Japanische Band „Boredoms“ auf der Halde Haniel

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Boredoms

BOTTROP ▪ Jeder Besucher auf der Halde Haniel bekommt ein Paar Ohrstöpsel. Die Macher der Ruhrtriennale sind Humanisten. Die japanische Band „Boredoms“ wird bei ihrem Konzert in Bottrop laut, richtig laut. Sie haben sich mit Gästen verstärkt, so dass zwei Drummer auf der Bühne sitzen und zehn weitere einen Kreis darum bilden. Ein Stück spielen sie, das 90 Minuten dauert, eine nächtliche Meditation in Krach, neben der ein Heavy-Metal-Konzert anmutet wie ein Kindergeburtstag.

Alles beginnt recht harmlos mit pluckernden Tönen von Gitarre und Bass. Die Noise-Rocker nehmen sich Zeit. Yamantaka Eye steuert das Geschehen mal wie ein Dirigent, mal wie ein Tänzer, und das vorzüglich eingespielte Ensemble nimmt jede Geste präzise auf. Am Anfang beugt sich der schamanenhafte Sänger zum Boden, und das Scheppern der Becken geht zurück bis ins Piano. Dann richtet er sich auf, biegt den Körper zurück zu einem gespannten Bogen, und ein Lärm-Orkan bricht los. Eye gibt seinen Kollegen Einsätze, schickt eine akustische Welle von Drummer zu Drummer, formt sie zu Gruppen, die wuchtige Rhythmen hämmern, über die einzelne immer neue Solo-Muster legen. Dazu kommen massive elektronische Klangwände, mal von Gitarrist Shinji Masuko, dann wieder von Eye selbst. Er bedient neben Keyboards auch die siebenhalsige Gitarre, die wie ein Totem aufgebaut ist, und gegen die er mit einer Stange schlägt wie der Hohepriester eines Donnergottes. Er krächzt, schreit, heult, und Band-Schlagzeugerin Yoshimi P-We singt manchmal. Minutenlang wiederholen sie zuweilen ein Rhythmuspattern und er grölt darüber eine unverständliche Textzeile, und der Lärm entwickelt hypnotische Gewalt. Als der Bus uns um Mitternacht von der Halde herunterbringt, dröhnen die Ohren, und viele Zuhörer sehen glücklich aus. ▪ sti

Quelle: wa.de

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