Jakob Heins „Liebe ist nur ein hormoneller Zustand“ in Essen

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Eishockey im Probenraum: Szene aus dem Hein-Abend mit Lukas Graser, Matthias Eberle, Raiko Küster.

Von Ralf Stiftel ▪ ESSEN–Ein „Konzert“ nennt David Bösch seine vorerst letzte Inszenierung für das Schauspiel Essen. Und tatsächlich lässt der Regisseur seine drei Darsteller Punk-Songs aneinander reihen, die erzählen, was Jakob Hein in seinem Roman „Liebe ist ein hormonell bedingter Zustand“ über eine Jugend in der DDR aufgeschrieben hat.

Raiko Küster kommt erst einmal in die zum leicht vermüllten Probenraum umgebauten Casa (Bühne: Bösch und Julia Scheurer). Am Casio-Keyboard tastet er „Auferstanden aus Ruinen“, die DDR-Hymne. Dann setzt er eine Honecker-Maske auf und parodiert den einstigen Staats- und Parteichef. Dann setzt er sich ans Schlagzeug, Lukas Graser greift die Gitarre, Matthias Eberle moderiert und singt. Sie alle sind zu verschiedenen Zeiten jener Sascha, der sich erinnert, wie er es vom Kindergarten bis in die Ehe mit Johanna geschafft hat. Dazwischen liegt allerlei Rebellion und vor allem jede Menge pubertärer Wirrungen. Denn Sascha liebt die Frauen. Aber sie haben ihn vor allem gern als besten Freund. Oder gar als „beste Freundin mit Penis“. Diese Jugend in der DDR, das merkt der Besucher schnell, unterscheidet sich nur unwesentlich von einer im anderen Teil Deutschlands.

Die Mischung aus lockerer Plauderei und locker angepunkten Songs in Minimalbesetzung geht vorzüglich auf. Küster und Graser bringen ihre Instrumentalparts ziemlich unfallfrei über die Runden bis hin zu einer coolen Coverversion von „You're My Heart, You're My Soul“. Die drei Darsteller geben den sanft ironischen Erinnerungen Heins sehr authentische Stimmen. Wenn sich dann Eberle Luftmatratzen als Beinschutz umschnallt und das Trio das Eishockey-Match DDR-Sowjetunion nachstellt, dann geht das Publikum erst recht mit. Da muss eine Zugabe her: „Sarah“ von Foreigner – weil Sarah mit Sascha vielleicht am rüdesten umgegangen ist.

Von der Uraufführung war auch der Autor am Premierenabend sehr angetan, so dass er auch noch ein Ständchen gab, obwohl er „gar nicht singen kann“, wie er eingestand. Wie er die eigene Übersetzung von „I will survive“ vorträgt, das können Theaterfreunde nicht mehr in Essen erleben. Den eigentlichen, überaus launigen Abend aber schon.

29.4., 8., 10.5., 5., 16., 20., 21., 26., 28.6.,

Tel. 0201/ 81 22 200,

http://www.schauspiel-essen.de

Quelle: wa.de

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