Helios-Theater Hamm zeigt „Tongestalten“ für 2-Jährige

+
Figur aus Ton: Katja Wiefel in der Uraufführung des Stücks für Zweijährige in Hamm: „Tongestalten“. ▪

Von Edda Breski ▪ HAMM– Das Tongesicht macht „Aaahh”. Eine lustige Fratze, in die Katja Wiefel ihre Finger tief hineinbohrt, erst zu einem ganz kleinen Loch, das sagt „Oh”. Mit der ganzen Hand macht sie das Loch viel größer, und jetzt kann der Tonkopf schon richtig laut werden. Eine Stimme bekommt er aus dem Hintergrund von Manuel Loos, dem Musiker, der das neue Stück des Helios-Theaters begleitet. „Tongestalten” ist ein dreißigminütiges Zweimannstück, das sich an Kinder ab zwei Jahren richtet, wie etwa der preisgekrönten Wasser-Erkundung „Ha zwei oohh”.

Der Titel hat einen doppelten Wortsinn. Das Helios-Theater setzt mit „Tongestalten” seine Kindertheaterreihe zu den Elementen fort. Der Ton ist Klang oder auch Wort, auf der Bühne aber auch Erde. Katja Wiefel, in einem Arbeiteroverall, erkundet die gelben und roten Erdbatzen, formt ungelenke kleine Männchen daraus mit überlangen Ärmchen und Beinen, die noch Griffspuren zeigen, setzt einer kleinen Tonfrau, die ein bisschen aussieht wie ein Schneemann, Minikugeln als Brüste an. Die Tonmännchen stehen einander gegenüber, fallen auf ein Brett und werden platt. Katja Wiefel setzt eins vor ein Tor, das sie aus Tonblöcken gebaut hat. Mehr braucht es nicht für eine Spielszene.

Weil aber Klang und Erde auch eins sein können, lässt Regisseurin Barbara Kölling die Erdspiele von Instrumenten begleiten, die etwas mit Erde zu tun haben. Aus einer Holzpalette und Keramikkacheln ist ein „Kachelophon” entstanden, das Manuel Loos mit Schlägern spielt. Das klingt verspielt und zurückhaltend und erdig. Und er hat eine große Keramikflasche, die als Perkussionsinstrument funktioniert, eine „Udu-Trommel”. Die Gopichand, ein einsaitiges indisches Zupfinstrument, klingt einfach und etwas mystisch. Katja Wiefel schlägt eins der schweren, feuchten Tücher aus, mit dem der Ton bedeckt und feucht gehalten wird. Haptisches wird sichtbar, Geräusch wird Ton. Mit Klängen und Tonmodellage, mit dem archaischen Bild des Erdformens vermittelt das Helios-Theater, dass Spiel, Erkundung und Lernen eins sein können. Denn die große Stärke der Kinderstücke, die im Kulturbahnhof entstehen, ist die Umsetzung von kindlicher Welt-Ertastung in spielerische Bilder. Das kann man, wenn man will, Kultur nennen. Zuerst aber ist es ein Neugierig-machen. Und damit fängt alles an.

Es ist eine schöne Tradition, dass am Ende die Kinder dran sind mit Tasten und Befühlen. Dafür liegen große weiche Tonkugeln bereit.

15., 16., 17. Juni, 10 Uhr, 25. September; Tel. 02381/ 926837; http://www.helios-theater.de

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare