Die japanischen Trommler von Yamato in Köln

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Ekstase und Glück: Midori Tamai (links) und die Yamato-Trommler in der Kölner Philharmonie. ▪

Von Achim Lettmann ▪ KÖLN–Helle einzelne Schläge sind am Anfang zu hören. Sie tönen aus dem Hintergrund, dann kommen langsam die tiefen und voluminösen Klänge der großen Taiko-Trommeln hinzu. „Akatsuki“, die Morgenröte, wird von Yamato beschworen, den Trommlern aus Japan. Ihr anschwellender Ton ist der archaische Rhythmus, mit dem die Taiko-Gruppe ein kultureller Exportschlager geworden sind. In der Kölner Philharmonie stellen sie ihr neues Programm „Gamushara“ (ekstatischer Enthusiasmus) vor, dass auch noch in Düsseldorf präsentiert wird.

Yamato sind im Jahr 2002 das erste Mal in Deutschland gewesen  – in Köln im Rahmen des Kölner Sommerfestivals. 1998 gastierten sie nach großen Erfolgen in Asien in Edinburgh und sollten fortan auch die westliche Welt erobern. In Deutschland sind Yamato sehr beliebt. Es gab seit 2003 keine Europatournee bei der sie nicht hierzulande Station machten. Im letzten Jahr in Dresden und Leipzig. Yamato bringt einen rhythmischen Druck in die Konzerthäuser, wie ihn sonst nur Verstärkertürme bei Rock-Konzerten erzeugen. Bei Yamato ist allerdings alles unplugged. Der starke Klang, von Hand gemacht, wirkt wie ein beruhigendes Brummen auf den schrillen Lärm unserer Zeit. Deshalb kommen die Zuschauer in Scharen.

Yamato verbindet westliche Konzertdramaturgie, asiatische Exotik und buddhistischen Glauben zu einer Show. Dabei ist der Wechselschlag mit den dicken Schlagstöcken auf die schweren Trommeln (Miya Daiko) wie ein Grundrauschen, das das Publikum mitnimmt.

Wer kann sich da entziehen? Die Körperlichkeit der vier Trommlerinnen und sieben Trommler wirkt wie bei Sportlern. Nur verstrahlen sie mehr Freude bei ihren Schlag-Übungen. „Rakuda“ (führe fröhlich den Schlag) nennen sie ihre Gruppentherapie, die erheiternd wirkt und dem Publikum ein unbestimmtes Glücksgefühl vermittelt. Es basiert auf dem Eindruck, dass die Konzentration allein auf eine Sache sehr befriedigend sein muss. Und so will Masa Ogawa, der Gründer von Yamato und künstlerische Kopf, das neue Programm als Antwort auf die „Dunkelheit“ in der Welt verstanden wissen. Leidenschaft und Begeisterung werden als Kräftigung der Seele empfohlen. Wer will da wiedersprechen?

Das Formationstrommeln ist variantenreich. Mal wird ein Stock wie ein Samurai-Schwert von allen geführt, mal scheren einzelne Trommler aus und genießen ihre Individualität auf drei Trommeln. Solo-Zeit.

Diese Dramaturgie scheint für westliche Konzerthallen einstudiert, wenn beim Spiel mit zwei Blechen (Zimbeln) eine Frau zwischen zwei Männer gerät und sich mit Witz und Elan behauptet. „Tone“ (der Klang aus der Ferne) ist das poetische Gegenstück zum Trommelkonzert. Beim Zwiegespräch der Klangbleche wirken die kleinen Gesten und pfiffigen Ideen erfrischend. Japanische Saiteninstrumente, wie die Laute (Shamisen) und die Flöte (Shinobue) sind leider nur selten zu hören.

Yamato stehen eben fürs Taiko-Trommeln. Und das imponiert besonders, wenn mit einer Art Baumstamm auf die größte Trommel geschlagen wird. Das Publikum ist auch von interaktiven Klatschspielen begeistert, mit der Pointe, dass Yamato doch schneller sind. Mit solchen spöttischen Unterhaltungsformen hat auch die australische Formation Stomp schon gepunktet.

Yamato bestechen mit ihrer Wucht, der schnellen Perfektion und einer homogenen Gemeinsamkeit. Ihr Spiel wird im Bauch spürbar wie eine angenehme Vibration, die allerdings irgendwann auch etwas einseitig bleibt.

Die japanischen Yamato-Trommerln sind bis 5. August in der Kölner Philharmonie zu hören. Tel. 0221 / 280 280

Vom 7. bis 19. August in der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf. Tel. 0211 / 8925 211. Karten außerdem

unter 01805 / 2001 (14 Cent/Min. im dt. Festnetz)

http://www.yamato-show.de

Quelle: wa.de

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