Hermann EsRichter im Kunstmuseum Ahlen

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Hermann EsRichter vor seinem Triptychon o.T. (2014) im Kunstmuseum Ahlen.

Ahlen - Aus der dunklen Wolke strahlt die Neonlampe wie ein Planet. Eine Leiter lehnt daran, wie um direkt in den Nachthimmel zu steigen. Die Installation „Departure 2“ (1989) ist eine von rund 50 Arbeiten von Hermann EsRichter, zu sehen im zweiten Teil der Ausstellungsreihe „Intermezzo 2015“ im Kunstmuseum Ahlen.

Das Intermezzo ist ein bewegliches Ausstellungsformat, das jährlich in den Sommermonaten nach- und nebeneinander verschiedene Positionen der Gegenwartskunst präsentiert. Unter dem Motto „Nicht nur Farbe“ werden in zwei Einzelausstellungen Werke des Oberhausener Bildhauers und der Schweizer Künstlerin Susanne Lyner gezeigt. Beide begreifen ihre künstlerische Tätigkeit als experimentelle Erweiterung der klassischen Gattung Malerei oder Skulptur.

Bereits 2013 waren Arbeiten von EsRichter in der Ahlener Collage-Schau vertreten. Die aktuell ausgestellten Bilder, Installationen und Objekte unter dem Titel „Komplementäre Konvergenzen“ stammen aus den letzten vier Jahrzehnten und dokumentieren die Vielseitigkeit des 1939 geborenen Künstlers.

Oft entwickeln sich seine Arbeiten über Jahre. So die Installation „Reflektion – Reflexion“ (1980). Zunächst war da die Fotografie von einem gespiegelten Ei im Becher. Dann setzte EsRichter die organische Ei-Form in einen Holzschnitt um und verband beides mit einer geometrischen Drahtgeflecht-Konstruktion.

Meist kombiniert er industrielle Fundstücke mit organischen Dingen. Zufällig entdeckte er auf einer Baustelle die mit grüner Farbe bedeckte Glasscheibe. Von einer Wanderung hatte er Teile einer Schlingpflanze mitgebracht. Zusammen mit einer eiförmigen Platte voller Sägespäne ergibt sich daraus die Installation „Wachstum regt sich“ (1995).

Auch die 1949 geborene Lyner überschreitet in ihrer Malerei Grenzen, indem sie die Acrylfarbe meist in dünnen Strängen verwendet, sodass sie wie textile Schnüre wirken. Für den ehemaligen Eingangsbereich des Museums schuf sie das beeindruckende Werk „lejeudebleu“ (2015), ein teppichartiges Geflecht aus unzähligen Acrylfäden, das in weichem Blau den Boden bedeckt, die ornamentalen Jugendstil-Fliesen noch durchschimmern lässt.

Insgesamt sind es 60 Arbeiten aus den letzten zwölf Jahren, die unter dem Titel „Allesinallemfarbe“ im Altbau des Museums gezeigt werden. Darunter rasterförmig angelegte Tafelbilder in intensiven Farben (ab 2004) und die kleinen, über die Räume verteilten Kuben „SouVenirs“, Puzzleteile aus einem 81-teiligen Farbgebilde.

Besonders inspirieren Lyner Ortswechsel. So zeigen die 44 monochromen Farbtafeln der Serie „Cuxhaven“ (2013) unterschiedliche Farbtöne der winterlichen Nordseelandschaft, vor allem Grau, während die Tusche-Serie „Hamburger Abend Blatt 1-9“ (2015) in flammendem Rot leuchtet.

Marion Gay

Eröffnung Samstag, 17 Uhr.

Bis 4.10., mi – fr 14 – 18, sa, so 11 – 18 Uhr

Tel. 02382/ 91830

www.kunstmuseum-ahlen.de

Quelle: wa.de

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