Kantorei Rhynern stimmt auf die Osterzeit ein

HAMM – Die Kantorei Rhynern stimmte am frühen Sonntagabend rund 70 Freunde sakraler Musik mit einem Passionskonzert in der evangelischen Kirche auf die Osterzeit ein. Drei Gesangssolisten und Ursula Gärtner (Orgel-Continuo) unterstützten den Chor und das Orchester der Kantorei, Heike Niebuhr hatte die Gesamtleitung. Von Werner Lauterbach

„Ave verum corpus“ – Sei gegrüßt, wahrer Leib: Schon im Mittelalter wurde der Text gesungen, und zahlreiche Komponisten haben die Worte zum Leiden Jesu Christi vertont. Wolfgang Amadeus Mozart schuf seine Version für Chor, Streicher und Orgel ein halbes Jahr vor seinem Tod. Sie ist heute die bekannteste Fassung und in ihrer musikalischen Schlichtheit ein Paradebeispiel für musikalische Kraft und Schönheit, die ein ganzes Universum an Emotionen transportiert. Genau dies gelang auch den Chorsängern am Sonntag, die den Schluss-Appell an die Gläubigen, den todgeweihten Erlöser als Vorbild zu betrachten, mit besonderer Intensität vortrugen.

Die musikalische Uhr wurde mit Alessandro Marcellos d-Moll-Konzert für Oboe (Flöte), Streicher und Basso Continuo ein halbes Jahrhundert zurückgedreht. Johann Sebastian Bach hatte das Werk mit seiner Bearbeitung für Cembalo populär gemacht. Dem Unisono-Spiel des Orchesters folgten Themen-Variationen der von Heike Niebuhr gespielten Blockflöte, deren Kantilene (Melodie in einer mehrstimmigen Komposition) den zweiten Satz dominierte. Wechselnde Rhythmik und unterschiedliche Themen sorgten für Spannung, bis Solostimme und Orchester gegen Ende des Presto jeweils wieder das Material des Gegenübers aufgriffen.

Johann Friedrich Fasch war ein heute wenig bekannter Zeitgenosse Bachs. Sein in Rhynern zum krönenden Abschluss präsentiertes Passions-Oratorium „Passio Jesu Christi“ zeigte ihn als meisterlichen sakralen Tonschöpfer. Die Vorlage – der etwas gekürzte, dem Johannes-Evangelium nachempfundene, dichterische Text „Der für die Sünde der Welt gemarterte und sterbende Jesus“ – stammt aus der Feder Barthold Heinrich Brockes. Dem Chor kontrastreich gegenübergestellt waren die Arien, verbunden durch Rezitative.

Bettina Lecking (Sopran), Thomas Körner (Tenor) und Gerrit Miehlke (Bass) liehen ihre Stimmen dem Evangelisten und Jesus. Hochdramatisch und innig zugleich – wie der letzte Tag des Heilands – klang die zwischen Komplexität und Einfachheit pendelnde Musik Faschs. Angesichts des mit Wort und Ton ausgedrückten Leids Christi war sich das Publikum in Sachen Beifall nicht ganz einig. Erst, als die Solisten ihre Blumen erhalten hatten, fanden sich alle zum großen Applaus für das emotionale Konzert zusammen.

Quelle: wa.de

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