Axxis laden zum Jubiläums-Fest ins Königreich

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Axxis im Jahr 2014. In der Mitte: Sänger und Frontmann Bernhard Weiß.

Das Album "Kingdom Of The Night" von Axxis wird in diesem Jahr 25 Jahre alt - es wurde einst als meistverkauftes Debütalbum einer deutschen Hardrockband aller Zeiten ausgezeichnet. Zum Jubiläum ist jetzt ein zweiter Teil auf den Markt gekommen.

Von Markus Hanneken

Es begab sich im Jahre 1989, da eine handvoll tapferer Rittersleut, in edlem Schwarz gewandet und metallisch klirrend, des Nächtens vom grauen Westfalenland auszog, um mit fröhlichen Liedern auf den Lippen ein Königreich zu errichten. Nun, 25 Jahre nach ebendiesem Auszug, hissen die Rittersleut die Fahne der Erinnerung: Namentlich ist es die Hardrockband Axxis, und sie ruft nun zum zweiten Mal ins „Kingdom Of The Night“.

Tatsächlich gleicht der musikalische Kampf der Axxis-Rocker ein stückweit dem eingangs beschriebenen Szenario. Ihr Album „Kingdom Of the Night“ wurde offiziell als meistverkauftes Debütalbum einer deutschen Hardrockband aller Zeiten ausgezeichnet. Auf dem Genre-Thron hat sich die Band zwar nicht etablieren können, doch hat sie sich über die Jahre allen musikalischen und strukturellen Veränderungen auf dem Markt zum Trotz nicht kleinkriegen lassen, ihre Nische gepflegt, fleißig Alben produziert und Touren absolviert.

Axxis bei einem Konzert in der Zeche Bochum im Dezember 2009.

Der Prinz, der nie König wurde, ist auch im Jahr 2014 noch leidenschaftlich umtriebig präsent: Sänger Bernhard (Berny) Weiß managt seine fünfköpfige Band von Lünen aus seit ehedem aufwändig und liebevoll wie eine Familie. An seiner Seite haben die Getreuen immer mal wieder gewechselt – einzig Keyboarder Harry Oellers macht das Jubiläum fast so voll wie Weiß.

Auf den Tag genau 25 Jahre später haben Axxis nun den Kreis geschlossen und am 28. Februar 2014 „Kingdom of the Night II“ veröffentlicht. Und das sogar gleich zweimal: als schwarzes und als weißes Album. Auf diese Weise sollen die 25 Jahre Bandgeschichte mit neuen Songs musikalisch umschlossen und die verschiedenen Geschmäcker der treuen Fans gezielt bedient werden – wobei Schwarz für die härtere und Weiß für die melodischere und ruhigere Seite steht.

Sehr zur Freude von Weiß hat sich die viele Mühe offenbar gelohnt: Der Frontmann ist in den einschlägigen Print- und Online-Medien sowie im Radio derzeit mit Interviews omnipräsent und freut sich überdies über ungewöhnlich viele positive Reaktionen auf das Album-Doppel.

Interview

Welche Gedanken gehen dem Bandchef in diesen erneut so aufregenden Tagen durch den Kopf? Wir haben ihn persönlich gefragt:

Was ist anders bei diesem Album als in den Vorjahren?

Berny Weiß: ALLES! Wir haben versucht uns bei diesem Album zurückzuversetzen in die Zeit von 1989. Damals waren Tonbänder, Bandmaschinen und viel analoges Equipment am Start. Kein Drag & Drop, kein Copy & Paste, wie es heute am PC normal ist. Wir haben altes Vintage-Material repariert und eingesetzt, da wir die digitale Entwicklung abstrus finden. 1989 haben wir mit alten EMT-Stahlplatten den Hall erzeugt, heute werden diese Hallplatten digital als Plugins für teuer Geld auf den Markt gebracht. Das ist krank, die Digitaltechnik verkauft heute genau diese Produkte als Emulation, die sie hat pleite gehen lassen. Wir haben glücklicherweise einen Fundus, der nicht auf Simulation, sondern auf echte Geräte zurückgreifen kann. Das hört und fühlt man.

Unabhängig davon ist alleine der Titel „Kingdom Of The Night II“ Druck genug, genau dieses Flair von damals aufleben zu lassen… Und es hat funktioniert.

Welches ist deine blödeste und deine schönste Erinnerung aus den 25 Jahren?

Berny Weiß live

Weiß: Das kann man echt nicht sagen. Wir hatte so tolle Momente in den USA, Tokio, in Deutschland, die großen Touren und Gigs mit Black Sabbath, Wacken, Rock am Ring, das bestverkaufteste Hardrockdebüt in Deutschland abzuliefern, die schnellste Vinylplattenpressung der Welt, das Kennenlernen von Stars und Produzenten, das Miterleben des Umbruchs ins digitale Zeitalter, die Möglichkeit, nun unabhängiger zu werden von der Musikindustrie, die zusammenbricht, die vielen kleinen unsagbar schönen Momente. Da kann man in 25 Jahren nichts hervorheben, außer dass es richtig war, das Studium abzubrechen und im Musikbusiness Vollgas zu geben.

Wie hat sich der Albummarkt für euch entwickelt? Passt das zu den Besucherzahlen der Konzerte?

Weiß: Das kann man schwer ins Verhältnis setzten. Heute verkauft man weitaus weniger CDs, deshalb geht alles mit Rang und Namen auf Tour. Unsere Konzerte sind gut besucht, obwohl wir vor fünf Jahren die letzte richtige Axxis-Studio-CD veröffentlicht haben. Das Livegeschäft entwickelt sich für uns unabhängig vom CD-Verkauf. Obwohl keine neue CD anstand, wurden wir gut gebucht. Aber klar, wenn man dann wie jetzt ein neues Album macht, dann ist dies auch aktuell ein Grund, die Band live zu sehen, um die neuen Song zu hören.

Wir haben Axxis im Laufe der Zeit zu einer kleinen 360-Grad-Zelle ausgebaut. Tonstudio, Verlag, Label und so weiter… All das macht uns zu einer richtigen Rockband, total unabhängig vom Business sein zu können, eigene Bands unter Vertrag zu nehmen, die eigene CD in der Hand zu halten von der man weiß, Coverdesign, Anzeigenkamapgne, Promo, und so weiter... Alles hat man zu hundert Prozent selber angefertigt. Das ist nochmal eine ganz andere Dimension, als “nur“ die Musik gemacht zu haben. Den Schritt, so unabhängig zu sein, trauen sich die meisten Bands nicht zu. Da gibt es nur sehr wenige… - leider!

Ist diese Entwicklung typisch für die Entwicklung der deutschen und internationalen Metalszene?

Weiß: Nein, Axxis war schon immer ein Sonderfall in der Szene. Was man schön in dem Buch „Kumpels in Kutten“ nachlesen kann. Es gibt Bands, die werden nur live gebucht wenn mal wieder was Neues rauskommt. Bei uns hat man Lust auf den Event selber UND wenn was Neues rauskommt. Wir waren schon immer mehr eine Liveband als eine Studiomusiker-Endorser-Truppe, die es heute wie Sand am Meer gibt. Das merken die Leute und wollen einfach nen tollen Abend mit uns verbringen.

Zu welchen Ex-Musikern hast du noch Kontakt?

Weiß: Zu Walter Pietsch haben wir engen Kontakt. Er ist auch Patenonkel von Harrys Sohn. Auch zu ein paar anderen Ex-Musikern, wie Andre Hilgers oder auch Kuno Niemeyer. Aber sonst ist der Kontakt zu anderen eingeschlafen.

Wieviel Raum werden die Songs von "Kingdom" auf der Tour bekommen?

Weiß: Wir wollen jeweils fünf Songs aus den beiden Alben proben, um dann täglich wechseln zu können, da wir ja auch gemäß dem Motto der Tour 25 Jahre Axxis die „Evergreens“ spielen müssen. Es wird ein runde Mischung geben, die viele glücklich und gleichzeitig unglücklich werden lässt, da ein Wunsch Song immer fehlen wird.

Welches der beiden neuen Alben verkauft sich besser, wird also besser angenommen?

Weiß: Es ist so wie wir angenommen haben. Im Ausland die Black Edition, die mehr einen Metal-Touch hat, im Inland die White Edition, die mehr auf Rock und Balladen zielt. Aber ehrlich gesagt ist beides "Axxis", und ich glaube auf allen Alben werden die unterschiedlichsten Leute tolle Songs finden. "21 Crosses", der die Loveparade-Tragödie thematisiert, "Gone With The Wind", der textlich an "Tears Of The Trees" angelehnt ist, "Living In A Dream" und "Kingdom Of The Night Part II", die gewollte Parallelen zu den Songs von 1989 aufweisen und wir textlich unsere Träume von damals mit dem Status Quo von heute ansprechen und so weiter… Viel gutes Zeug!

25 Jahre - damit schließt sich ein Kreis. Heißt das, dass danach Schluss sein wird?

Weiß: Ja, der Kreis schließt sich ständig und dann beginnt ein neuer. Schluss ist dann, wenn Schluss ist...

Albumkritik

Axxis: Kingdom Of The Night II (Phonotraxx Publishing/Soulfood)

Es ist kein Doppelalbum im herkömmlichen Sinn, das Axxis sich und ihren Fans zum 25. Geburtstag des Hardrock-Klassikers „Kingdom Of The Night“ bescheren. Und doch wird es sich wohl kaum einer von ihnen nehmen lassen, beide Alben anzuschaffen. Warum auch? Repräsentieren doch beide erst gemeinsam das musikalische Repertoire, mit dem sich die Band eine zwar recht kleine, aber sehr treue Gefolgschaft geschaffen und aufrecht erhalten hat: schnelle, härtere Sachen auf der einen und Rockiges, Sanfteres auf der anderen, immerzu gewürzt mit einem sicheren Sinn für gute Melodien und hymnische Refrains.

Ob sich Axxis mit ihrem Jubiläums-Output nun an der eigenen, bunteren Vergangenheit laben? Nun, das kommt ganz auf den Blickwinkel an und ist sicher nicht pauschal von der Hand zu weisen. Als Freund dieser Musikrichtung aber gilt es unterm Strich ein Kompliment auszusprechen: Die 22 Songs sind durchweg Axxis-like, schaffen aber einen tollen Rundumschlag zwischen bewussten textlichen und musikalischen Reminiszenzen an die eigene Vergangenheit („Kingdom Of The Night II“, „Living In A Dream“) und modernem Heavy Rock.

Das ist natürlich prinzipiell nicht sonderlich originell, aber fast rundweg erfrischend und überdies im eigenen Studio in Bergkamen knackig produziert. Außerdem an ausgewählten Stellen mit hübschen Ideen gespickt - wie in „Dance Into Life“ mit mitreißenden irischen Einflüssen oder Banjo-Klängen an anderer Stelle. Oder aber einem weiteren Song in Deutsch - der allen Sorgen zum Trotz die mögliche Klippe der Peinlichkeit gekonnt umschifft.

Besondere Stärke belegt die Band jedoch mit dem bewegenden „21 Crosses“, der die Loveparade-Katastrophe thematisiert und völlig kitschfrei mit dem Aufzählen der Opfernamen schließt.

Unterm Strich werden Axxis mit dieser Veröffentlichung wohl kaum neue Fans gewinnen, doch sind sie (das allein ist aller Ehren wert) mindestens ihrem eigenen Anspruch wirklich gerecht geworden. Die Axxis-Fans - aktuelle wie frühere - werden das honorieren. - han

Konzerttermine 2014

26. März Wuppertal, Die Börse

27. März Bremen, Aladin

28. März Hamburg, Logo

30. März Bruchsal, Fabrik

3. April Nürnberg, Rockfabrik

4. April Regensburg, Airport Obertraubling

5. April Memmingen, Kaminwerk

7. April Augsburg, Spectrum

10. April Soest, Alter Schlachthof

11. April Siegburg, Kubana

13. April Ludwigsburg, Rockfabrik

14. April Aschaffenburg, Colos-Saal

Links zum Thema

Axxis nahm neue Alben in Bergkamen auf

Volles Haus beim ersten „Ruhrpott Rock Dinner“

Mit Lust, Können und Respekt: Axxis rocken die Discokugel

Axxis präsentiert Live-DVD als „offizielles Bootleg“

Axxis-Homepage

Quelle: wa.de

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