"Mitten-im-Leben"-Tournee

Drei Stunden in Bestform: Udo Jürgens in Münster

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Udo Jürgens auf der Bühne.

MÜNSTER - Es ist spät geworden an diesem prächtigen Herbsttag, kurz nach Elf. Da erlebt die altehrwürdige Halle Münsterland eine Premiere der unerwarteten Art. Udo Jürgens, in Ehren alt geworden, aber musikalisch fit und frisch wie eh und je, hat sein Bademantel-Finale längst absolviert.

Von Matthias Dietz

Als die Menschen im ausverkauften Saal aufs grelle Deckenlicht warten, steht er plötzlich nochmal vorn – in Schlabberjeans, das Hemd nur notdürftig in die Hose gestopft. Und erzählt im allerletzten Lied von den Gefühlen, wenn die Scheinwerfer erloschen sind und sich die Einsamkeit ins Hotelzimmer schleicht. Authentisch, ehrlich.

Die drei Stunden zuvor: eindrucksvoll wie immer, wenn der beste deutschsprachige Chansonnier auf Tour geht. Gleich zu Beginn präsentiert sich dem Publikum ein aufrichtig ergriffener Udo Jürgens. Weil die Menschen, kaum dass der erste Ton erklingt, stehen. Ausnahmslos alle. Vorschusslorbeeren nennt man so etwas. Der Österreicher gibt gleich ein Kompliment zurück. Hier in Münster, versichert er frei von jedem Populismus, erlebe er auf jeder Tournee die schönsten Konzerte.

Das Repertoire: mit Sinn und Gefühl für die richtige Mischung ausgewählt. Vor allem im ersten Teil sind Balladen dabei, auf die man sich immer schon zutiefst gefreut hat. Es ist Jürgens und seinem großartigen Pepe-Lienhard-Orchester zu verdanken, dass sie auch uralten Liedern noch etwas Unerwartetes entlocken. Beim „gekauften Drachen“ etwa, den wir so ergreifend vielleicht nie zuvor hören durften.

Die Proportionen verschwimmen. Vorn am Flügel der Künstler wirkt klein, weil er hinter sich auf der Leinwand überlebensgroß daher kommt. Mutig für einen Mann mit 80, in dessen Gesicht das Leben natürlich seine Spuren hinterlassen hat.

Udo Jürgens hat immer schon diese Abende genutzt, um zu mahnen und zu warnen. Aber auch, um Mut zu machen, um voller Zuversicht nach vorn zu schauen. Er wisse um sein Alter, sagt er. Dennoch habe auch er noch Ziele. Eine Kleinigkeit ist – sehr zum Verdruss einiger weiblicher Fans – anders: Mit Blumen zur Bühne zu eilen, lassen Bodyguards nicht zu. Was der Intensität des Konzerts sicher hilft.

Drei Stunden erlebt Münster Jürgens in Bestform, auch und gerade stimmlich. Klang und Kraft haben nichts von ihrer Stärke verloren. Dass er sich den einen oder anderen kleinen Hänger erlaubt, immer wieder aufs Textbuch vor ihm auf dem Flügel schaut – wen stört’s.

Beeindruckende Duette, Raum für Blechbläser-Soli, allen voran das faszinierend schöne Flügelhorn: So wird der Abend zum Erlebnis, zu einer Art musikalischem Gesamtkunstwerk. Einschließlich der Party im zweiten Teil. Da weiß der Künstler, was er den treuesten seiner Fans abzuliefern hat: Oldies, die zu Evergreens wurden. So wie der „Platz an der Sonne“ oder der „griechische Wein“, den er heute förmlich zelebriert.

Den Menschen, die vor Beginn vergeblich auf Kartenrückläufer hofften, sei verraten: Jürgens kommt noch einmal nach Münster: am 30. März 2015.

Quelle: wa.de

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