Konzert mit vielen Klassikern

Grönemeyer bringt viel Ruhrgefühl in Kölner Lanxess-Arena

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Fast schon graziös: Herbert Grönemeyer singt und tanzt auf seiner Tour „Dauernd Jetzt“.

Köln - Die Currywurst vom Bratwurststand im Bochumer Bermuda-Dreieck besingt Herbert Grönemeyer bei seinem Konzert in der Kölner Lanxess-Arena nicht. Aber abseits des kulinarischen Songs kommt so gut wie jeder Klassiker des im Ruhrgebiet aufgewachsenen Musikers aus den Boxen. Die 15.000 Fans danken es mit grandioser Stimmung.

Von Tim Griese

Grönemeyer ist bestens aufgelegt. Er lacht, wirbelt den Steg entlang, der mittig in die Halle führt, er quasselt, und vor allem singt er in seiner unnachahmlichen Weise. „Bochum“, „Männer“, „Flugzeuge im Bauch“, „Mensch“ und „Alkohol“. Sie alle werden zwischendurch wie Farbsprenkel in die Setlist getupft. Den größten Teil des Konzerts nimmt das neue Album des 59-jährigen Musikers, „Dauernd Jetzt“, ein.

Den Anfang macht „Unter Tage“. Die Bühne und die Halle bleiben dunkel. Grönemeyer und seine siebenköpfige Band tragen Kopflampen, als kämen sie geradewegs aus der Grube. Der gebürtige Göttinger ist aufs Ruhrgebiet getrimmt, auf sein Revier, in dem er groß geworden ist. Später kommt noch das Steigerlied, und ganz Köln singt mit, als hätten die Väter und Urväter der Stadt über Generationen nichts anderes getan, als sich mit Stolz durch die Erde gebuddelt.

Klar, Herbert Grönemeyer ist weltoffen, sein Horizont ein weiter. Besonders in der ersten Hälfte des Konzerts hat der Sänger über jeden seiner Songs etwas zu sagen. Es sind tiefschürfende Sachen dabei. Das, was in der Welt passiert, geht nicht unbeachtet an ihm vorüber. Im Gegenteil: Egal, ob Flüchtlingsmassen auf Nussschalen im Mittelmeer („Roter Mond“), Terrorismus im Namen von Religionen („Ein Stück vom Himmel“), gesellschaftliche und politische Entwicklungen in Deutschland („Unser Land“) – Grönemeyer verarbeitet die Gegenwart in seinen Texten.

Auch sein privates Leben wird besungen, private Schicksalsschläge („Der Weg“) und Verliebtheit („Morgen“) werden in Worte verpackt. Grönemeyer singt von Freiheit und Nächstenliebe („Schiffsverkehr“), und er befeuert die Euphorie um den Fußball („Zeit, dass sich was dreht“).

Die musikalische Ausdrucksweise – das zeigt sich in Köln wunderbar im Laufe des Konzerts – präsentiert sich trotz des einnehmenden markeneigenen Stakkato-Gesangs vielfältig: Am Klavier sitzend singt er begleitet von reduzierter Instrumentierung „Neuer Tag“, „Flugzeuge im Bauch“, das fast nur im Refrain noch als der eigentliche Titel zu erkennen ist, während Papierflieger aus dem Publikum Grönemeyer um die Nase segeln, oder etwa „Der Weg“.

Zuvor geht Herbert Grönemeyer rockig zu Werke. Auf „Männer“, das alle auswendig kennen, folgt das nicht weniger als Stimmungsmacher durchgehende „Was soll das?“. Grönemeyer am Keyboard vollführt einen Ausfallschritt nach dem nächsten, die Zuhörer jubeln ihm zu. Bei „Vollmond“ schließlich geht der Sänger auf Tuchfühlung zu seinen Fans, verlässt den Steg und wirft sich rücklings in die Menge.

„Ich bin ja berühmt dafür, leichtfüßig zu sein, fast schon graziös“, hat er zu Konzertbeginn mit einem Augenzwinkern über sein tänzerisches Vermögen gesagt, um während des rund zweieinhalbstündigen Auftritts immer wieder unter Beweis zu stellen, welch Ballerina mit grobmotorischem Einschlag er doch ist – und welch großen Spaß er beim Hüftkreisen und Popowackeln hat. Für seinen Ausdruckstanz nutzt er den gesamten Steg aus. Das gibt Sonderapplaus.

Herbert Grönemeyer ist schon ein großer Entertainer: Aufgedreht, beinahe aufgekratzt flitzt er über die Bühne und nimmt sich dabei nicht allzu ernst. „Ich bin sachlich, präzise und habe einen schönen Scheitel“, sagt er über sich selbst, und die Menge johlt. „Danke, danke, super, klasse“, ruft Grönemeyer zurück: „Was für ein schöner Abend.“ Und er zaubert als Zugabe eine ganz eigene Version von „Oh, wie ist das schön“ in die Halle.

Quelle: wa.de

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