Katharina Wagners Inszenierung schadet dem Schwarzhandel

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Die Festspielleiterinnen Katharina Wagner (links) und Eva Wagner-Pasquier am Samstag bei der Eröffnung der Bayreuther Festspiele 2009 vor dem Festspielhaus.

Bayreuth - Bei den Bayreuther Festspielen ist das Angebot größer als die Nachfrage für die teuren “Meistersinger“-Karten. Vor allem der Schlussakt des Stücks verschreckte viele Zuschauer.

Seit 49 Jahren komme er zu den Bayreuther Wagner-Festspielen, sagt der stets schwarz gekleidete und dynamisch wirkende Mann. Doch so etwas habe er noch nie erlebt: Nur eine einzige Person sucht vor der ersten diesjährigen Aufführung von Katharina Wagners Inszenierung der “Meistersinger von Nürnberg“ am Festspielhaus Karten.

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Was den Mann - auf dem Grünen Hügel mit einem ganz besonderen Ruf versehen - aber noch mehr schockiert: Etliche Besitzer von Karten der teuersten Preisgruppen wollen ihre Tickets loswerden, finden aber keinen, dem das auch nur den halben Preis wert ist. Der Mann, der das berichtet, ist ein Wagner-Enthusiast, der alle Neuinszenierungen auf der Welt besucht.

Das Geld dafür verdient er sich auch - es ist wahrlich kein Geheimnis - mit dem Schwarzhandel von Eintrittskarten für die ja stets weit überbuchten Vorstellungen der Festspiele. Klar, dass er da anonym blieben will. Die letztjährige Neuinszenierung “Parsifal“, so sagt er, ist sehr gefragt, damit lasse sich gutes Geld verdienen.

Doch weder Christoph Marthalers düster-statische Version von “Tristan und Isolde“ noch eben Katharinas im dritten Jahr gezeigten “Meistersinger“ hätten Konjunktur im Kartenschwarzmarkt. Die Erklärung des Mannes ist schlicht: “Das wirre Zeug wollen die Leute einfach nicht sehen“.

Gleichwohl waren die Ränge mit den 1.974 Plätzen bei der ersten diesjährigen Aufführung der “Meistersinger von Nürnberg“ am Sonntag restlos gefüllt. Lücken waren nicht zu erkennen, denn wer seine Karten nicht illegal verkaufen oder legal tauschen kann, der besucht dann offensichtlich doch die ungeliebte Vorstellung, die ihm bei der Kartenvergabe zuteil wurde. Mit dem sehr kurzweilig gestalteten ersten Akt konnten auch alle zufrieden sein, der ist der 31-jährigen neuen Mit-Chefin der Festspiele nach einigen Überarbeitungen durchaus gelungen. Die weiblichen Besucher sind einmal mehr hingerissen von dem gut aussehenden, berückend singenden Tenor Klaus Florian Vogt als rebellischem Walther von Stolzing.

Ein ratlos-empörter Argentinier

Auch der amerikanische Bayreuth-Routinier Alan Titus als Hans Sachs und der Wiener Adrian Eröd als Sixtus Beckmesser - beide Sänger sind neu in diesen Partien zu erleben - machen ihre Sache gut. Nach dem zweiten, sehr turbulent im Massenaufruhr endenden Akt gibt es sogar besonders viel Beifall, auch wenn darin schon Schwächen in der Interpretation der Urenkelin des Leipziger Musikdramatikers deutlich werden.

Doch der über zweistündige Schlussakt, der eine einzige Nummernrevue fader, alberner und grob geschmackloser Regieeinfälle ist - nackter Mann und nackte Frau inbegriffen - macht klar, warum sich keineswegs nur unverbesserlich konservative Wagnerianer solchem Mummenschanz nach Möglichkeit nicht aussetzen wollen.

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Die Buhrufe beim sehr kurzem Auftritt der Regisseurin vor dem Vorhang sind nicht zu überhören. Der ansonsten begeisterte Beifall gilt ausschließlich den Sängern, der grandiosen Chorleistung und - mit Abstrichen - auch dem Orchester unter dem Dirigat von Sebastian Weigle. Ein renommierter Musikkritiker aus dem fernen Buenos Aires, seit vielen Jahren immer wieder mal in Bayreuth zu Gast, schüttelt beim Verlassen des Festspielhauses ratlos-empört den Kopf: “Das war unbeschreiblich. Was soll ich damit anfangen?“ Dann geht er den nächtlichen Hügel hinab.

Der Schwarzhändler hat dort schon längst das Feld geräumt. Er hofft auf “Parsifal“, doch den gibt es erst in einer Woche.

AP

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