Auf Haus Opherdicke wird Hans Trimborn ausgestellt

Blick für die Persönlichkeit: Hans Trimborn malte das „Mädchen in blauer Bluse“ um 1946, zu sehen auf Haus Opherdicke.

Von Rolf Pfeiffer Holzwickede - Die Hände ruhen auf den verschränkten Armen, der Blick, nicht bohrend aber fest, geht auf das betrachtende Gegenüber. Man wäre geneigt, diesen „Fischer mit roter Mütze und Pfeife“, den Hans Trimborn um 1930 herum malte, als Genrebild zu begreifen, als Typisierung eines norddeutschen Originals. Wenn nur dieses kleine Spitzlicht auf der Nase nicht wäre! Zusammen mit einigen weiteren, weniger spektakulär gesetzten hellen Punkten macht es den Typen zum Individuum, die Ikone zum Portrait.

Der Maler wird den Namen des Mannes gekannt haben, und vielleicht gar hat er das Bild gemalt, um es anschließend zu verschenken. Man weiß es nicht. Wie man vieles nicht weiß über den Maler und Musiker Hans Trimborn, der von 1891 bis 1979 lebte und aus dessen reichem Werk jetzt um die 90 Arbeiten in Haus Opherdicke ausgestellt sind.

Nach Hermann Buß ist Hans Trimborn der zweite Norddeutsche in Folge, dessen Arbeiten auf Haus Opherdicke zu sehen sind. Ein Norddeutscher aus freier Entscheidung übrigens, denn geboren wurde Trimborn im Rheinland, in einem Dorf, das heute zu Bonn gehört. 1919, also 28-jährig, verlagerte er seinen Wohnsitz nach Norderney, 20 Jahre später in Richtung Norden/Ostfriesland, wo er bis zuletzt lebte.

Doch der Eindruck der Bodenständigkeit täuscht möglicherweise, trotz vieler gut empfundener Landschaften in der Ausstellung. Der Maler orientierte sich stets auch an der „modernen Kunst“ seiner Zeit, an Manet, Monet und Matisse, Picasso, Delaunay und Braque, an den deutschen Expressionisten, an Paula Modersohn-Becker. Hinter den Stilrichtungen indes offenbart sich der klandestine Naturalist. Vor allem die Portraits und Selbstportraits aus vielen Jahrzehnten zeigen den Maler auf der Suche nach Charakter und Persönlichkeit, nach der Wahrheit des Sujets. Formales kommt an zweiter Stelle.

Über die ungewöhnliche Wahl der Wohnorte lässt sich trefflich spekulieren. Norderney, ein recht nobler Kurort zwischen den Weltkriegen, war gewiss ein dankbares Pflaster für den Unterhaltungsmusiker Trimborn, der bei Tanztees und Kurkonzerten spielte und als Klavierbegleiter von Stummfilmen sein Publikum, wie zu lesen ist, in Verwirrung stürzte, wenn er längere klassische Passagen ins muntere Pianospiel einflocht. Als brillanter Musiker wurde Trimborn in seiner Zeit allerdings durchaus bemerkt. Der Berliner Dirigent Otto Klemperer hätte ihn gerne für sein Orchester engagiert, doch Trimborn lehnte ab.

Thomas Hengstenberg weiß mit einer weiteren Episode von Trimborns tiefer Abneigung gegen ehrenvolle Verpflichtungen und rituelle Weihen aller Art zu berichten: Als die Ostfriesen den gebürtigen Rheinländer zum „Ostfriesen ehrenhalber“ ernennen wollten, schützte er Zahnschmerzen vor, um an der Zeremonie nicht teilnehmen zu müssen.

Brennend interessiert und sich verweigernd zugleich, bis zuletzt ein Zauderer, ein Bedenkenträger, ein Vertreter des „Lieber nicht“: In dieser Verweigerungshaltung, von der wir nicht einmal wissen, ob sie ängstlich war, mag ein wesentlicher Grund für die relative Unbekanntheit Hans Trimborns liegen. Selbst die Nazis scheinen ihn nicht gekannt zu haben, das Etikett „entartete Kunst“ blieb seinen Bildern erspart. Man kann vermuten, dass die traumatisierenden Erfahrungen des Ersten Weltkriegs den Menschen Trimborn geformt haben, ebenso die schwere Verwundung, die sein Sohn Johannes im Zweiten Weltkrieg erlitt.

Selbstverständlich haben die Kunsthalle und das Ostfriesische Landesmuseum in Emden Trimborns in Ausstellung und Magazin. Doch gänzlich entdeckt ist dieser Maler noch nicht. „Etliche Originale hängen wahrscheinlich noch immer in Kneipen“, vermutet Hengstenberg. Trimborn nämlich, da häufig knapp bei Kasse, pflegte auch in Naturalien zu bezahlen.

Eröffnung so, 11.30 Uhr,

bis 16.3.2014. di – so 10.30 – 17.30 Uhr,

Tel. 02301/918 39 72,

www.kulturkreis-unna.de

Katalog 23 Euro

Quelle: wa.de

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