Installation von Birgit Brenner im Kunstverein Dortmund

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Lauter Indizien: Detail der Arbeit von Birgit Brenner im Kunstverein Dortmund. ▪

Von Marion Gay ▪ DORTMUND–Die Umrisse zweier Sessel zeichnen sich an der Wand ab, dazwischen ein Tisch, das Fragment eines braunen Perserteppichs. Alles ist aus Pappe geschnitten und wirkt provisorisch zusammenmontiert, so als könnten die Dinge im nächsten Moment völlig anders stehen.

Die Elemente sind Teil der sehenswerten Rauminstallation „Ein Anfang. Von Was. Oder So.“ der Berliner Künstlerin Birgit Brenner im Dortmunder Kunstverein. Die Schau leitet den Beginn einer neuen Ausstellungsreihe ein. Wie Kunstvereinsleiterin Sandra Dichtl erklärt, wird der Schwerpunkt auf dem „Performativem, Exzessivem und Narrativem“ in der zeitgenössischen Kunst liegen, der Kunstverein wird zur Schnittstelle zwischen Bühne, Literatur und bildender Kunst.

Birgit Brenners Installation, die sie für die Räume des Kunstvereins angefertigt hat, erzählt eine verstörende Geschichte über Einsamkeit und Verlorenheit, über Individuen, die sich in Parallelwelten eingerichtet haben und nicht mehr hin-ausfinden.

Wie in einem Bühnenbild arrangiert die 1964 in Ulm geborene Künstlerin die Schemen der Möbelstücke. Darüber verteilt sie geschwärzte Latten, die als durchgestrichene Zeichen zu verstehen sind. Gegenüber an der Wand befindet sich ein handgeschriebener Text, mit durchgestrichenen Wörtern, wie flüchtig aufgezeichnet. Eine Art Skript. Beginnend um 20.26 Uhr, endend um 20.57 Uhr. Ein Mann sieht am Computer einen Film. Eine Frau bringt sich darin um. Seine Gedanken schweifen ab. Er stellt sich vor, die Frau zu küssen. Seine Freundin saugt Staub. Er umarmt sie und tötet sie. Macht ein Foto und stellt es ins Internet.

Eine kurze Geschichte, gerade mal eine halbe Stunde, die Birgit Brenner mit Wandelementen, Zeichnungen und Fotografien inszeniert. Ein Waschbecken ist auf einer der Zeichnungen zu sehen, Blut tropft vom weißen Rand. Die Fotos zeigen ein Paar Füße in Turnschuhen, neben einer Flasche Wasser auf dem Tisch. Einen Computer, einen Sofatisch. Anhand von Spuren lässt sich die Story verfolgen. Wie ein Ermittler in einem Kriminalfall kann man sich durch den Raum bewegen, nach Hinweisen suchen. Hier sieht alles normal aus, ein beige-brauner Teppich, ein schwarzer Bürosessel. Aber die Schmetterlinge an der Wand? Die Handschellen auf dem Boden? Lässt sich die gestörte Persönlichkeit daran erkennen? Birgit Brenner findet ihre Ideen häufig bei der Recherche im Internet. Sie sammelt Sätze, fügt sie zu kurzen Texten zusammen, die sich wie Passagen aus Filmdrehbücher lesen. Am Ende steht ein atmosphärisch dichtes, beklemmendes Raumgebilde.

Bis 23. Dezember

di – fr 15 – 18, so 11 –16 Uhr; Tel. 0231/ 578736; www. dortmunder -kunstverein.de

Quelle: wa.de

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