Das 22. Kinofest startet mit „Tom Sawyer“

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Abenteuer zur Eröffnung des Kinofests Lünen: Szene aus Hermine Huntgeburths Mark-Twain-Verfilmung mit Louis Hofmann (links) und Leon Seidel. ▪

Von Tim Griese ▪ LÜNEN–„Hallo, liebe Kinder!“ begrüßt Regisseurin Hermine Huntgeburth das Publikum bei der Eröffnungsgala des 22. Lünener Kinofestes. Im Kinosaal sitzen ausschließlich Erwachsene, darunter Ehrengäste wie NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. Für ihre ironischen Worte hat Huntgeburth allen Grund, gibt es doch als Eröffnungsfilm ihre Version von Mark Twains Kinderbuch „Die Abenteuer des Tom Sawyer“ zu sehen, eine aufwendige deutsche Produktion mit vielen bekannten Gesichtern und vielversprechendem Nachwuchs.

Abenteuerlich ist nicht nur die Wahl eines Kinder und Jugendfilms zur Eröffnung, sondern – im positiven Sinn – auch der Film als solches. Das Leben, das Tom Sawyer (Louis Hofmann) und sein Freund, der Landstreicher Huckleberry Finn (Leon Seidel) – trotz der offensichtlich herrschenden Armut – führen, ist eine Kindheit, wie sie sich jeder wünscht. Sie sind frei, lungern herum, treiben Späße: Sie tun einfach, was sie wollen und machen sich nichts aus der Welt. Bis sie eines Tages Bekanntschaft mit Indianer Joe (Benno Fürmann) machen und ihn auch noch bei einem Mord beobachten. Als Joe ihnen auf die Schliche kommt, wird es gefährlich. Und als sei das nicht schon genug, hat Tom Sawyer auch noch an anderen Baustellen zu kämpfen: Mit Becky Thatcher (Magali Greif) bekommt er eine neue Mitschülerin, die ihm ganz schnell den Kopf verdreht...

Um die umfangreiche Geschichte adäquat zu erzählen, hatte nicht nur die Regisseurin, sondern auch das Produktionsteam einiges zu tun. An zwölf verschiedenen Orten wurde gefilmt, zusätzlich entstanden Studioaufnahmen. Die Havel wurde kurzerhand in den Mississippi verwandelt, in Neuruppin erhielt St. Petersburg seinen Hafen, und in den erhaltenen Kulissen des Hollywood-Films „Cold Mountain“ im rumänischen Bukarest entstand die Westernstadt. Dazu noch ein paar Green-Screen-Aufnahmen, die sich gut ins Ganze einfügen – und fertig war der amerikanische Süden des 19. Jahrhunderts. Atmosphärisch fühlt sich das alles sehr authentisch an, auch dank der musikalischen Unterstützung mit lustiger Redneck-Fiedelei und einer treffenden Soundkulisse. Die verwandelt zum Beispiel den Friedhof mit Vogelgekrächze und Krötenbrummen in eine gruselige Geisterwelt.

Die hochkarätig besetzte Schauspielerriege tut das Übrige dazu, damit Huntgeburths Verfilmung im Wust der Tom-Sawyer-Verfilmungen ihre Rechtfertigung findet: Vor allem das Nachwuchs-Duo Louis Hofmann und Leon Seidel macht seine Sache stark. Joachim Król spielt die Rolle des dauertrunkenen Landstreichers Muff Potter auf liebenswürdig-sympathische Art. Thomas Schmauser als Reverend Sprague ist urkomisch. Einzig Heike Makatsch als Tante Polly und Peter Lohmann als Richter Thatcher wirken ein wenig hölzern. Und Benno Fürmann nimmt man den Indianer auch nicht immer ab.

Bis morgen werden beim Lünener Kinofest neben „Tom Sawyer“ insgesamt rund 50 deutsche Filme gezeigt. Zu den ausstehenden Höhepunkten gehören der Dokumentarfilm „Der Fall Chodorkowski“, das Drama „Der Brand“ mit Florian David Fitz und der Krimi „Bastard“ mit Martina Gedeck in der Hauptrolle.

22. Kinofest Lünen im Cineworld, Im Hagen 3, noch bis morgen, Tel. 0 18 05 / 246 396, http://www.kinofest-luenen.de

Quelle: wa.de

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