„Jazz’n’more“: Das Museum Folkwang zeigt Plakate von Niklaus Troxler

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Klare Farben und eine pointierte Komposition: 1985 schuf Niklaus Troxler das Plakat für den Auftritt von Jim Pepper’s Pow Wow in Willisau.

ESSEN - Dreiecke und Vierecke in den Grundfarben Blau, Rot, Gelb und Schwarz setzt Niklaus Troxler zu einem Indianer zusammen, der Saxophon spielt. Das Plakat warb 1985 für ein Konzert von Jim Pepper mit einem grellen Farbakkord, es entfaltet einen starken Rhythmus, es hat seinen eigenen Ton.

Troxlers Plakate swingen. Sie werben nicht nur für Jazz, sie übersetzen ihn in die Sprache von Linien und Farben und visuellen Rhythmen. Die Probe kann man im Museum Folkwang in Essen machen, das eine Werkschau des Schweizer Designers mit rund 150 Plakaten sowie weiteren Arbeiten für Buch- und Plattenumschläge zeigt. Troxler ist dem Museum verbunden, nicht zuletzt dadurch, dass er lange den Plakat Kunst Hof Rüttenscheid leitete. Das Museum Folkwang besitzt rund 400 Plakate des Künstlers, die meisten kamen als Schenkung ins Haus.

„Jazz’n’more“, so der Ausstellungstitel, könnte auch das Lebensmotto Troxlers lauten. Noch als Student hatte der 1947 geborene Künstler in seiner Heimatgemeinde Willisau Jazzkonzerte veranstaltet. Praktischerweise hatte er nach seinem Diplom-Abschluss dort 1973 sein eigenes Atelier gegründet. Parallel leitete er von 1975 bis 2013 das Jazzfestival Willis-au, das den kleinen Ort im Kanton Luzern auf die internationale Jazz-Landkarte setzte. Die Plakate entwarf er selbst – eine perfekte Möglichkeit für Experimente. Dabei folgte er der Mentalität des Free-Jazz: bloß keine Wiederholung. In der feinen Ausstellung zweifelt man zuweilen, ob das alles wirklich von einem Künstler stammt.

Gerne spielt Troxler mit dem Motiv von Musikinstrumenten. So verfremdet er Saxophone und Gitarren. Für ein Konzert von Arthur Blythe zeichnet er eine schwarz-weiße, filigrane Hochhaus-Landschaft, in die er golden leuchtende Saxophone integriert. Beim Plakat für das Jazzfestival von 1978 bekommt das Instrument einen züngelnden Schlangenkopf anstelle des Mundstücks. Dem Saxophontrichter auf dem Plakat für Sam Rivers entspringt ein Fisch (1979), nun ja: Rivers, Fluss. Und auf dem Plakat für George Coleman (1979) wird aus dem Sax ein Telefonhörer. Er hat mit dem Musiker vor dem Konzert lange telefoniert, erzählt Troxler. So wurde der Musiker für ihn zum „Callman“, was zur Bildidee führte. Aus flirrenden Linien auf schwarzem Grund, die wie ein Bündel grüner und gelber Blitze aussehen, lässt er einen Posaunisten entstehen („Fred Wesley Group“, 1992).

Unerschöpflich scheint die Fantasie. Bei einem Hommage-Konzert für Thelonious Monk formt er aus Schrift das Profil des legendären Pianisten (1986). Frech wirbt ein abgeschnittener, grüner Finger für „Cecil Taylor solo“ (1989) – und mehr solo geht bei einem Pianisten nicht. Für das Festivalplakat 1997 tropft er Musiker auf die Fläche wie einst der abstrakte Expressionist Jackson Pollock. Und für einen Auftritt des New Yorker Marty Ehrlich Quartet pinselt er den Bandnamen in weißer Farbe auf eine Titelseite der New York Times.

Aber Troxler befasst sich nicht nur mit Jazz. In Essen sind Plakate für Ausstellungen, Theateraufführungen und die „Städtli-Fasnacht“ zu sehen. Gerne engagiert er sich auch politisch. Ein Plakat von 2013 zeigt weiß auf rotem Grund den Schriftzug „Steuerflu..t“. Die Botschaft sei für ein deutsches Publikum, erklärt Troxler, das erfahre, wenn es die ausgelassenen Buchstaben ergänze, wo man sein Schwarzgeld sicher unterbringen könne.

Für den UNO-Umweltkongress 1992 in Rio de Janeiro entwarf er das Motiv „Tote Bäume“, lauter blutrote Stümpfe auf grünem Grund. Die Brasilianer hätten das Motiv abgelehnt, weil in der Ausschreibung der Bezug auf ein Land ausgeschlossen gewesen sei. Da habe er geantwortet, dass man auch in Europa über das Waldsterben besorgt sei, erzählt Troxler.

Bis 14.1.2018, di – so 10 – 18, do, fr bis 20 Uhr,

Tel. 0201/ 88 45 444,

www.museum-folkwang.de,

Katalog, Steidl Verlag, Göttingen, 20 Euro

Quelle: wa.de

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