Kölner Meister des Mittelalters zeigen Christi Geburt

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Das Relief der Geburt Christi wurde um 1150 aus Walrosszahn geschnitzt und aus zwei Teilen zusammen gesetzt. Das Werk gehört dem Museum Schnütgen, das es in der Ausstellung „Glanz und Größe des Mittelalters“ zeigt. ▪

Von Ralf Stiftel ▪ KÖLN–Sieben Türme hat Bethlehem auf dem nicht mal 15 cm hohen Relief aus Walrosszahn. Die Stadtmauer umgibt in der Darstellung des Kölner Meisters, die er um 1150 schuf, die Szene der Geburt Christi.

Alle biblischen Details der Weihnachtsgeschichte finden wir hier wieder, bis auf den Stall. Monumental liegt die Gottesmutter im Zentrum des Geschehens, übergroß, um ihre Bedeutung zu unterstreichen. Darüber liegt das Kind in der Krippe, und Ochs und Esel schauen durchs Fenster darauf. Joseph fasst sich zweifelnd an den Kopf: Ging bei der jungfräulichen Empfängnis alles mit rechten Dingen zu? Engel und der Stern schweben über der Szene, vorn sitzen die Hirten im Felde und erfahren gerade vom wundersamen Geschehen.

Das mittelalterliche Meisterwerk ist in der Ausstellung „Glanz und Größe des Mittelalters“ zu sehen, mit der das Kölner Museum Schnütgen seine Arbeit im Neubau aufnimmt. Es bietet dabei einen Überblick über 500 Jahre Kunstproduktion in der Bischofsstadt am Rhein, die in ihrer Blütezeit zwischen 1000 und 1550 eine Metropole europäischen Ranges war. In Köln wurde Spitzenkunst produziert. Sie ging in alle Welt – rund 160 Werke sind nun an ihren Entstehungsort zurückgekehrt, aus dem Pariser Louvre, dem Metropolitan Museum in New York, der National Gallery in London, dem Getty Museum in Los Angeles und vielen anderen Häusern.

Die Geburt Christi gehört natürlich zu den zentralen Themen sakraler Kunst, und es ist faszinierend zu beobachten, wie Kölner Künstler durch die Jahrhunderte das Heilsgeschehen darstellten. Das kleine Relief diente wahrscheinlich einem wohlhabenden Bürger oder Adligen zur privaten Meditation. Die kostbare Arbeit wurde oft angesehen, darum bot der Künstler viele Details an, um dem frommen Betrachter immer neue Anregungen zu schaffen. Andererseits genügten für manche Aspekte Andeutungen. Den Stall setzte der Schnitzer vors innere Auge, indem er die Krippe mit der angebauten Wand und dem durchs Fenster blickenden Vieh versah.

Die Glasmalerei mittelalterlicher Kirchenfenster hingegen wird aus der Ferne betrachtet. Hier braucht es kräftige Mittel, um das Auge zu erreichen. So lässt der Künstler in der Geburtsszene für den Kölner Dom alle unnötigen Details weg, sorgt für einen klar unterscheidbaren Rahmen und konzentriert sich im übrigen auf die Kerngruppe Maria, Joseph und Kind.

Das Motiv der Maria im Wochenbett kam im 14. Jahrhundert vor allem in Frauenklöstern auf. Es bot eine Möglichkeit, sich mit der Gottesmutter zu identifizieren, eine neue Form der Frömmigkeit zu leben. Die Skulptur in der Ausstellung entstand um 1340 und zeigt eine familiäre Situation, die das Heilsgeschehen ganz nah an die Lebenswirklichkeit rückt.

Der aus den Niederlanden stammende Meister Tilman Heysacker betrieb von 1487 an in Köln eine der führenden Werkstätten für sakrale Bildwerke. Seine Darstellung der Anbetung des Kindes soll durchaus einen geschlossenen Raum evozieren. Er abstrahiert viel weniger als der frühere Künstler des Walross-Täfelchens. Und seine Figuren, besonders die anmutig den Kopf neigende Maria, sind viel individueller gezeichnet.

Neben dieser volkstümlich schlichten Darstellung wirkt der Goldgrund auf dem Marien-Altar aus Linz am Rhein überirdisch prachtvoll. Der Meister der Lyversberg-Passion schildert in einem Bilderbogen Szenen aus dem Leben der Gottesmutter. Ein Feld widmet er der Anbetung der Heiligen Drei Könige, und auf relativ engem Raum zeigt er das Geschehen mit einer geradezu höfischen Figurenführung. Auch hier überragt die thronende Maria alle anderen, der ausladende Heiligenschein hebt sie zusätzlich hervor. Hier geht es nicht mehr um Identfikation, hier soll der Betrachter beeindruckt, geradezu geblendet werden.

Bis 26.2. im Museum Schnütgen in Köln, di – so 10 – 18 Uhr. an Heiligabend und am 1. Feiertag geschlossen, am Montag geöffnet. Tel. 0221/ 221 22 310, http://www.museenkoeln .de/ museum-schnuetgen

Der reich illustrierte Katalog arbeitet das Thema in aktuellen wissenschaftlichen Aufsätzen zu den unterschiedlichen Kunstgattungen auf. Dagmar Täube/ Miriam Verena Fleck (Hgg.): Glanz und Größe des Mittelalters. Hirmer Verlag, München. 49,80 Euro, in der Ausstellung 39 Euro

Quelle: wa.de

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