Kobie van Rensburg macht aus Mozarts „Zauberflöte“ ein Science-Fiction-Spiel

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Im Gandalf-Look zaubert Sarastro in Münster: Szene mit Lars Hübel, Lukas Schmid, Enrique Bernardo (von links).

Von Anke Schwarze MÜNSTER -  Die Zauberflöte als computeranimierte Version von Star Trek und Star Wars? Kobie van Rensburg probiert dieses Experiment am Theater Münster und übersetzt Mozarts visionäres Märchen in die Sprache moderner Heldenepen. Das Ergebnis macht Spaß. Weil Rensburg die filmischen Mythen nicht zu ernst nimmt und weil er weiß, wann er die Anspielungen zurücknehmen muss.

Während des ersten Aufzugs lässt der Regisseur eine Phalanx von Figuren aus Star Wars, Star Trek oder E.T. aufmarschieren. Zur Ouvertüre verschwindet eine Schrift in den Weiten eines digitalen Weltraums, eine Einführung in die Vorgeschichte der Oper, angelehnt an das Intro vom Krieg der Sterne: „Vor langer Zeit, in weit entfernten Galaxien“. Eine Enterprise zieht über die Leinwand und Prinz Tamino stürzt mit einem Raumschiff ab. Paminas Bild wird ihm von R2D2 auf die Leinwand projiziert. Zum komischen Höhepunkt gerät die Begegnung zwischen Pamina und ihrer Mutter. Die Königin der Nacht erscheint im Darth-Vader-Kostüm. Hinter ihrer Maske röhren dumpf die Worte „Ich bin deine Mutter.“ Dem bisweilen behäbigen Text von Schikaneder schaden solche Anpassungen nicht.

Die Welt von Sarastro – die Wolkenburg – kreiert Rensburg mit sparsameren Mitteln. Da bleibt die Bühne schon einmal frei. Die Eingeweihten unterscheiden sich durch eine mittelalterlich anmutende Gewandung von der spacigen Szenerie – obwohl das Gesicht des ersten Priesters (Gregor Dalal) wie das von Spock zurecht gemacht wurde. Statt filmischer Weltraum-Sequenzen entfalten digitale Projektionen ihren ästhetischen Reiz auf der Leinwand im Hintergrund: Schaltkreise von abstrakter Schönheit oder Planetenbilder im Stil alter Himmelskarten. Die Bildsprache wird klassischer, mit Freimaurersymbolen und Hieroglyphen.

Zusammengehalten werden die Kontraste von der durchsichtigen Klangfarbe eines gewandt erzählenden Orchesters. Fabrizio Ventura dirigiert packend und inspirierend. Dank guter Stimmen verliert sich die Inszenierung nicht in unendlichen Weiten. Youn-Seong Shims Tamino besingt Pamina zärtlich modulierend, stählern im Forte und wohlklingend bis in die letzten Prüfungen. In der Rolle seiner Angebeteten führt Henrike Jacob ihren leuchtenden Sopran elegant durch die ersten Arien, mit der jugendlichen Unbekümmertheit einer sorglosen Königstochter. Nachdem sie den wahren Charakter ihrer Mutter erkannt hat, dringt der gebotene Ernst in ihre Stimme. Olga Polyakova handhabt die Koloraturen der Königin der Nacht mit instrumentaler Beweglichkeit, zeigt sich allerdings auf dem Weg dahin in den Mittellagen etwas schwerfällig. Wenig Spielraum bietet Lukas Schmid die gravitätische Rolle des Sarastro, der mit langen weißen Haaren zwischen Gandalf und Dumbledore angesiedelt ist. Schmid singt mit prophetischer Klangfülle, hätte aber in den leisen Passagen etwas tragfähiger sein können.

Juan Fernando Gutiérrez hüpft als Papageno hüftschwenkend durch seine Auftrittsarie, platzt mit richtigem Timing in dramatische Pausen, zaudert sich durch seine Selbstmord-Arie. Dass hinter jedem Mythos ein archaisches Urbild steckt, demonstrieren Papageno und Papagena (Eva Bauchmüller) in ihrem Schlussduett: Nachdem sie sich die Vogelkostüme vom Leib gerissen haben, präsentiert er sich im Lendenschurz, sie im Leo-Unterrock: Tarzan und Jane tun es.

5., 14., 20., 27.12., 3., 12., 15., 19., 21.1., Tel. 0251/ 59 09 100,

www.theater-muenster.com

Quelle: wa.de

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