Harald Schmidts Musikshow mit den Bochumer Symphonikern

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Witzig auch mit Orchester: Harald Schmidt bei seiner Show mit den Bochumer Symphonikern. ▪

Von Edda Breski ▪ BOCHUM–Die Sängerin Simone Kermes ist ein Anblick, der die Götter erfreuen könnte: rotgefärbt, in wilder Robe, körperlich höchst einsatzfreudig auf mörderischen High Heels singt sie die Arie „Son qual navi“ von Riccardo Broschi. Was Harald Schmidt zu einigen anzüglichen Bemerkungen veranlasst.

Harald Schmidt in Bochum – das ruft Erinnerungen wach an die „Warten auf Godot“-Inszenierung mit Schmidt als ferngesteuertem Diener Lucky. Schmidt ist zurück, Theater spielt er inzwischen nicht mehr, dieses Mal macht er ein Talkshow-Konzert mit den Bochumer Symphonikern: die „BoSy-Schmidt-Show“. Die erste von vier Auftritten des Entertainers mit dem Orchester fand im Ruhrcongresszentrum statt, drei weitere folgen. Ein Geniestreich des rührigen BoSy-Chefs Steven Sloane, der Schmidt animiert hat, die Veranstaltung als knapp zweistündigen Werbeblock für das Orchester zu moderieren – und damit für das Konzerthaus, das die BoSys so gerne hätten, das aber aus Kostengründen schon für beerdigt erklärt wurde. Anfang 2011 kam doch noch grünes Licht aus Düsseldorf, das Haus soll als Musikzentrum für BoSys, freie Ensembles und Musikschule kommen. Kritische Töne sind an diesem Abend natürlich nicht zu hören. Kostenargumente haben hier keinen Platz. Dabei weiß keiner, wie das hochverschuldete Bochum den Betrieb des Hauses bewältigen soll.

Schmidt führt durch die Werbeveranstaltung, indem er seinem Genie zur gnadenlosen Übertreibung freien Lauf lässt. Fast ganz freien. In diesem Gemischtwarenladen der gehobenen Unterhaltung geht es zu wie im Kinder-Überraschungsei mit dreierlei Spaß: es soll menscheln, Glamour soll versprüht werden, und es soll witzig sein. Bundestagspräsident Norbert Lammert darf die BoSys dirigieren und macht zu Elgars „Pomp and circumstance“ bella figura – mit einem Taktstock, den ihm angeblich Simon Rattle geschenkt hat.

Schmidt macht Orchesterwitze und veralbert Kritikerslang. Steven Sloane befragt er zum Programm der folgenden BoSy-Abende. Den „Figaro“ soll es geben, den Schmidt mitinszeniert, und einen Faust-Abend, den der Komponist Moritz Eggert konzipiert, außerdem ein Kinderkonzert. Sloane, so beredt er ist, kann Schmidts Gedankensprüngen nicht so schnell folgen, der Entertainer muss sich quasi selbst wieder einfangen. Kabarettist Frank Goosen wird mit dem Steigerlied begrüßt. Spaß hat Schmidt mit der Sängerin Pamela Falcon, die eine Glam-Soul-Version von Elton Johns „Sorry seems to be the hardest word“ hinlegt und sich mit Schmidt über ihren HNO-Arzt unterhält. Ob er auch Probleme habe, fragt Falcon und hält ihre Hand an Schmidts Kehle. „Da nicht“, antwortet er trocken.

Es gibt Mozart, etwas Bernstein, ein John-Adams-Stück. Der philharmonische Chor Bochum singt die dritte Weihnachtskantate von Bach. Die akustischen Unzulänglichkeiten der Ruhrcongress-Halle unterstreichen die Werbebotschaft. Und es gibt Simone Kermes, die trotz quäkigem Mikroklang gurrt und verführt.

24., 25.2. Figaro, Audimax Bochum; 15., 16.3. Faust-Abend, Jahrhunderthalle Bochum; 17.6. Familienkonzert, Audimax.

Tel. 0234/ 33 33 55 55, www. bochumer-symphoniker.de

Quelle: wa.de

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