Josh Bazells Thriller „Schneller als der Tod“

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Josh Bazell ▪

Von Ralf Stiftel ▪ Dr. Peter Brown, Assistenzarzt im Manhattan Catholic Hospital, putscht sich mit Dexedrin und Moxfan auf, um halbwegs den Krankenhausbetrieb zu überstehen. Zu Patienten spricht er charmant und verbindlich. Wenn er den Biopsiebefund erläutert, dann lautet die Antwort auf die besorgte Frage: „Himmel! Krebs! Ist es schlimm?“ natürlich so: „Nein, fabelhaft. Deswegen will doch jeder Krebs haben.“

An der Stelle in Josh Bazells Roman „Schneller als der Tod“ weiß der Leser aber schon, dass Brown alles andere ist als ein Double von Dr. House. Brown hat als Mafiakiller gearbeitet, steckt im Zeugenschutzprogramm – und wird vom Krebspatienten, einem Mafioso, erkannt. Wenige Stunden bleiben zur Flucht. Das vom Romantitel versprochene Tempo wird erreicht. Der Leser erfährt die Lebensgeschichte von Pietro „Bärentatze“ Brnwa, von der lieblosen Hippiemutter, von ermordeten Großeltern, von Rachegedanken. Da muss einer zum professionellen Mörder heranwachsen, zum Kampfsportexperten und Scharfschützen, der nach strengen Regeln arbeitet. Er erledigt die, „deren Tod ein Gewinn für die Welt war“. Glaubt er zumindest.

Der Autor ist Mediziner und hat angeblich seinen Roman geschrieben, während er im Krankenhaus arbeitete. Bazells Held erzählt alles selbst, eine widerwillige Beichte, gelegentlich Dinge für sich behält. Empfindliche Leser sollten das Buch auf keinen Fall lesen. Es gibt unappetitliche medizinische Details und einige brutale Actionszenen.

Wer allerdings schwarzen Humor schätzt, ist hier goldrichtig. Zumal der Roman faktensatt informiert. Zum Beispiel darüber, welche Menge Luft bei einer Injektion tödlich wirkt. Oder warum Killer im Film gerne eine kleinkalibrige Waffe mit Schalldämpfer verwenden. Auch über die Mafia darf man lachen, zum Beispiel wenn Bazell den Film „Der Pate“ erwähnt, „nach dem die Mobster bis heute ihr Leben gestalten“. Aber auch das US-Gesundheitssystems wird entlarvt. Der verzweifelte Patient sagt zu Dr. Brown: „Dr. Friendly sagt, ich habe eine Chance.“ Der übersetzt: „Das ist Chirurgensprache für ‚Ich brauche eine etwas längere Yacht’.“ Da fragt sich der Leser bald, in wessen Händen die Lebenserwartung kürzer ist, beim Killer oder beim Starchirurgen.

Pietro ist ein findiger Arzt, als Killer aber eine große Nummer. Er landet mit seiner gefesselten Freundin im Haifischbecken und findet ebenso einen Ausweg wie aus dem Tiefkühlraum, in den ihn ein Rudel Killer nackt und betäubt geworfen haben.

Josh Bazell: Schneller als der Tod. Deutsch von Malte Krutzsch. S. Fischer, Frankfurt. 304 S., 18,95 Euro

Quelle: wa.de

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