Das Josef Albers Museum in Bottrop stellt Josef Albers als Lehrer vor

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Die Blattstudie ohne Titel schuf Albers um 1940 – und stellte seinen Studenten ganz ähnliche Aufgaben.

Von Ralf Stiftel BOTTROP - Der Mann hält den Kreis aus Pappe oder Holz hoch, dreht ihn und blickt auffordernd zu den Studenten hin. Die schwenken Bleistifte und zeigen damit Neigungen, Winkel an. Die Formveränderungen des Kreises im Raum standen wohl auf dem Lehrplan 1954 an der Yale University. Ton hat der Film nicht. Und doch wird deutlich, dass dieses Seminar sich von der Hochschulroutine unterscheidet. Josef Albers hält keinen Frontalunterricht in dem raren Filmdokument. Man sieht ihn und die Studenten dauernd in Bewegung. Wie ein Dirigent wirkt er manchmal, dann wieder wie ein Tänzer.

Zu sehen sind die Szenen im Josef Albers Museum in Bottrop. In der Ausstellung „Kunst als Erfahrung – Josef Albers als Lehrer“ wird das intensive pädagogische Wirken des Künstlers nachgezeichnet. Albers (1888–1976) war ausgebildeter Lehrer und hat vor dem ersten Weltkrieg an Volksschulen gearbeitet. Erst 1913 begann er, Kunst zu studieren, wurde Künstler. Seinen Lebensunterhalt aber verdiente er sich zeitlebens mit Unterricht, wie Heinz Liesbrock, Direktor des Albers Museums erläutert. Zunächst am Bauhaus, an das er als Student kam. 1933, als die Nazis die Macht übernahmen, hatte Albers als moderner Künstler, der zudem mit einer Jüdin verheiratet war, keine beruflichen Perspektiven mehr in Deutschland. Zum Glück erreichte ihn ein Ruf aus den USA, wo er eine Stelle am kleinen Black Mountain College in North Carolina angeboten bekam. Ab 1950 leitete er das Art Department der Yale University. Dabei genoss er einen ausgezeichneten Ruf.

Die Ausstellung in Bottrop wurde von der Josef and Anni Albers Foundation in den USA zusammengestellt und war zunächst in Italien zu sehen. Albers verwahrte Schülerarbeiten, und so kann man die Ergebnisse seiner Übungen studieren. Am Bauhaus in Weimar entwickelte er ein Konzept des praxisorientierten Lernens, das von grundlegenden Techniken, vom Studium des Materials und von der Schulung der Wahrnehmung ausging. Bei ihm gab es kein akademisches Aktzeichnen. Er fand es besser, Zahlen oder abstrakte Formen zu zeichnen. Beispiele davon sind ausgestellt, zum Beispiel erstaunlich naturalistisch nachempfundene Zeitungsartikel, die aber nicht aus Buchstaben, sondern aus Strichen bestehen.

Material war ihm wichtig, und vor allem, dass die Studenten aus eigener Praxis lernen. So gab er ihnen Papier und forderte sie auf, daraus materialgerecht etwas Neues zu entwickeln. Das Ergebnis sind zum Beispiel Skulpturen aus gefaltetem Papier. Daneben sind Blätter ausgestellt, auf denen mit Stoffäden, Farbe oder Strass unterschiedliche Texturen geschaffen wurden. Und Kompositionen aus Draht und Geweben, die in der Fläche eine räumliche Tiefe suggerieren.

Spannend ist, wie in der Ausstellung Albers’ Lehre mit seiner Kunst verbunden wird. An seinen eigenen Skizzen ist zu erkennen, wie er zunächst im kleinen Format die Farbkombinationen ausprobierte, die später in einer großen „Homage To The Square“ realisiert wurden. Um 1940 klebt er auf ein Gemälde Herbstblätter. Ganz ähnliche Aufgaben stellte er den Studenten. Die eigene Kunstpraxis war deckungsgleich mit seinem Lehrplan. Kein Wunder, dass zu seinen Schülern bedeutende Künstler wie Robert Rauschenberg, Donald Judd, Eva Hesse, Richard Serra waren.

Schließlich bietet die Schau einen Querschnitt durch Albers’ Kunst. In den Vitrinen liegen Skizzen des Lehrers gleichberechtig neben Versuchen der Schüler. Und an der Wand findet man ausgearbeitete Werke mit ähnlicher Themenstellung, so dass der heutige Besucher sehen kann, was Albers erreichen wollte. Und natürlich sind auch eine ganze Reihe seiner Meisterwerke zu sehen, die vielfach variierten Hommagen an das Quadrat.

Eröffnung Sonntag, 11.30 Uhr, bis 30.3., di – sa 11 – 17, so 10 – 17 Uhr, Tel. 02041/ 29 716, www.quadrat-bottrop.de,

Katalog (engl./ital.) 25 Euro

Quelle: wa.de

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