Gütersloh baut neues Theater in der Krise

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Die geschwungene Treppe im Theaterneubau in Gütersloh. ▪

GÜTERSLOH ▪ Was lange währt, muss einfach gut werden: Nach sieben Jahren mit Improvisationen und Streitereien hat das neue Theater der Stadt Gütersloh den Spielbetrieb aufgenommen. Zwar hüllt sich der imposante Baublock des Hamburger Architekten Jörg Friedrich noch inmitten seiner Baustelle frostbedingt in Plastikplanen; aber sein Innenleben ist zur Bewunderung und Nutzung freigegeben. Der Applaus für den Neubau klingt unisono positiv, die Prognosen für die künftige Wirtschaftlichkeit bleiben unsicher. Von Heidi Wiese

Ein Blick zurück: Die Kreisstadt mit fast 100 000 Einwohnern, Sitz des Kultursekretariats NRW, verfügt über kein eigenes Ensemble, nutzte aber bis zum überfälligen Abbruch im Jahr 2003 einen Theater- und Kinosaal für Gastspiele aller Art. Das gut gemischte Kulturprogramm lockte in Glanzzeiten gut 6000 Abonnenten an. Sein ungewöhnlich hohes Niveau hing auch damit zusammen, dass hier meist ambitionierte Inszenierungen von Ensembletheatern statt der üblichen Boulevardstücke von Tourneetheatern zu sehen waren. Dazu kamen lange glanzvolle Auftritte von international gefeierten Jazzgrößen. Und nicht zuletzt legten die beiden ortsansässigen Großunternehmen Wert auf den Standortfaktor Kultur im tiefen Ostwestfalen-Lippe.

Viele gute Gründe für Gütersloh, sich rechtzeitig um einen Neubau zu bemühen. Der Stadtrat war 2003 durchaus willig und stimmte für das jetzt realisierte Projekt. Nicht aber Volkes Stimme: Der Verein „Bürger für Gütersloh“ schaffte es, den ersten Bürgerentscheid in Nordrhein-Westfalen gegen eine Kulturinvestition durchzuboxen. Das Ergebnis: zwei Jahre Bedenkzeit für den Rat. Mitte 2006 stimmte der erneut für den Neubau. 21,5 Millionen hat das neue „Kulturgebäude“ nun gekostet, eine andere Bürgerinitiative, der Theaterförderverein sammelte allein eine Million an Spenden. Die Glaubensfrage aber bleibt, wie der verantwortliche Eigenbetrieb „Kultur Räume Gütersloh“ gleichzeitig mit Qualität und Vielseitigkeit überzeugen kann. Zwar fließen in diesem Jahr nochmal 4,2 Millionen Euro an Zuschüssen, aber gleichzeitig sollen bereits 700 000 Euro eingespart werden. Kein guter Startschuss für das stolze Projekt! Und danach? Die „Kultur Räume Gütersloh“ ist auch für die benachbarte Stadthalle verantwortlich.

„Wir wollen das ganze Haus bespielen“, setzt der Künstlerische Leiter Klaus Klein auf Vielseitigkeit. Neben einem großen Saal für 530 Zuschauer und einer multifunktional nutzbaren Studiobühne soll die Reihe „Panoramamusik“ an wechselnden Plätzen des betont vertikalen Theaters mit einer spektakulären weißen Wendetreppe hinter der Glasfassade stattfinden. Fürs Stammpublikum gibt es erneut anspruchsvolle Gastspiele wie zur Eröffnung des Hamburger Schauspielhauses mit Erik Gedeons musikalischem Abend „Zigeunerjunge“. Aus Göttingen kommt im April Tschechows „Kirschgarten“, vom Theater an der Ruhr im Mai Eduardo de Filippos Komödie „Verrückt“ und von der ‚Bremer Shakespeare Company im Juni Shakespeares „Hamlet“. Intensiv werben die Programmmacher um Klein aber auch um den Nachwuchs ab 4 Jahren, mit einem erweiterten Kinder- und Jugendprogramm und Mitmachaktionen unter dem Stichwort „Theaterspionage“. Einbezogen wurden aber auch regionale Kulturinitiativen wie das Literatur- und Musikfest „Wege durch das Land“, die Jazzfans und das Kultursekretariat mit der Reihe „Klangkosmos Weltmusik“.

2600 Abonnenten haben sich beim neuen Haus bereits angemeldet. Die erste Spielzeit ist fast ausverkauft. Klaus Klein hat die alte Zahl von 6000 fest im Blick und ist optimistisch.

http://www.theater-gt.de, Kartentelefon: 05241 / 2113636

Quelle: wa.de

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