In Iserlohn werden Karl Otto Götz und Rissa ausgestellt

Rissas „Hirschkäfer“ (1985) wird in der Iserlohner Villa Wessel ausgestellt. ▪ Foto Gay

Von Marion Gay ▪ ISERLOHN–Die Frau im Abendkleid kniet zu Füßen des Mannes. Abwesend sitzt er auf dem Stuhl, ohne Notiz von ihr zu nehmen. So bleibt ihr nichts anderes übrig, als hilflos aus dem Bild zu schauen. Und vielleicht die abstrakten Farbkompositionen gegenüber zu betrachten? In der Iserlohner Villa Wessel prallen die figurativen Malereien von Rissa auf die gegenstandslosen Bewegungsbilder von Karl Otto Götz. Der Dialog der scheinbar gegensätzlichen Kunstrichtungen ist äußerst spannend und sehenswert.

Karl Otto Götz wurde 1914 in Aachen geboren. In den frühen 30er Jahren besuchte er die dortige Kunstgewerbeschule und begann mit ersten abstrakten Arbeiten. Der zweite Weltkrieg unterbrach sein künstlerisches Schaffen, bei der Bombardierung auf Dresden ging der größte Teil seines Frühwerkes verloren. 1949 trat Götz als einziger deutscher Maler der in Paris gegründeten, kunsthistorisch bedeutenden Künstlergruppe „CoBrA“ bei. 1952 verabschiedete er sich von der Ölmalerei, da er durch Zufall eine neue Maltechnik entdeckt hatte: Von nun an trug er mit unterschiedlich großen Pinseln Farbe auf mit Kleister versehene Leinwände auf, die er blitzschnell mit Gummirakeln wieder wegschleuderte. Zeitgleich gründete er die Gruppe „Quadriga“, die als Keimzelle des deutschen Informel gilt.

In den späten 50er-Jahren wurde Götz zum Professor an der Kunstakademie Düsseldorf ernannt, wo er in den zwanzig Jahren seiner Tätigkeit Künstler wie Kuno Gonschier, Sigmar Polke und Gerhard Richter unterrichtete. Zu seinen Schülern gehörte auch Rissa, die 1938 als Karin Martin bei Chemnitz geboren wurde. Die beiden heirateten 1965, von 1973 bis 2003 war sie selbst Professorin an der Düsseldorfer Akademie.

Ihre Bilder bersten fast vor Farbigkeit, immer scheinen sie eine Geschichte zu erzählen. Zum Beispiel zeigt das Bild „Du kriegst nichts“ (2004) einen Totenschädel vor einer gefüllten Tasse. In der Arbeit „Hirschkäfer“ (1985) versucht das Tier, mit seinen geweihartigen Kiefern einen Salzstreuer zu umklammern. Anscheinend mag es die Tomate lieber gesalzen. Und auch die Arbeit „Der Schläfer“ (1994) zeigt womöglich ein Drama: Wie tief der Mann schläft und wie bohrend sich der Blick der Frau auf ihn richtet.

Die Bilder von Götz stammen aus den Jahren zwischen 2000 und 2006. Sie gehören damit zum beeindruckenden Alterswerk, das sich intensiv, kraftvoll und aktuell präsentiert. Wie beispielsweise die großformatige Arbeit „Beben“ (2006), die vor Spannung vibriert. Ein Unwetter scheint darin zu toben, die dunkle gezackte Form krümmt sich zwischen ockergelben und blauen Flächen. Darüber prasseln schwarze Flecken wie Regen, das unregelmäßige Weiß wirkt wie Gischt zwischen dem Blau.

Auch „Tobyrr“ (2000) zeigt eine Welt in Aufruhr. Schwarze und weiße Formen winden sich empor, das Rot erinnert an Feuer. Spannungsvoll setzt Götz die breiten Pinselschwünge gegen schmalere Linien, das intensive Rot kracht förmlich in die diffusen Farbschichten. Das Ergebnis ist meisterhaft.

Bis 17.7., di – fr 15 – 19, sa 12 – 16, so 11 – 17 Uhr, Tel. 02371/14238

http://www.villa-wessel.de

Quelle: wa.de

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