Joachim Kalkas Essayband „Die Katze, der Regen, das Totenreich“

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Joachim Kalka ▪

Schon der Titel vermittelt, dass sich Joachim Kalka im Buch „Die Katze, der Regen, das Totenreich“ zu Erscheinungen äußert, die man schwer in ein System bringt. Das Hohe und das Triviale, er lauscht auf beiden Ebenen der Welt Erkenntnis ab. So landet er bei Gespenstern, wenn er über das Totenreich schreibt. Wer denkt schon so weit wie der Autor, wenn es um den „Rauchtabak“ geht: „Das Rauchen ist weniger ein Genuß oder ein Laster als eine Gebärde. Der Verzicht auf diese Gestik – rational nicht anzufechten – gleicht dem Verlust einer Weltsprache.“ Von Ralf Stiftel

Kalka, 1948 geboren, vor allem als Übersetzer hervorgetreten, versammelt das Zerstreute. Er liebt es, indirekt zu sprechen, nicht durch Argumentieren, sondern durch das Gegenüberstellen von Zitaten. Das funktioniert wunderbar. Wenn er über das „Kismet“ schreibt, jenes fatalistische Sich-Fügen in die Vorsehung, die im Westen den Muslimen nachgesagt wird, dann behandelt er die unterschiedlichen Konzepte von Schicksal, und es klärt sich sehr hübsch, wie eine Kultur der anderen ein Denken unterstellt, um in eine Überlegenheitsposition zu gelangen. Da bekommt dann auch der ehemalige US-Präsident Bush seinen Platz, denn zum Kismet gehört auch der Kreuzzug. Und es ist eine fein gemeine Pointe, wenn Kalka uns das Kismet ausgerechnet im „alten guten Rat an den kleinen Angestellten“ aufspürt: „Nicht auffallen!“

Kalka nimmt uns an die Hand und führt uns durch die globale Bibliothek, und wir fühlen uns angenehm belehrt. Zumal dieser Autor nicht nur die Kunst des Zitats beherrscht, sondern auch überaus poetisch formuliert: „Der Regen läßt uns das Zimmer genießen. Er ist ein Hinweis darauf, wie sehr wir zwischen Draußen und Drinnen leben.“

Joachim Kalka: Die Katze, der Regen, das Totenreich. Berenberg Verlag, Berlin. 144 S., 20 Euro

Quelle: wa.de

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