Große Miró-Ausstellung im Picasso-Museum Münster

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Vor dem Surrealismus: Joan Mirós Gemälde „Nord-Sud“ (1917) ist in Münster zu sehen.

MÜNSTER – Der Kopf erinnert an eine Zwiebel. Oben stehen drei schwarze Haare ab, am Kinn baumelt etwas, das wie ein Fisch aussieht. Das Wesen von Joan Miró wirkt grotesk und zugleich anmutig („Hexe“, 1969). Mit der Ausstellung „Die Farbe seiner Träume“ feiert das Graphikmuseum Pablo Picasso in Münster seinen runden Geburtstag. Vor zehn Jahren als erstes Picasso-Museum Deutschlands eröffnet, beherbergt es heute eine weltweit einmalige Sammlung mit über 800 Grafiken des spanischen Künstlers. Inzwischen wurden fast 50 Sonderausstellungen rund um Picasso und seine Zeitgenossen präsentiert. Von Marion Gay

Die aktuelle Schau zeigt rund 100 Gemälde, Grafiken, Skulpturen, Keramiken und Zeichnungen von Miró (1893–1983) und dokumentiert den Werdegang des Künstlers von seinen Anfängen bis hin zu den farbenfrohen Bildern des Spätwerks. Die Arbeiten sind Leihgaben der französischen Maeght-Collection. „Wer meint, sich an Miró satt gesehen zu haben, lernt ihn in der Ausstellung von ungewohnter Seite kennen“, sagt Museumsleiter Markus Müller.

„Ich träume nie, ich schlafe wie ein Maulwurf. Aber wenn ich wach bin, dann träume ich ständig.“ Mit diesem Zitat Mirós lässt sich der Titel der Ausstellung erklären. Der in Barcelona geborene Künstler besuchte zunächst auf Wunsch der Eltern eine Handelsschule. Erst nachdem er 1911 eine schwere Krankheit überstanden hatte, erlaubte man ihm eine künstlerische Ausbildung. Aus dieser Zeit stammt das vom Kubismus inspirierte Gemälde „Bauer“ (1914), das düster und verschwommen einen Mann in roter Jacke zeigt. Das Stillleben „Nord-Sud“ von 1917 kombiniert traditionelle katalanische Dinge wie einen bunten Krug und einen Vogel im Käfig mit einer Schere und einem Buch von Goethe. Es beschwört das intellektuell-künstlerische Milieu, nach dem sich Miró in jenen Jahren gesehnt haben mag. Zu dieser Zeit hielt sich auch Picasso in Barcelona auf, der zwölf Jahre ältere, ebenfalls aus Katalonien stammende Künstler, der bereits große Erfolge feierte. Drei Jahre später wird auch Miró nach Paris gehen und dort als erstes Picasso aufsuchen, dem er eine katalanische Wurst mitbringt.

In Paris kommt er erstmalig mit dem Surrealismus in Berührung, hier lernt er André Breton und andere Literaten kennen, deren poetische Arbeiten Einfluss auf sein Werk nehmen. Zu sehen sind z.B. Illustrationen zu Gedichten von Paul Eluard. Poetisch auch die Grafik „Portrait de Miró“ (1938), die Miró mit aufgerissenen Augen und Pinsel zeigt, das Gesicht übersät mit Symbolen und surrealen Wesen, der Künstler scheint mit seinen Geschöpfen zu verschmelzen.

Die Ausstellung belegt vor allem die ungeheure Experimentierfreude des Künstlers. So ist ein elf Meter langer Seidenschal zu sehen, ein sogenannter „Makimono“ von 1954, der in mehr als 6000 Arbeitsgängen bedruckt wurde. Auch finden sich Drucke auf Tierhäute, wie die Serie „Parchemin“ (1953), die wie Relikte aus prähistorischer Zeit wirken. Besonders beeindruckend der zwei mal drei Meter große Wandteppich „Sobreteixm“ (1973), der aus verschiedenen Geweben und Schnüren besteht. Ein übermalter Olivensack ist zwischen geflochtene Seile montiert, weiße Linien stehen neben schwarz gebrannten Flächen. Miró bezieht sich auf die traditionelle, katalanischen Flecht- und Webkunst.

Auch für seine Skulpturen verwendete er ausrangierte Dinge aus der Alltagswelt. So werden alte Spielzeugautos mit Löffeln, Brettern und Kanister zu Objekten arrangiert, die er später in Bronze gießen lässt. Die farbintensiven Bilder, die man heute vor allem mit Miró assoziiert, entstehen dagegen erst ab den späten 60er Jahren. Märchenhafte Geschöpfe bevölkern jetzt sein Werk, eigenartige Mischwesen, von denen etwas Anrührendes ausgeht. So auch in „Inzest in der Sahara“ (1975), das ein spinnenartiges Wesen zeigt. Kampflustig ragen zwei Hörner vom Kopf. Der Bauch besteht aus gelben und blauen Kreisen, die schwarzen Beine wirbeln wie im Tanz.

5.3.–6.6., di – so 10 – 18 Uhr, Tel. 0251/ 4144710,

http://www.graphikmuseum.de

Katalog 19,90 Euro

Quelle: wa.de

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