James Blunt verteilt in Oberhausen Küsschen

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James Blunt erfüllt in Oberhausen nicht das Schmusekater-Klischee und spielt auch Rocknummern. ▪

Von Frank Osiewacz ▪ OBERHAUSEN – Als James Blunt sein Publikum in der Oberhausen Arena am Dienstag Abend nach gut 90 Minuten mit den letzten Klängen von „1973“ verabschiedet, herrscht Glückseligkeit. Und das offenbar auf beiden Seiten. Blunt und seine fünfköpfige Band haben ein furioses Set mit 20 Stücken hingelegt und die gut 8000 Zuschauer restlos begeistert.

Umgekehrt zeigt sich der 37-jährige Sänger, Gitarrist und Pianist beeindruckt von der Atmosphäre in der Halle und den Zuschauern, die ihre Sitzplätze von Beginn an nur zu gerne in eine Tanzfläche umfunktioniert haben. „Wenn Ihr das ganze Konzert durch steht, zieht sich mein Pianist für Euch aus“, kündigt Blunt zu Beginn scherzhaft an. Das Publikum bleibt stehen, der Pianist trotzdem angezogen. Am Ende muss sich niemand entkleiden, und das Konzert geht dennoch unter die Haut: Blunt ist sensationell gut, trifft jeden Ton in einen kristallklaren Sound und zeigt sich sehr publikumsnah. Vom gegenüberliegenden Ende der Halle läuft er um Punkt 21 Uhr in Richtung Bühne, lässt sich abklatschen und hat keine Berührungsängste. Am Ende des Sets folgt eine Art „Ehrenrunde“ durch die Halle, bei der sich Blunt sogar zu einem Küsschen mit einer Besucherin hinreißen lässt.

Schnell hat der charmante Brite – und Frauenschwarm – in seinem schlichten grau-grünen T-Shirt die Fans in seinen Bann gezogen. Angeblich spreche er nur ein paar Brocken Deutsch: „Danke. Danke schön. Vielen Dank.“ Am Ende des Abends sind es dann doch ein paar Bröckchen mehr: „Ich liebe dich“, zum Beispiel. Ob Blunt das in seiner Jugend in Soest aufschnappte, wo er mit der Familie während des väterlichen Wehrdienstes lebte, bleibt unklar.

James Blunt vertraut auf ein Set mit vielen alten Bekannten. Darunter sind mit „Billy“, „You‘re Beautiful“, „Wiesemen“ und „So Long Jimmy“ die Eckpunkte des ersten Albums „Back To Bedlam“ versammelt. Blunt setzt nicht auf Effekte, sondern auf Gefühl. Und das kauft man ihm ab. Er wirkt sehr berührt, umklammert seine Hände deutlich sichtbar auf den großen Leinwandprojektionen rechts und links der Bühne, während er die Ballade „If Time Is All I Have“ singt. Und „Goodbye My Lover“ ist immer noch so anrührend schön, dass sich mancher eine heimliche Träne aus dem Augenwinkel wischt.

Die Lichtshow ist geschmackvoll dezent, mit einigen Lichtsäulen, die hinter der Bühne aufragen und zurückhaltenden Videoprojektionen. Nie gewinnt die Hintergrundinszenierung die Oberhand. Blunt ist insgesamt nicht bereit, das Schmusekater-Klischee zu erfüllen, das ihm spätestens nach seinem dritten Album „Some Kind O Trouble“ anhaftet. Mit „Turn Me On“ und dem folgenden „Superstar“ hat er echte Rocknummern eingebaut – inklusive wimmerndem Wahwah-Pedal.

Die Zuschauer machen längst alles mit, denn James Blunt erzeugt eine freundliche und trotz der großen Halle vergleichsweise intime Atmosphäre. Blunt, ein liebenswerter, etwas schüchterner Weltstar von nebenan, der sich aber auch gerne feiern lässt und seine Freude mit den Fans teilt. Nach 75 Minuten verabschiedet sich die Band unter stehenden Ovationen von der Bühne. Mit der Ballade „Into The Dark“ kommt Blunt zu einem projizierten Sternenhimmel zurück. Winkend scheint er sein Publikum auf den Nachhauseweg zu entlassen, doch dann gönnt er der Menge die letzten zwei Bonbons: Endlich ein beseeltes „Stay The Night“ und besagtes „1973“. Dazu James Blunt stehend auf dem Piano: Das Publikum wäre gerne die Nacht über geblieben.

Quelle: wa.de

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