Jack White begeistert im Kölner E-Werk

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Im blauen Nachtlicht des Kölner E-Werks: Jack White zelebriert seine Musik bei einem großen, aber kurzen Konzert. ▪

Von Frank Zöllner ▪ KÖLN–Wie Jack White leichtfüßig-katzenhaft mit seiner E-Gitarre über die Bühne schleicht und schreitet, eingerahmt von seiner sechsköpfigen, weiblichen Begleitband, das ist schon jetzt eines der erhabensten Bilder des Konzertjahres. Dass es am Ende eines außergewöhnlichen Konzertes im Kölner E-Werk dennoch Pfiffe gibt, lag an der Kürze des Auftrittes.

Denn das intensive Rock-Soul-Blues-Country-Gewitter dauert nicht einmal 70 Minuten. Aber immerhin präsentiert in dieser Zeit der 36-Jährige die Essenz seines musikalischen Werdegangs.

Und der Allroundmusiker hat einfach Stilbewusstsein. Seine Roadies sind in schwarzen Anzügen mit Krawatten und Hüten bekleidet und ein Blickfang beim Aufbau schon vor dem Konzert. Die begleitenden Musikerinnen sind in stilvolle, klassisch-weite, weiße Südstaatenkleider gehüllt. Eigentlich fehlt nur noch eine Pferdekutsche, um diese nostalgische Reise zu den Wurzeln US-amerikanischer Musik zu dokumentieren.

Im vergangenen Jahr erklärte Jack White zwar die White Stripes für Geschichte, aber die vom ihm komponierten Lieder dieses einflussreichen und prägenden Duos befinden sich genauso auf der Setlist wie Songs seiner weiteren Band-Projekte wie The Raconteurs und Dead Weather. Aber eigentlich ist der als so etwas wie der Erbverwalter des Blues auftretende Alternativrocker Jack White mit seinem im Frühjahr erschienenen Solo-Album „Blunderbuss“ (Donnerbüchse) unterwegs.

Der Auftakt mit „Sixteen Salteens“ von ebendiesem Album ist so rumpelig und rau wie ein Song der White Stripes, zumal die Schlagzeugerin genauso ekstatisch auf ihr Instrument eindrischt wie einst Meg White. Zumal die weitere Reise zu den Anfängen der White Stripes mit dem brachialen „Dead Leaves And The Dirty Ground“ führt, so dass zunächst der Eindruck entsteht, dies sei ein aufgemotztes Konzert der aufgelösten Band. Später werden noch „We Are Going To Be Friends“ und das kraftvoll-punkige „Hotel Yorba“ mit urwüchsiger Kraft gespielt. Seinen Überhit und zum Stadion-Kracher gewordene „Seven Nation Army“ spart er allerdings aus.

Das aktuelle Album, mit dem das Gitarrengenie weltweit die Spitze der Charts ohne Anbiederung an den Kommerz erobert hat, sorgt für weitere Facetten zwischen Sixties-Garagenrock und der frisch klingenden Besinnung auf die Wurzeln schwarzer Musik. Zu „Freedom at 21“ nimmt White, die Gitarre lässig an seiner Seite baumelnd, an einem Klavier Platz. Wie entfesselt klimpert White „Trash Tongue Talker“. Später wird der Raconteurs-Hit „Steady As She Goes“ durch eines der unwiderstehlichen Gitarren-Soli von White zum monumentalen Bluesstampfer.

Es scheint, dass das, was White in Angriff nimmt, immer gelingt: Er ist Boss eines Plattenlabels (Third Man Records), gilt in Nashville ansässig als der einer der einflussreichsten Rock-Produzenten der USA und nimmt auch Filmrollen an. Der Mann mit den vielen Talenten hat sich für diesen Abend schlichte schwarze Klamotten ausgesucht, die seine bleiche Hautfarbe noch verstärken. Das Bühnenbild ist schlicht. Vor drei blauen Längststreifen gibt es nur bläuliches Licht, was faszinierende Schattenspiele produziert.

Alles andere hätte sowieso vom wilden Geschehen auf der Bühne abgelenkt. White tritt in Interaktion mit der Schlagzeugerin, spielt Nase an Nase Gitarre mit der Teufelsgeigerin und singt ins Mikrophon gemeinsam mit der Percussionistin und der Keyboarderin. In dieser Anordnung wirkt White wie ein Hahn im Korb, aber ein von den wie wilden Hühnern wirkenden Musikerinnen kaum zu bändigender. In dieser Reduktion eines Rockkonzertes wirkt auch die Musik wie in ihre Bestandteile aus altem Blues, Hardrock, Punk, Country und Soul zerlegt, um das dann in faszinierenden Neuschöpfungen wieder neu zusammenzusetzen. Jack Whites markante Stimme gibt alledem noch eine besondere Tiefe – aber nur für etwas mehr als eine Stunde.

Quelle: wa.de

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