Kino-Dokumentation „Bekenntnisse eines Öko-Terroristen“

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Paul Watson (links) rammt und versenkt bei seinen Tier-Rettungsaktionen auf hoher See auch schon einmal große Fischereischiffe. Regisseur Peter Brown filmte ihn dabei. ▪

Paul Watson hält nicht viel von Greenpeace. Dem einstigen Mitbegründer sind die Umweltaktivisten nicht kompromisslos genug. Mit seiner Sea Shepherd Conversation Society (SSCS) fährt er schwerere Geschütze auf: Anstatt zu demonstrieren, rammen und versenken er und seine Crew Fischereischiffe. Die Dokumentation „Bekenntnisse eines Öko-Terroristen“ zeigt die nicht immer legalen Rettungsaktionen der SCSS. Von Tim Griese ▪

Regisseur Peter Brown präsentiert aber nicht die rund 30-jährige Geschichte der Gruppierung, sondern Aktionen der Tierschützer rund um den Globus. Brown produzierte und filmte die Dokumentation auch selbst. Er begleitete die SCSS auf ihren Reisen und vertrat Paul Watson als Kapitän. So verzichtet er auf jede Distanz. Ganz im Michael-Moore-Stil kommen die Gegner der Umwelt-Piraten kaum zu Wort, und wenn, dann nur, um sie bloßzustellen und sich über sie lustig zu machen. Ihr Fett bekommen alle weg: die Regierung, die Tierjäger und Journalisten. Ein äußerst einseitiges Bild ist die Folge. Paul Watson wird dagegen im Übermaß als großer Retter glorifiziert, der von Schutzengeln nur so umgeben zu sein scheint und intuitiv immer richtig handelt. Diese Legendenbildung ist mitunter etwas anstrengend.

Zum Teil äußerst explizit sind die Film-Aufnahmen in der gezeigten Gewalt. Sie fordern dem Zuschauer einiges ab. Geht es anfangs um die Kabeljaujagd, werden später Robben-Schädel gespalten und Grindwale im blutrot gefärbten Wasser vor der Küste der Färöer-Inseln umgebracht. Während die Gewaltakte also immer brutaler werden, werden die Erlebnisse der Aktivisten immer abenteuerlicher. Die Auseinandersetzung mit der norwegischen Polizei wird wie ein Thriller erzählt, in dem die Beamten Watson festnehmen wollen und das Schiff der Piraten mit Bomben und Schüssen traktieren. Auch die Bekanntschaft mit einem korrupten ecuadorianischen Marineadmiral und dessen Kanonenboot vor den Galápagos-Inseln sorgt beim Zuschauer für ungläubiges Kopfschütteln.

Angenehm ist dagegen, dass die Piraten zwar ihren Job, sich selbst aber gar nicht so ernst nehmen. So werden die Veganer unter den Aktivisten aufs Korn genommen, und auch der Pressesprecher der Gruppe muss Witze über sich ergehen lassen. Humor und Slapstick sind ohnehin wichtige Stilmittel von Peter Brown. Das führt vor allem zum Ende der Dokumentation aber auch immer wieder dazu, dass einem die Lacher wie ein Kloß im Hals stecken bleiben, vor allem dann, wenn Grausamkeiten mit heiterer Musik untermalt werden und dies ihre Wirkung noch verstärkt. Der Dokumentation will vor allem eins: wachrütteln. Die Bilder dienen dabei zur Rechtfertigung der mitunter illegalen Methoden der Piraten. So stellt sich für den Zuschauer nie die Frage, auf welcher Seite Brown steht.

Dafür aber die, ob die „Bekenntnisse eines Öko-Terroristen“ unbedingt etwas für die große Leinwand sind. Was den Inhalt betrifft, ja. Was die Produktion mit ihrem Billig-Charme angeht, wäre eine Auswertung im Fernsehen sicherlich ausreichend gewesen: Das Bildmaterial geht in der Regel leider nicht über Amateur-Niveau hinaus.

Ab Donnerstag im Kino.

Quelle: wa.de

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