Ein Haus auf dem Bauernhof in Unna ist am Tag der Architektur zu besichtigen

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Verklinkert ist das Eigenheim in Unna-Mühlhausen, das auf einer Hofstelle gebaut wurde. Hardy Stuckenhoff öffnet sein Wohnhaus am „Tag der Architektur“ für Interessierte. Der kompakte Bau überrascht mit einer offenen Innenarchitektur.

Von Achim Lettmann UNNA - Der Traum vom Eigenheim treibt in Deutschland manchen Bauherren zu kuriosen Hauskonstruktionen. Ob grüne Dachpfannen, Vorbau mit Säulen, italienischer Landhausstil oder spanische Villa. Irgendwie muss sich der Eigentümer auch eigenwillig zeigen. Man baut ja nur einmal.

Für Hardy Stuckenhoff (37) war von Anfang an klar: „Das baue ich konventionell.“ Das heißt für den Landwirt aus Unna-Mühlhausen: „rustikal, schlicht, funktionsfähig und massiv“.

Am „Tag der Architektur“ ist das Haus der Eheleute Stuckenhoff zu besichtigen. Es liegt auf einer Hofstelle. Mit der alten Scheune und dem Fachwerkhaus aus dem 19. Jahrhundert geht es eine Ensemblewirkung ein. Für die Architektin Heidi Bornemann war das eine interessante Aufgabe. Sie leitet ein Büro in Schwerte mit vier Architekten. Das kompakte zweigeschossige Gebäude (160 Quadratmeter) ist geklinkert und zeigt ein frisches Fassadenbild („Herbstbunt“) neben der Scheune aus rotem Backstein. Kompakt und ein wenig trutzig wirkt das Haus mit Satteldach (Tondachpfannen). Die Fenster sind bodentief und grün gerahmt, der Eingang zurückgesetzt. Davor liegen grau-schwarze Betonplatten.

Die Südseite des Eigenheims ist nicht mit Photovoltaikplatten bestückt. „Auf die Jahre rechnet sich eine Gasheizung im Vergleich zu erneuerbaren Energien“, sagt Hardy Stuckenhoff, da ist er sich ganz sicher: „Die Pellets werden auch schon teurer.“ Auf seinem Dach sind nur Solarzellen angebracht, um die vorgeschriebenen 15 Prozent des Bedarfs über regenerative Energien bereitzustellen. Ansonsten gilt: „Der Kamin ist vorbereitet“, sagt Stuckenhoff, der zusätzlich mit einem Kachelofen heizen will. Im Wohnzimmer, das auf der Rückseite liegt und von drei Seiten Licht einfängt, ist der Kaminschacht mit Naturstein-Riemchen akzentuiert.

Die Innenarchitektur des Neubaus überrascht. Der Eigentümer setzt zusammen mit seiner Frau Cora auf Offenheit. Zwar liegen große Ess- und Wohnküchen im Trend, aber auf dem traditionellen Bauernhof gab es schon immer diese Raumnutzung. Die Stuckenhoffs gehen noch einen Schritt weiter und binden auch das Wohnzimmer an.

„Vor zwanzig Jahren hätten Bauherren eine Tür zum Wohnzimmer verlangt“, sagt Heidi Bornemann, die seit über 30 Jahren Architektin ist. Es gibt einige Details, die sich beim Thema Einfamilienhaus gewandelt haben. Kochen ist beispielsweise zum Erlebnis geworden. Und: Es muss aber auch mal schnell gehen. Außerdem wird keine elegante Tafel mehr eingedeckt, wenn der Besuch kommt. Es geht kommunikativer zu, vor allem unter Freunden. Die Leistungsshow der Hausfrau hat ihre gesellschaftliche Attitüde verloren.

Auch das Badezimmer ist längst ein Ort zum Wohlfühlen geworden, keine Nasszelle mehr für Körperhygiene. Der Waschtisch erlebt auch bei den Stuckenhoffs eine Renaissance und hat einen zentralen Platz. Hinter ihm liegen Dusche und WC, auf der anderen Seite die Badewanne. Die Raumaufteilung ist durchdacht und großzügig.

Das zweite Geschoss wird von einer offenen Galerie bestimmt, die den Blick herunter ins Wohnzimmer zulässt. Hier schließen sich die Schlafräume an. Die Kinderzimmer für die Töchter (ein und drei Jahre alt) haben Licht von zwei Seiten. Das ist der Architektin wichtig. Sie setzt im Haus auf Rundumbelichtung und baut auch gern etwas höhere Geschosse. 2,60 Meter sind es im Klinkerhaus. Oder bei anderen Projekten auch mal 2,80 Meter. Solche Entscheidungen verbessern für Heidi Bornemann die Wohnqualität und machen den Unterschied zum Standardhaus.

Auf dem Hof in Unna-Mühlhausen hat „ein Betriebsnachfolger im Nebenerwerb“ gebaut, wie es im Architektendeutsch heißt. Hardy Stuckenhoff ist Feuerwehrmann in Dortmund. Zuhause pflanzt er Zuckerrüben, Mais und Getreide an. Seine Eltern, die im Fachwerkhaus leben, bieten Platz für Pensionspferde. In der Regel wird auf den Hofstellen ein „Altenteiler“ gebaut, sagt Heidi Bornemann, ein Haus für die ältere Generation, seniorengerecht. Hier ist es anders, die jungen Leute haben sich ein Gebäude errichtet, familiengerecht. Von der neuen Terrasse geht der Blick auf die Pferdekoppel. Hier liegt die „grüne Mitte“ Mühlhausens. Neben dem Haus verläuft ein Gehweg, der die Ortshälften verbindet. Eine Hecke soll noch für Sichtschutz sorgen.

Wichtig war Hardy Stuckenhoff der Wirtschaftsraum, den er über einen separaten Eingang erreicht. Neben dem Heizungsbrenner – das Haus hat keinen Keller – ist eine Dusche installiert, die nach der Arbeit auf dem Feld genutzt wird. Das Wohnhaus wirkt durch die ockerfarbenen Bodenfliesen gediegen. Die Treppe ist aus heller Eiche, die Strukturtapeten sind weiß gestrichen. Eine alte Truhe vom Hof steht im Flur, ein dunkles Büffett, samt langem Tisch und alten lederbezogenen Stühlen machen die Wohnküche gemütlich. Das Mobiliar setzt den Kontrapunkt zum aktuellen Baustil. Hier verbinden sich Tradition, Moderne und die Vorlieben der Eheleute.

Tag der Architektur

437 neue Bauten sind am 29./30. Juni zu besichtigen. Die NRW-Architektenkammer lädt zum 18. Mal ein, sich landesweit ein Bild über neue Wohnideen, energetisches Bauen oder Modernisierungen in 153 Städten zu machen. Tel. 0211/496712

www.aknw.de

Das Einfamilienhaus in Unna-Mühlhausen, Mühlhausener Dorfstr. 8b ist am Samstag (29.6.) und Sonntag (30.6.) von 14 bis 17 Uhr zu besichtigen.

www.bornemann-architekten.de

Quelle: wa.de

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