Kinofest Lünen prämiert Film mit Horst Janson

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Preiswürdig beim Kinofest Lünen: Horst Janson spielt in dem Demenz-Drama „Eines Tages...“. ▪

Von Achim Lettmann ▪ LÜNEN–Als „Der Bastian“ schrieb Horst Janson deutsche Fernsehgeschichte. 1973 mimte er den langhaarigen Studenten und verhalf der Serie zu einem Überraschungserfolg. Sein Schauspiel berührte auch das Publikum beim 21. Kinofest Lünen. In dem Film „Eines Tages...“ ist Janson in der dritten Episode zum Thema Demenz zu sehen. Er spielt einen kranken Mann, dem auch seine liebevolle Frau nicht mehr helfen kann. Regisseur Iain Dilthey erzählt Geschichten zu den Stadien einer Krankheit. Der Publikumspreis Lüdia (10 000 Euro) geht an diesen Film.

Horst Janson stellte in Lünen den Spielfilm selbst vor, der im Auftrag des Landschaftsverbandes Rheinland produziert worden ist. Es gibt von „Eines Tages...“ eine Kinofassung auf 35-mm-Film und eine DVD, die ein Teil eines Filmratgebers zum Thema „Demenz“ ist.

Insgesamt dominierten bei den Wettbewerbsfilmen des Festivals vor allem Filmstoffe, die auf sehr reale Probleme abheben. „Mein Leben im Off“ von Oliver Haffner bringt die Praktikanten-Generation in Stellung. Trotz vollem Einsatz drohen die Ziele junger Leute als Künstlerin, Schriftsteller oder Sängerin zu verpuffen. Regisseur Haffner kontert diese innere Notlage mit Entschlossenheit im „hier und jetzt“. Kathrin heuert Frank an, der ein Buch schreibt. Er soll aus ihrem Apartment ein Zuhause machen, kochen und bei Geburtsvorbereitungen helfen. Sie ist schwanger. Katharina Marie Schubert verstrahlt als Kathrin einen Lebenswillen, der für zwei Filme gereicht hätte. Thomas Schmauser gibt den introvertierten Sinnsucher, der langsam aufwacht. „Mein Leben im Off“ erhält seine Dramatik, wenn Frank vom Literaturagenten genötigt wird oder sich Kathrin ihrem Chef erwehren muss. Es wird nicht klein beigegeben, sondern durchgestartet. Aus der Position des Schwächeren zieht der Film einen würdevollen Mut, der zum Ende mit poetischer Fantasie aufgeladen wird und dann wie ein Licht leuchtet.

Es ist schön zu erleben, wie groß Freiräume werden, wenn das Kino ein bisschen zaubert. In Lünen haben 8500 Zuschauer vier Tage lang Filme gesehen. Allein 2300 Schüler waren beim „Kinofest Plus“ mit fünf Filmen dabei und debattierten.

In dem Film „Im Alter von Ellen“ problematisiert Pia Marais das Dasein als eine immer währende Selbstsuche. Ellen, von der Französin Jeanne Balibar herrlich elegisch verkörpert, verliert Beziehung und Beruf. Der Film tastet sich mit der Haltlosen durchs Niemandsland. Flughäfen, Stadtplätze, Hotels – bis sich Ellen in einer afrikanischen Landschaft wiederfindet, wo Söldner und Kinder wilde Tiere vor Wilderern schützen wollen. Bildsequenzen, die Fragen offen lassen.

Alles beantworten will Regisseur Florian Cossen in seinem Film „Das Lied in mir“ auch nicht. Er führt in Buenos Aires eine junge Frau mit ihrer Familie zusammen. Jessica Schwarz hört am Flughafen ein Kinderlied, das sie kennt. Aber sie ist Deutsche. Ihr Vater (Michael Gwisdek) gesteht, dass er sie 1980 als Dreijährige mitgenommen hat, weil ihre Eltern von der Militärjunta ermordet worden waren. Ein Krimi um Schuld und Sühne entwickelt sich, dem Cossen mit einer ganz austarierten Erzählhaltung begegnet. In Argentinien sind die zwangsadoptierten Kinder der Unrechtszeit ein heikles Thema. Am 10. Februar startet dieser großartige Film in unseren Kinos.

Die Preise

Lüdia(Publikumspreis): Eines Tages... von Iain Dilthey (10 000 Euro)

Erste Hilfe (Kurzfilme): Wattwanderer von Max Zähle (1600 Euro)

Erster Gang (Mittellange Filme): The Night Father Christmas Died von Martin Schreier (1600 Euro)

Rakete (Kinderfilm): Hier kommt Lola! Franziska Buch (3000 Euro)

Berndt-Media-Preis (Filmtitel): Das Lied in mir von Florian Cossen (5000 Euro)

Bestes Drehbuch: Im Alter von Ellen von Pia Marais (2500 Euro).

Beste Filmmusik: Im Alter von Ellen. Für Horst Markgraf und Yoyo Röhm. (2500 Euro)

Schüler-Filmpreise für Tiger Team von Peter Gersina (2500 Euro) und für Mein Leben im Off von Oliver Haffner (2500 Euro).

Quelle: wa.de

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