Katharina Krenkels Häkelskulpturen in Beckum

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Völlig ausgepumpt liegt sie da: Katharina Krenkels gehäkelte „Mama“ in der Ausstellung in Beckum.

Von Marion Gay Beckum - Silbrig schimmern die sieben gewaltigen Ungeziefer an der Wand. Überdimensional treten ihre Augen und Wülste hervor. Zum Glück sind die wollenen Geschöpfe fest aufgespießt. Unter dem Titel „Schöpfungsgeschichte – 2. Versuch“ präsentiert das Beckumer Stadtmuseum die gehäkelte Ausstellung von Katharina Krenkel. Die rund 50 Bilder, Objekte und Installation stammen aus den letzten 15 Jahren und sind mal aus feinem Garn, dann wieder aus robuster Wolle gehäkelt.

Die im Saarland lebende Künstlerin hat sich die Aufgabe gestellt, das Universum nachzuhäkeln. Sie transformiert, was uns umgibt und ausmacht: Landschaften, Erdprofile, Knochen, Feuer. Es geht um Werden und Vergehen, um das Leben vom Fötus bis zum Totenkopf, vom Säen bis zur Ernte. Sie selbst sagt: „Ich häkele die Welt und alles Unsichtbare auch.“

Wie dahingerafft liegt die rosa gehäkelte „Mama“ (1998) auf dem Holzblock. Arme und Beine hilflos baumelnd, der Unterleib verstöpselt und mit dem Bauchnabel verbunden. Der pinkfarbene „Fötus“ (2004) ein Stück weiter krümmt sich auf der großen Erdkugel, beide sind aus derselben Wolle, durch die Nabelschnur verbunden. Filigran mit Lochmuster dagegen der weiße „Totenkopf“ (2007) in der Holzkiste, zusammen mit zwei gekreuzten Häkelnadeln. Dazu die 1966 geborene Krenkel: „Häkeln ist eine todernste Sache“.

Was auf den ersten Blick süß und harmlos aussieht, offenbart bei genauerer Betrachtung seine Tiefe. So die beiden Bilder mit gehäkelten Höschen und Pullöverchen „Es ist ein Junge/ Es ist ein Mädchen“: Was zunächst aussieht wie die erste rosa oder blaue Babyausstattung, entpuppt sich als Sammlung von Kleidungsstücken ungewöhnlicher Kreaturen. Die Pullover haben drei Ärmel, manchmal an unnatürlichen Stellen, die Hosen komische Aussparungen oder seltsame Formen.

Wunderschön die Installation „S.O.S. – Save our souls“ (2013). 28 aus weißem Garn gehäkelte Ringe schweben an nahezu unsichtbaren Fäden im Raum. Sie wirken wie Heiligenscheine, gleichzeitig auch wie Meereswesen, die gelassen ihre Bahnen ziehen.

Krenkels Arbeiten sind überraschend vielseitig. So haben die wollenen Knochen auf der Wäscheleine etwas sehr Derbes („Knochenarbeit, 2007). Da hat jemand kurz seine Knochen zum Trocknen aufgehängt und will sie gleich wieder anziehen.

Bei der Arbeit „Die Welt ist eine Tischdecke“ (2003) muss man sich zusammenreißen, sie nicht anzufassen. Von den gehäkelten Bergen, Wiesen und Flussläufen geht ein enormer haptischer Reiz aus. Wie aus dem Flugzeug betrachtet breitet sich die Landschaft aus.

Geheimnisvoll dagegen die raumgreifende, dreiteilige Installation „Kernforschung“ (2005), „Kernspaltung“ (2005) und „Schwarze Decke“ (2009). Die Forschung präsentiert zahlreiche runde Wollbälle in unterschiedlicher Farbe und Größe. Daneben in der Spaltung zeigen sie aufgeklappt wie Früchte ihr buntes Inneres. Unter der schwarzen Decke allerdings zeichnen sich lediglich Umrisse ab. Wie aus Samen in der Erde könnten jeden Moment Gewächse hervorbrechen, am liebsten würde man die Decke heben und nachschauen.

Bis 21.7., di – so 9.30 – 12.30 und 15 – 17, sa 15 – 17 Uhr, Tel. 02521/29 264; www.beckum.de,

Katalog 10 Euro

Quelle: wa.de

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