Kloster Dalheim vom LWL mit neuer Dauerausstellung

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Der mittelalterliche Dalheimer Kreuzgang wurde um den Südflügel (rechts) erweitert. ▪

Von Bernd Luig ▪ DALHEIM–Flachbildschirme so weit das Auge reicht. Szenen von aktuellen Fernsehsendungen flimmern über die Mattscheiben. Blitzschnell wechseln die Momentaufnahmen. Die Bilderflut erlischt schlagartig.

Worte verdrängen alle grellen Effekte von den Monitoren: „Ablegen! – Loslassen! – Eintreten!“ Wie in einer Schleuse soll der Eingangsbereich im LWL-Landesmuseum für Klosterkultur in Dalheim wirken, als eine Entschleunigungs-Kammer zwischen der Hektik des Alltags und der Ruhe innerer Einkehr. „Hier soll man Kraft tanken. Wir hoffen, vielen Menschen auch Lebenshilfe geben zu können“, formuliert Dr. Wolfgang Kirsch ein ungewöhnliches Ziel für die in Deutschland einzigartige Einrichtung. Der Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) setzt auf die „magische Faszination dieses Ortes“, die bislang jeden Besucher erfasst habe.

Die neue Dauerausstellung „Eingetreten! 1700 Jahre Klosterkultur“, die morgen eröffnet wird, vermittelt Einblicke in die abgeschottete Welt der Mönche auf zwei Ebenen. In der Klausur des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstiftes wird das typischen Leben in einem mittelalterlichen Kloster inszeniert. Die Obergeschosse bieten einen vielfältigen Überblick über die Entwicklung religiöser Orden bis in die Gegenwart.

Mehr als die über 200 Exponate wirkt der sorgfältig renovierte Gebäudekomplex. Wer nach der Aufforderung zum „Ablegen“ die Klosterpforte betritt, spürt sofort die Abgeschiedenheit hinter den dicken Mauern. Beweggründe, um „einzutreten“, finden sich in Zitaten an der Wand. Etwa von Martin (21), der 1505 bekennt: „Bei einem schweren Gewitter gelobte ich der heiligen Anna, Mönch zu werden. Hier stehe ich!“ Oder von Hildebert und Mechthild, die 1098 erklären: „Wie es Sitte ist, übergeben wir Euch unser zehntes Kind.“

Was dieses „Loslassen“ für das Leben der Ordensbrüder bedeutet, zeigt sich in beispielhaft gestalteten Räumen rund um die spätgotische Klosterkirche und den Kreuzgang in Dalheim. Direkt neben dem „Skriptorium“, dem Schreibsaal, befindet sich das „Kalefaktorium“, eine Wärmestube. Die an Stehpulten arbeitenden Mönche nutzten diesen Raum in der kalten Jahreszeit, um sich aufzuwärmen. Der Besucher blickt durch einen Glasfußboden auf ein mit unterschiedlichen Farben beleuchtetes Netz aus gemauerten Kanälen. Diese Schächte leiteten heiße Luft aus der Feuerungskammer im Keller nach oben.

Im „Refektorium“, dem Speisesaal, illustriert die Ausstellung mit Skizzen an den Wänden, wie sich die Mönche trotz des absoluten Schweigegebotes verständigten. Spezielle Zeichen mit den Fingern signalisierten, ob ein Ordensbruder zum Beispiel eine Forelle oder Käse wünschte.

In den Ausstellungsräumen im Obergeschoss rückt die Geschichte von einzelnen Ordensgemeinschaften und die Bedeutung herausragender Standorte ins Blickfeld. Ein Stahlband am Boden führt den Besucher zu Exponaten, die die wechselvolle Entwicklung des Klosters Dalheim beleuchten. Zur ältesten Abbildung der Dalheimer Klosteranlage zum Beispiel, der sogenannten Fabritius-Vedule aus dem 16. Jahrhundert, oder zu den Fragmenten des zerstörten barocken Hochaltars. Ein russgeschwärzter Saal erinnert daran, dass das Anwesen auch als Gutshof genutzt wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente der Raum als „Räucherkammer“ für Würste und Schinken.

Maßgebliche Kirchenväter wie der Heilige Benedict (480 -547) oder der Heilige Bernhard von Clairvaux (um 1090-1153) stehen im Mittelpunkt der neu errichteten Säle im Süd- und Ostflügel. Detailgetreue Modelle veranschaulichen die Größe der Klosteranlagen von Melk, Hirsau oder Cluny. Ein Pilasterkapitell mit Monstern aus der Basilika von Cluny III – entstanden im 12. Jahrhundert – zählt zu den wertvollsten Originalstücken der Ausstellung.

Aus dem Rahmen der Schau fallen multimediale Ensembles, mit denen der österreichische Künstler Peter Hans Felzmann den Bilderfluten doch noch Zugang zum Kloster verschafft. Seine aussagekräftige Inszenierung zur Schöpfungsgeschichte setzt allerdings einen klaren Gegenpol zur gedankenlosen Dauerberieselung.

Das Museum

Im Landesmuseum für Klosterkultur in Dalheim wurden in den vergangenen zwei Jahren mehr als 2000 Quadratmeter zusätzliche Ausstellungsfläche geschaffen. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe und das Land investierten elf Millionen Euro. Die Betreiber hoffen auf 100 000 Besucher pro Jahr.

Öffnungszeiten: di. – son. 10 – 18 Uhr. Der Eintrittspreis beträgt ab 1. November sechs Euro, ermäßigt 3,50 Euro.

http://www.stiftung-kloster-

dalheim.lwl.org

Quelle: wa.de

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