27. Haldern Pop Festival mit Mumford, Rox, Poisel, Beirut

+
Intensiver Moment: Marcus Mumford, Frontmann von Munford & Sons, beim 27. Haldern Pop-Festival. ▪

Von Frank Zöllner ▪ REES-HALDERN–Der kraftvolle Folkrock von Mumford & Sons war 2009 nur knapp 1 000 Zuschauern auf der Nebenbühne im Spiegelzelt vorbehalten. Ein Jahr später kehren die vier Londoner zur 27. Auflage des Haldern Pop an den Niederrhein zurück. Und es wird ein Triumphzug: Am Freitagabend sind sie unbestritten mit ihrem hymnischen, feierlichen Sound zwischen Banjo, Gitarre, Akkordeon und Trompeten die Hauptattraktion. In ihren beinahe alttestamentarischen Texten geht es um Themen wie Schuld, Sühne, Buße und Vergebung und die Band könnte damit eher aus dem Bibelgürtel der Vereinigten Staaten stammen als aus der britischen Hauptstadt.

Es ist nicht klassischer Folk, den Sänger Marcus Mumford und seine als Söhne bezeichneten drei Mitstreiter vorlegen. Mit ihrer Unbekümmertheit und reinen Freude sind ihre Songs voller Energie und Harmonien. So endet etwa das tolle „Dust Bowl Dance“ in einem dramatischen Gitarrengewitter. Gespickt mit den Hits wie „The Cave“ und „Little Lion Man“, die auch von den 6000 Zuschauern begeistert gefeiert werden, verkauften die modernen Traditionalisten ihr Debütalbum über 750 000 Mal. Auch neue Lieder wie „Love Without The Light“ geben einen Vorgeschmack davon, dass sie mehr sind als der Hype für eine Saison.

Es ist eine Geschichte, die exemplarisch für diesen Tummelplatz der Entdeckungen steht. Nicht das erste Mal wurde auf dem Reitplatz im 6 000 Einwohner zählenden Reeser Ortsteil Haldern eine große Karriere gestartet – zumindest für die deutsche Musikszene betrachtet. Kings Of Leon, Kate Nash, Travis und Franz Ferdinand sind frühere Beispiele. Marcus Mumford freute sich jedenfalls über die erneute Einladung: „Wir glauben an dieses Festival.“

Der neueste Trieb, der aus dem niederrheinischen Gewächshaus für musikalische Vielfalt zu einer robusten und schillernden Pflanze werden kann, heißt Philipp Poisel. Der schwäbische Songwriter, von Herbert Grönemeyer entdeckt und schon vor Veröffentlichung seines Albums mit viel Radio-Präsenz ausgestattet, glänzt mit unprätentiöser und direkter Poesie sowie etwas nöliger Stimme wie bei „Wie soll ein Mensch das ertragen“.

Weiteren Künstler, die das über 40 Bands und Einzelinterpreten umfassende Festival zu einem Gegenentwurf musikalischer Monokultur machen, decken eine große Bandbreite an Independent-Musik ab. So kommen etwa Young Rebel Set ebenfalls als kraftvolle Folkies daher, genau wie der Ire Conor O‘Brien alias Villagers, der als 19-Jähriger schon viel zu erzählen hat.

Ausdrucksstarken Soul präsentiert hingegen die 21-jährige Süd-Londonerin Roxanne Tataei alias Rox. Sie gilt bereits als neue Soul-Queen. Gestenreich wie ein Musical-Sängerin präsentiert sie ihren Hit „My Baby Left Me“ und die Reggae-Nummer „Hold Steady“. Beim R‘n‘B lassen sich ihre jamaikanisch-iranische Wurzeln spüren.

Das Haldern Festival ist bekannt für seine stimmungsvollen Interpreten, wie den amerikanischen Welt- und Balkanmusiker Beirut. Der treibende Polka-Klang ist sein Markenzeichen und wohl ein Grund, weshalb Haldern bereits im Mai ausverkauft war.

Auch Delphic mit ihrer Elektro-Gitarrenrock inklusive Hall-Passagen, die Dänen von Efterklang mit ihrer kammermusikalischen Interpretation von Popmusik, das energetische Gitarren- und Schlagzeugduo Blood Red Shoes sowie die verhuscht und mit geisterhaften Folk-Melodien das Publikum einnehmende Schweizerin Sophie Hunger verbindet eins: ihre leidenschaftliche Art der Präsentation.

Als in der Samstagnacht zum Abschluss The National – vor zwei Jahren auch so eine Entdeckung der Festival-Macher – mit ihrem düsteren, erhabenen und ernsthaften Songs die perfekte Untermalung zur Nacht liefern, haben sie mit technischen Problemen zu kämpfen. Es ist eine der wenigen Pannen im Festival-Verlauf, und für die können die Macher nun wirklich nichts.

Im Fernsehen

Der WDR zeigt im Rahmen seiner Rockpalast Reihe auch in diesem Jahr wieder Mitschnitte vom Festival. Das ist in der Nacht von Samstag auf Sonntag, 22. August, von 0.55 bis 4.55 Uhr und in darauf folgenden Nacht von Sonntag auf Montag von 0.30 bis 2.30 Uhr. ▪ fraz

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare