Helios-Theater Hamm zeigt „Die Wundermauer“

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König ohne Durchblick: Marko Werner spielt in der Helios-Inszenierung „Die Wundermauer“ in Hamm.

Von Achim Lettmann -  HAMM Die guten Zeiten hat es mal gegeben, als alle Güter fürs Gemeinwohl da waren, für Essen und Trinken, Kleiden und Wohnen. Diese Sehnsucht humaner Existenz greift das Helios-Theater in Hamm mit seiner Bearbeitung des Märchens „Die Wundermauer“ von Hermynia zur Mühlen (1883–1952) auf.

Sie erzählt, wie ins paradiesische Miteinander die Idee der Monarchie getragen wird. Der unfähige Sohn des umsichtigen Verwalters und sein Kompagnon sorgen dafür, dass die tradierte Mitbestimmung abgelöst wird und das geordnete Gemeinwesen in Armut und Chaos stürzt. Es sind die Kinder, die erkennen, worauf sich die Herrschaft stützt. Sie durchbrechen die „Wundermauer“ und erneuern das Zusammenleben – ein im Hammer Helios-Theater am Ende heiterer Prozess.

Marko Werner setzt das freundliche Gesicht des Erzählers auf. Er berichtet von Hallen, die Schuhe für jedermann bereit halten. Ein Zettel, eine Unterschrift, schon kann jeder ein Paar neue Schuhe mitnehmen. „Cool“ tönt es aus dem Publikum. „Die Wundermauer“ ist für Kinder ab 7 Jahren.

Michael Lurse legt in seiner Inszenierung Wert auf den erzählerischen Grundton, der auf den Diskurs in Hermynia zur Mühlens Geschichte abhebt. Was passiert nach dem Tod des Verwalters? Ist sein Rat zwingend oder kommen von außen bessere Konzepte? Marko Werner zieht zwei rote Handschuhe zu sich und streift sie über. Er stützt sein Kinn in eine Hand, und erweckt als der Fuchsgesichtige die Illusion vom Klügsten und Besten. Aber wie ist der Klügste zu erkennen, fragt ein Junge, und Marko Werner bedeutet mit offenen Armen Verständnis für diese Skepsis. Dass ein „König“ gewählt wird, ist schnell als Fehler stigmatisiert, denn dem dusseligen Herrscher hängt die Krone auf der Nase. Sein Egoismus und seine Habgier führen dazu, dass er die Produkte hinter Glas setzt, sie den Menschen vorenthält. Dieser Trick erweckt eine Begehrlichkeit, die über den Bedarf, welche Dinge brauche ich, hinaus geht.

Michael Lurse, der die Geschichte nachbearbeitet hat, setzt dramaturgische Mittel maßvoll ein. Ein Schattenspiel zweier Hände ist so beredt wie die Ansprache des Fuchsgesichtigen als durchtriebene Figur mit dunklem Schlagschatten. Mit dem Glas, das die wundersame Wirkung hat, berührt der Erzähler/Darsteller einige Kinder und fokussiert so die Aufmerksamkeit auf das alltägliche Material. Marko Werner steht auf („Kinder sind wichtig für uns“) und quasselt hinter der Scheibe zur Eröffnung einer Glasfabrik. Ein Effekt und ein Monitorbild, die Medienwirklichkeit berühren.

Authentischer fühlt sich das Spiel an, wenn ein Stein angefasst wird, der schon bald über der Scheibe schwebt und die „Wundermauer“ sprengt. Hier gewinnen nicht nur die Bühnenkinder, sondern das Theater ordnet auch seine Mittel als wahrhaft lebensnahe Erzählkunst.

9., 10.6.; Tel. 02381/926 837,

www.helios-theater.de

Quelle: wa.de

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