Kino: „Shanghai“ mit Franka Potente und John Cusack

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Leni Müller (Franka Potente) bändelt mit Soames an. Szene aus „Shanghai“. ▪

Von Dirk Frank ▪ Shanghai ist in den 30/40er Jahren eine Metropole, in der aus einer komplizierten machtpolitischen Situation heraus Kriegsgegner und Verbündete des Weltkriegs aufeinandertreffen.

Diesen Schauplatz nutzt Regisseur Mikael Håfström („Das Ritual“) als Rahmen für seinen Spionagethriller „Shanghai“, in dem Genrekonventionen etwas zu begierig zitiert werden. Die düstere Ästhetik paart sich mit einer verwickelten Liebesgeschichte. Der smarte US-Spion Paul Soames (John Cusack) kommt 1941 in die chinesische Metropole, um den Mord an einem Freund und Kollegen aufzudecken. Die Stadt wird dominiert von den Bandenkriegen der Opium-Händler, von Prostitution und Korruption. Amerikaner, Franzosen und Briten sind in der Stadt, die Japaner versuchen ihren Einfluss als Besatzungsmacht noch zu stärken. Auch die Deutschen sind vor Ort. So nutzt Soames die Kontakte seiner deutschen Geliebten (Franka Potente), um die zentralen Figuren auszuspionieren. Der kultivierte chinesische Gangsterboss Anthony Lan-Ting (Chow Yun-Fat) und seine Frau Anna (Gong Li) ziehen ihn in seinen Bann. Die Situation spitzt sich zu, als der japanische Offizier Tanaka (Ken Watanabe) erscheint und Soames sich in die faszinierende Anna verguckt. Denn Anna kollaboriert mit chinesischen Freiheitskämpfern. Liebe und Eifersucht, Treue und Verrat vor einer sich verschärfenden weltpolitischen Lage: Man fühlt sich auch an „Casablanca“ erinnert. Viele Elemente aus den klassischen Hardboiled-Krimis werden sicherlich stilsicher eingesetzt und erzeugen eine Retro-Ästhetik, die wirklich Spaß macht. So wird die Geschichte aus dem Off erzählt und kommentiert. Auch typisch ist die ständige Verunsicherung des Zuschauers, wer hier welches Spiel spielt. Darüber gerät leider die Hinführung zum historischen Kulminationspunkt Pearl Harbour zu sehr in den Hintergrund. Hier griffen die Japaner die US-Pazifikflotte erstmals an.

Regisseur Håfström hat sich insgesamt verhoben. Drehbuchautor Hossein Amini versucht anhand von Soames‘ Wandlung vom Zyniker zum Überzeugungstäter zugleich auch die außenpolitischen Weichenstellungen zu erklären. Aus der beobachtenden Nation USA wird schließlich eine Weltmacht. Während Gong Li wie gewohnt die fernöstliche Sphinx souverän mimt, agiert John Cusack doch zu leichtgewichtig, um die Rolle der Spürnase in düsteren Zeiten ausfüllen zu können.

Der Film

Edle Optik, viele Stars, aber eine geschichtsferne Story.

Regie: Mikael Håfström

Darsteller: John Cusack, Ken Watanabe, Chow Yun-Fat, Gong Li, Franka Potente

Dauer: 105 Minuten

Wertung: ++ooo

Quelle: wa.de

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