Justin Bieber lässt Fans in Dortmund warten und zeigt eine perfekte Show

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Sinnliche Gesten, passgenaue Posen: Justin Bieber in der Dortmunder Westfalenhalle.

Von Sabine Flanse -  DORTMUND–Er erzählt Geschichten. Sie flackern über riesige Leinwände, sie fallen als Goldregen von der Decke oder explodieren als Feuerwerk auf der Bühne. Er tanzt die Geschichten, er plaudert sie aus, er singt sie. Die Hauptrolle spielt immer nur einer: Justin Bieber!

Es geht um Einsamkeit, um Erfolg, vor allem aber um die Liebe. Und die war am Freitagabend in der Dortmunder Westfalenhalle vor allem geduldig. Zwei Stunden lässt der kanadische Sänger und Songwriter seine jungen, überwiegend weiblichen Fans warten. Schon wieder. Gelernt aus der Schelte, die er für seine Allüren kürzlich in London kassierte, hat der 19-Jährige nicht. Eine Entschuldigung, eine Erklärung hören auch die Mütter und Väter nicht, die kurz vor dem verspäteten Konzertbeginn aufgrund des Jugendschutzgesetzes in die Halle gelassen werden. Sie hatten vor dem Eingang auf ihre Kinder gewartet, im Glauben, die Veranstaltung sei fast zu Ende.

Buhrufe gibt es, allerdings nur spärlich. Die, die dort sind, haben für die Visite des Nordamerikaners einiges auf sich genommen. Immerhin liegen die Eintrittspreise zwischen 80 Euro für einen Stehplatz bis hin zu fast 300 Euro im sogenannten „Diamond Circle“ mit „Meet and greet“. Für viele war der Konzertbesuch der allergrößte Wunsch. Für einige wird er sogar mehrfach wahr. Die Fans reisen ihrem Star zu seinen Auftritten nach. Am Donnerstag war Bieber in Hamburg. „Da kam er nur eine halbe Stunde zu spät“, erzählt eine Besucherin. Am Samstag in Köln sollten es nur 20 Minuten sein – vor 13 000 Zuschauern.

Und als um 21.51 Uhr mit einem Donnerschlag ein Zehn-Minuten-Countdown auf der riesigen Leinwand über der Bühne eingeblendet wird, haben die Fans Justin Bieber schon vergeben. Er bringt alles mit, was das Verzeihen so leicht macht: eine perfekte, punktgenaue Inszenierung, eine exakt ausgewogene Mischung aus Party und Gefühl und sich selbst, Justin Bieber.

An überdimensionalen silbernen Flügeln schwebt das Teenie-Idol auf die Bühne. Ein Engel in Weiß. Das Publikum ist überwältigt. Es schreit, es klatscht, es kreischt. Tausende Handys gehen in die Höhe. Der Auftritt erinnert an das große Vorbild Biebers, an Michael Jackson, Moonwalk und obligatorischer Griff in den Schritt inklusive. Der Vergleich ist gewollt. Ab 18.30 Uhr ist Jackson aus den Lautsprechern zu hören, dreieinhalb Stunden lang. Unterbrochen nur von dem Auftritt der Teenie-Band „Neon Dogs“ aus Schwerin.

Der Kanadier beginnt mit „All around the world“. Seine Fans sind textsicher. Die Show beginnt, sie ist makellos. Nach zwei Liedern setzt Bieber die Sonnenbrille ab. Große braune Augen schmachten die Teenager in der bei weitem nicht ausverkauften Halle an. Er singt „Catching Feelings“, unplugged. Ein Sprung von der Bühne, Justin Bieber taucht im Meer – zumindest auf den Videoleinwänden. Die Effekte sind spektakulär. Bieber flieht vor Paparazzi, er springt von Hochhausdächern, dreht sich mit Windmühlenflügeln und singt im Regen. Er lässt Laserstrahlen tanzen, Gold und Silber vom Himmel fallen. Ein Dutzend Tänzer feiern mit ihm und den rund 8500 Fans ein großes Fest. DJ Tay James heizt die Menge an: „Jump, Jump!“ Justin Bieber singt großartig, er tanzt fantastisch. Dann wirkt er plötzlich jung, verletzlich. „Be alright“ singt er, vom Liebeskummer. Dabei gleitet der Kanadier auf einem Podest hoch über der Bühne auf seine Fans zu. Die ersten Tränen kullern. Mütter trösten ihre Töchter.

Justin Bieber ist nicht nur Sänger, er ist auch Musiker. Er greift zur Gitarre, setzt sich an das Schlagzeug und schließlich sogar an den weißen Flügel. Und endlich ist der Moment da, auf den sie alle gewartet haben: Justin Bieber sucht sein „One less lonely girl“. Scheinwerfer streifen über hoffnungsvolle Gesichter. Der Rhythmus in der Halle ist Herzschlag. Doch es gibt nur Eine. Sie darf auf die Bühne, Justin Bieber führt sie auf einen Thron, setzt ihr Blumen ins Haar. Die Glückliche!

Seufzen ist aus Tausend Kehlen zu hören. Doch Justin Bieber vergisst auch die anderen nicht. Er flirtet, er kokettiert, er zeigt viel Haut. Mehrfach wechselt er sein Outfit, von Weiß nach Schwarz. Am Ende ist sein Oberkörper frei.

Justin Bieber schenkt seinen Zuhörern knapp eineinhalb Stunden. Nach der zweiten Zugabe, „Baby“, verschwindet er buchstäblich im Erdboden. Das Licht geht an, die Show ist aus. Mädchen liegen sich weinend in den Armen. Der Abschied tut weh.

Quelle: wa.de

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