Karl Kunz im Von-der-Heydt-Museum

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Das Gemälde „Badende“ von Karl Kunz ist in der Wuppertaler Ausstellung zu sehen.

Von Marion Gay WUPPERTAL - Das ineinander verschlungene Paar hat sich auf eine Wolke gerettet. Der Himmel ist sehr blau, unten ragt eine Insel aus dem Meer. „Die Insel“ (1945) ist eins von rund 50 Gemälden und Zeichnungen des in Vergessenheit geratenen Künstlers Karl Kunz (1905–1971), zu sehen im Wuppertaler Von-der- Heydt-Museum. Die Arbeiten stammen vor allem aus dem Fundus des Sohnes Wolfgang Kunz, der dem Museum zwei Bilder als Schenkung überlassen hat.

Kunz besuchte in den 20er Jahren die private Kunstschule von Hans Hofmann in München. Bereits 1933 wurde er von den Nazis als „entartet“ verfemt. Im Bild „Augsburger Bombennacht“ (1945) setzt er sich mit den Schrecken des Krieges auseinander, wobei seine Bildsprache stark an Picasso erinnert. Die Gesichter zu Linien reduziert, die übergroßen Hände abwehrend ausgestreckt, die Körper ineinander verschachtelt. Wie auch in anderen Werken ist der Raum kulissenhaft, Holzfurniere, Bretter und gedrechselte Formen tauchen als Elemente auf. Sie sind angeregt durch die Werk- und Materialwelt des elterlichen Furnierhandels, den Kunz ab 1934 übernahm.

In den Augsburger Bombennächten hatte Kunz beinah sein gesamtes Frühwerk verloren, 1945 wagt er den Neubeginn als freischaffender Künstler. Im 1946 entstandenen Bild „Ganymed“ bezieht er sich auf den Götterliebling, der von Zeus auf den Olymp entführt wurde, damit er als Mundschenk für die Götter ewig lebe. Das Bild gibt Hinweise auf Kriegstrauma und drückt gleichzeitig Hoffnung auf einen Wiederanfang aus.

1951 erhielt Kunz den von dem Psychologen Ottomar Domnick gestifteten 1. Domnick-Preis, musste allerdings auch erleben, wie sich die abstrakte Malerei im Laufe der 50er Jahre im deutschen Kunstbetrieb vollkommen durchsetzte. Enttäuscht von mangelnder Anerkennung zog er sich in die Isolation zurück und steigerte sich in eine expressiv-manieristische und von surrealer Symbolik beherrschte Bildwelt hinein, die um die Themen Eros, Sünde und Tod kreist. Wie im Bild „Rendez-vous“ (1960): weibliche Akte vermischen sich mit architektonischen Formen, winden und verzerren sich wie deformierte Säulen, zerfließen und lösen sich auf. Auffällig ist die Dominanz der Farbe Weiß, die für Kunz für den hellen, bewussten Tod steht.

Die Zeichnungen aus den Jahren 1951 bis 1969 zeigen Kunz‘ handwerkliche Perfektion. Zu sehen sind gekonnte Faltenwürfe und filigrane Straffuren, aber auch locker mit Bleistift und Pastell auf Papier skizzierte Häuseransichten wie zum Beispiel die Zeichnung „Rom“ (1969).

Kunz‘ Oeuvre lässt sich keiner bestimmten Stilrichtung zuordnen. Mal surrealistisch, dann wieder Elemente des Informell oder der Pop-Art aufgreifend experimentiert der Künstler auch mit verschiedenen Techniken. Im großformatigen Bild „Dem Wahren Schönen Guten“ (1963) verwendet er collagenhaft banale Magazinfotos von nackten Frauen und Athleten und mischt sie mit Fotografien von der Ruine der Alten Oper in Frankfurt. Ironisch, fast aggressiv setzt er sich so mit der Konsumwelt auseinander.

Sehr plakativ und bedrückend traurig auch eins seiner letzten Werke: „Badende“ (1969). Die kurvigen, in gestreifte Badeanzüge gehüllte Körper räkeln sich am Wasser, beobachtet von stumm mahnenden oder schreienden Gesichtern.

Bis 8.6. di – so 11 – 18, do bis 20 Uhr, Tel. 0202/ 563 26 26,

www.von-der-heydt-museum.de,

Katalog 15 Euro

Quelle: wa.de

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