie Mutter (2. Juli, Philharmonie Essen) kosten bis zu 125 Euro. Doch immer gebe es Rabatte für Familien, Schüler, Auszubildende.

Todes- und Geburtstage liefern dem Festival die Schwerpunkte. Diesmal sind es die französischen Komponisten Claude Debussy (150. Geburtstag), Maurice Ravel (75. Todestag) sowie die Amerikaner George Gerhswin (75. Todestag), Philip Glass (75. Geburtstag) und John Cage (100. Geburtstag).

Cage spielen Margret Leng Tan, die mit dem Komponisten jahrelang zusammenarbeitete (24. und 25. Mai, Folkwang-Museum Essen), und Steffen Schleiermacher, der die Stücke in einer Lotterie vom Publikum auswählen lässt (29. Mai, Haus Fuhr, Essen). Debussy-Préludes erklingen unter anderem bei Pierre-Laurent Aimard (5. Juli, Mülheim), Lise de la Salle (11. Juli, Schwelm) und bei dem großen Radu Lupu. Ihm wird am 21. Mai in Mülheim der Preis des Festivals verliehen.

Barenboim und Andras Schiff (13. Juli, Mülheim) spielen ausschließlich Schubert. Grigory Sokolov (4. Juni, Philharmonie Essen) hat Brahms ankündigen lassen. Zu den Festival-Debütanten zählt der Franzose Alexandre Tharaud („Tic Toc Choc“) mit Scarlatti und Couperin (12. Juni, Bottrop).

Im Dortmunder Konzerthaus gastieren die Schwestern Khatia und Gvantsa Buniatishvili (15. Mai, wird von Arte aufgezeichnet) und Ivo Pogorelich (29. Juni). Der Auftritt von Krystian Zimerman mit dem Hagen Quartett ist ein Höhepunkt des Festivals (13. Juni, Werke von Nikolai Kapustin und Robert Schumann). Außerdem gibt es drei Preisträgerkonzerte im HCC (7. und 9. Juli). Tamara Stefanovich konzertiert in Holzwickede mit Brahms und Ravel (Haus Opherdicke. 14. Juni).

Zu den Jazz-Interpreten zählen wieder Chick Corea, der mit Bobby McFerrin auftritt (25. Juni, Philharmonie Essen), das Gonzalo Rubalcaba Trio (21. Juni, Hattingen), das Jacky Terrasson Trio (5.6. Lichtburg Essen) und Raphael Gualazzi, im Vorjahr für Italien Zweiter beim Eurovision Song Contest (12. Mai Jahrhunderthalle Bochum mit der WDR Big Band). Auch das Abschlusskonzert bringt Jazz: Till Brönner lädt „My Piano Friends“ ein (14. Juli Mercatorhalle Duisburg).

Der Kartenvorverkauf hat begonnen: Tel. 01805-500803

http://www.klavierfestival.de

Quelle: wa.de

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