Konzerthaus Dortmund mit Programm 2015/16

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Die Pianistinnen Katia und Marielle Labèque

Von Edda Breski -  DORTMUND Auf dem Markt gibt es stapelweise Klassik-CDs mit dem Label „Entspannung“. Kuschelkompilationen mit Erkennbarem aus der Werbung: Mozart, Vivaldi, etwas Brahms. Er habe, sagte der Intendant des Konzerthauses Dortmund, Benedikt Stampa, viele Menschen getroffen, die ihm sagten: Ich höre nur was zum Entspannen.

Dem erteilte er bei der Vorstellung des Programms für die Saison 2015/16 eine Absage: „Viele haben das Gefühl, dass Klassik etwas Sperriges ist, das man eigentlich nicht hören will.“ Dagegen hat das Haus eine Strategie entwickelt: Über große Gefühle will Stampa dem Publikum auch unbequemere Musik schmackhaft machen.

Im neuen Programm wird das so umgesetzt: Man nehme einen prominenten Vertreter der Neuen Musik, den Komponisten George Benjamin. Seine Oper „Written on Skin“ (2012) ist bereits ein Hit unter den jüngeren Opernwerken. Mit Benjamin wird eine Zeitinsel gestaltet, mit intensiven Proben, Gesprächen und einer Aufführung der Kammeroper „Into the Little Hill“ (2006). „Die Zeitinsel nehmen wir ins Meisterkonzert-Abo auf“, so Stampa. Er glaube nicht, dass die Abonnenten den Termin „wegtauschten“. „Wir haben in Dortmund ein sehr breites, neugieriges Publikum.“

Das darf sich auch auf einen Knüller des klassischen Kernrepertoires freuen, allerdings mit einem interessanten Dreh. Im November führt Teodor Currentzis Mozarts Da-Ponte-Opern konzertant auf. Currentzis hat sich in den vergangenen Jahren in Perm den Ruf eines Bilderstürmers erarbeitet. Er versucht sich an der Verbindung von Originalklang und modernem Musizieren.

Den „Don Giovanni“ wird André Schuen singen, einer der neuen „Jungen Wilden“, die das Haus vergangene Woche vorstellte (wir berichteten). Das Projekt sei, so Stampa, einzigartig für ein Konzerthaus. Currentzis gilt als schwierig, ihn für drei Aufführungen ins Boot zu bekommen, sei keine leichte Aufgabe. Mit der Da-Ponte-Serie will Dortmund sein Profil im Bereich konzertante Oper schärfen.

Tief in den Kernbereich der Klassik geht es mit dem Exklusivkünstler Yannick Nézet-Séguin, der im letzten Jahr seiner Residenz sieben Konzertabende bestreitet. Er bearbeitet das Thema Bruckner-Sinfonik und kommt im Juni/Juli 2016 binnen vier Wochen mit den Wiener und Berliner Philharmonikern und mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, außerdem im Oktober und Februar mit dem Rotterdam Philharmonic.

Im Jazzbereich kann man sich auf das Jazz at Lincoln Center Orchestra mit Wynton Marsalis freuen. Gregory Porter und Michael Wollny geben Gastspiele.

Eine rein klassische Zeitinsel, wie in vergangenen Saisons, wird es nicht geben, dafür ein Crossover-Festival mit Katia und Marielle Labèque. Sie stellen baskische Musik vor, bestreiten einen Abend mit der deutschen Erstaufführung des Werks „Star-Cross’d Lovers“ von David Chalmin mit Hiphop-Tänzern und das Vier-Stunden-Projekt „Minimalist Dream House“.

Mit solchen Projekten erfülle das Konzerthaus eine wichtige Funktion als Musikzentrum, erklärte Stampa selbstbewusst. Es könne eine große Programmvielfalt anbieten. „Die Konzerthäuser werden weltweit immer wichtiger“, sagte er. „Die Klassik erlebt einen Aufschwung.“ Dortmund positioniere sich durch Education-Projekte, wie Kinder-Führungen und das Chorprojekt „Dortmund singt“, und durch interessante Programme. Entsprechend habe man das Marketing-Budget auf eine Million aufgestockt.

Stampa treibt seine Politik der Vernetzung voran. Anna Prohaska, scheidende „Junge Wilde“, kommt nächste Saison drei Mal wieder, in Kammerbesetzung und mit dem Barockensemble „Il Giardino Armonico“.

Namhafte Ensembles spielen erstmals in Dortmund: das Cleveland Orchestra unter Franz Welser-Möst, das Lucerne Festival Orchestra unter Andris Nelsons und das Orchester des Teatro La Fenice. Die Sänger Piotr Beczala, Patricia Petibon und Bryn Terfel geben Debüts, außerdem die Pianistin Maria João Pires.

Die Spielzeiteröffnung am 9. September mit Beethovens Neunter leitet Altmaestro Christoph von Dohnányi, ebenfalls ein Dortmund-Debütant.

Tel. 0231/22696 200, www.konzerthaus-dortmund.de.

Quelle: wa.de

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