13.500 Fans in Köln

Usher begeistert in Lanxess-Arena

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KÖLN - Wenn in den USA ein Gesangstalent bei einer Castingshow entdeckt wird, dann steht ihm mit ziemlicher Sicherheit eine internationale Karriere bevor. Britney Spears, Justin Timberlake und Kelly Clarkson reihen sich in die Riege prominenter Beispiele ein. Ein anderer aber überragt sie alle: Usher.

Als 13-Jähriger gewann der Sänger 1991 bei „Star Search“. Mittlerweile stehen acht Grammys auf dem heimischen Kaminsims. Mehr als 65 Millionen Platten hat er weltweit unters Volk gebracht. Jetzt hat Usher in Köln auf der Bühne gestanden und gezeigt, dass das alles seinen Grund hat.

Eine vollgepackte Setlist im Rücken singt, rappt und tänzelt sich der 36-Jährige im Rahmen seiner "The UR Experience"-Tour vor rund 13.500 Zuhörern durch eine beeindruckend umfangreiche Diskografie. Auf sieben Alben kann Usher Terry Raymond IV zurückblicken. Neben Hits wie "You Make Me Wanna", "Yeah!" oder "OMG" serviert der Musiker beim einzigen NRW-Konzert in der Lanxess-Arena einen Vorgeschmack auf das, was plattentechnisch 2015 noch so folgt.

Mit viel Schwung präsentiert sich etwa "She Came to Give It to You", das rhythmisch an Robin Thickes "Blurred Lines" erinnert. "Good Kisser" ist durch und durch soulig, "I Don't Mind" hochmelodiös. Vor allem im Mittelteil des Konzerts kehrt Ruhe ein. Bei "Burn" zeigen sich die Fans nicht nur textsicher, sondern verwandeln die Halle in ein Meer aus Handylichtern. Begleitet von einer Akustikgitarre und Percussions folgen das langsame "There Goes My Baby" und später die R'n'B-Ballade "Bad Girl".

Vorher und nachher schwingt sich Usher nicht nur einmal in neue Klamotten. Das hat auch praktische Gründe: Schon nach wenigen Songs rinnt dem Sänger der Schweiß übers Gesicht. Er schnappt sich ein Handtuch, tupft sich über die Stirn und wirft es unter dem Gekreische der Fans ins Publikum. Der weibliche Anhang ist klar in der Überzahl. Für ihren Usher haben sich die Damen ordentlich aufgebrezelt. Schon vor Konzertbeginn werden die ersten kollabierten Fans aus der Halle getragen und von Sanitätern versorgt. Wenn Usher dann zwischen zwei Songs "I love you" ruft, schmelzen im Innenraum die restlichen Damenherzen dahin.

Fans sind ihrem Idol ganz nah

In der Lanxess-Arena sind die Fans ihrem Idol ganz nahe. Die Bühne ist ein Dreieck, das mit einer Spitze in den Publikumsbereich ragt. Das ermöglicht einen guten Blick auf den Sänger und die beeindruckende Show. Usher lässt sich nicht lumpen: Ein Dutzend Musiker begleiten ihn, dazu gesellen sich acht Tänzer. Zwischendurch herrscht ein gewolltes, selbstverständlich aufs Feinste durchchoreografiertes Chaos, wenn die Trompeter umhertänzeln, knapp bekleidete Damen ihre Kehrseite im Bass-Beat schütteln, zwei Tänzer bäuchlings von einem Podest robben und Usher auf ab- und auffahrenden Podesten mit seinem goldenen Mikro hantiert.

Apropos Gold: Usher ist in seinem Habitus zwar weit weg vom Ghetto-Gangstertum, auf das glitzernde Statussymbol des Hip-Hop will allerdings auch er nicht verzichten: Als er gegen Ende für ein Schlagzeug-Solo am Drumkit sitzend aus dem Bühnenboden emporfährt, ist das Instrument natürlich golden. Und auch die dicke Kette, die er zwischendurch um den Hals trägt und mit der man eine Motorradkolonne diebstahlsicher an einem Laternenmast befestigen könnte, ist aus dem wertvollen Edelmetall gefertigt.

Als Usher zum Ende hin die Kette gegen eine kuriose Fellmütze austauscht, nimmt das Konzert noch einmal Fahrt auf: "U Don't Have to Call" ist ein durchaus tanzbarer Soul- und Funkmix. "Scream" entpuppt sich als einwandfreie Disconummer mit fetten Beats und ordentlich Druck auf dem Gaspedal. Das ähnlich gelagerte "DJ Got Us Fallin' in Love" schließt sich an. Als Zugabe oben drauf schickt Usher David Guettas "Without You", dem er seine Stimme geliehen hat, ins Hallenrund, und die Party ist perfekt. - Tim Griese

Quelle: wa.de

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