Gustav-Lübcke-Museum öffnet altägyptische Abteilung wieder

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Eins der Prunkstücke der altägyptischen Abteilung im Gustav-Lübcke-Museum ist die Mumienmaske aus der Ptolemäerzeit (um 330 v. Chr.)

HAMM - In Hamm begegnen sie sich: Die Goldmaske des Tutanchamun und das farbig gefasste Porträt der Nofretete aus Kalkstein. Allerdings wurden nicht die Originale aus Kairo und Berlin nach Westfalen entliehen. Im Gustav-Lübcke-Museum muss man mit Kopien vorlieb nehmen.

Die kleine Hochstapelei soll das Interesse des Publikums an diesen spektakulären Objekten stillen, sagt Museumsdirektorin Friederike Daugelat. Es wird ja auf den Schildern ausgewiesen. Und Originale bekommen die Besucher auch jede Menge zu sehen. In der Ägypten-Abteilung des Museums, die immerhin die größte in Westfalen ist. Nach der umfassenden Sanierung ist von Sonntag an das Haus wieder komplett zugänglich. Die Dauerausstellung Altes Ägypten wurde dabei ebenfalls komplett neu gestaltet, bekam vor allem einen eigenen Raum. Erstmals werde die Kollektion angemessen präsentiert, sagt Daugelat. Rund 500 Quadratmeter im einstigen Wechselausstellungsbereich ermöglichen nun eine Zeitreise in die Vor- und Frühgeschichte.

Dafür konnte Kuratorin Carola Nafroth auch auf neue Objekte zurückgreifen. Hamm arbeitet dauerhaft mit dem Roemer- und Pelizaeus-Museum in Hildesheim zusammen. Das stellte Dauerleihgaben zur Verfügung, darunter den 7,5 Tonnen schweren Sarkophag des Sechem-Ka (ca. 2445–2347 v. Chr.). Das wuchtige, eher schmucklose Stück aus Rosengranit steht am Eingang der Abteilung. Sechem-Ka wurde durch eine Inschrift identifiziert, er war wohl ein hoher Würdenträger am königlichen Hof. Aus Hildesheim kommt auch eine kleine Statue des Mannes.

Mehr als 2000 Jahre Historie werden in zehn Abschnitten greifbar. So können Besucher sich mit dem Totenkult vertraut machen. Im 19. Jahrhundert lösten die Mumien eine europaweite Begeisterung aus. Auch in Hamm wollte man eine Mumie haben und gründete einen Verein, der Aktien ausgab. 1886 kam eine weibliche Mumie in die Stadt. Es war die Geburtsstunde des Museums.

Welche archäologischen Schätze inzwischen hier zu lagern, das lässt sich nun in klarer Aufteilung und in findiger Präsentation erkennen, auch wenn die Mumie im Zweiten Weltkrieg durch eine Fliegerbombe vernichtet wurde. Zu bestaunen ist zum Beispiel wieder die prachtvolle, teilweise vergoldete Mumienmaske aus Kartonage aus der frühen Ptolemäerzeit (um 300 v. Chr.). Als Ersatz für die vernichtete Mumie wurde 1964 der über zwei Meter hohe Mumiensarg des Peti-Imen-Menu erworben (1. Hälfte d. 7. Jh. v. Chr.), dessen zwei Teile aufrecht in Glasvitrinen präsentiert werden. Das Innenleben einer Mumie ist in einer weiteren Vitrine schichtenweise zu betrachten, wie in einer materialisierten Röntgenaufnahme: Amulette und Beigaben sind so ausgelegt, wie sie an der Mumie angebracht waren.

Man sieht Schmuck und Alltagsgegenstände, große Fotos von Wandmalereien aus Gräbern vermitteln ägyptisches Flair. Mit falschen Mauern simuliert die Schau einen Tempel, in dessen Allerheiligstem eine kleine Bronze der Osiris (ca. 650–330 v. Chr.) aufblitzt.

Das Museum besitzt einige fragile Objekte, wie sie nur im heiß-trockenen Klima Ägyptens erhalten blieben, zum Beispiel das „Totenbuchpapyrus der Nes-Mut“ (um 950 v. Chr.) mit einer faszinierenden Zeichnung. Berührend auch die Mumienporträts eines Mannes und einer Frau, die schon aus der römischen Kaiserzeit stammen (um 100–110 n. Chr.), die Wachsmalerei ist viel realistischer als die stilisierten altägyptischen Darstellungen. Und Jahrhunderte alte Stoffe haben sich erhalten, Tuniken, mit denen die Toten in Gräbern bekleidet waren.

Eine eigene Abteilung hat Amarna erhalten, jene kurze revolutionäre Phase, als Pharao Echnaton eine neue monotheistische Religion um den Sonnenkult etablieren wollte, wofür er eine eigene Stadt gründete. Nofretete war die Frau des Echnaton, Tutanchamun derjenige, unter dessen Regentschaft die Reformen Echnatons zurückgenommen wurden. Diese Zeit, deren Hinterlassenschaften heute ikonisch für das Ägypten der Pharaonen stehen, wird nun besonders gewürdigt. Hamm besitzt auch Originale aus der Epoche wie eine winzige Fayance-Platte (1333–1323 v. Chr.), die einen Ring des Tutanchamun zierte.

Eröffnung Sonntag, 11.30 Uhr,

di – so 10 – 17, so bis 18 Uhr,

Tel. 02381/ 175 714, www.hamm.de/gustav-luebcke-museum

Quelle: wa.de

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