Grönemeyers Gastgeber: Jools Holland in Dortmund

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Brillant als Gastgeber und PIanist: Jools Holland in Dortmund. ▪

Von Frank Zöllner ▪ DORTMUND–Doch, das ist wirklich Herbert Grönemeyser, der da im FZW Dortmund auf der Bühne steht und „Mensch“ singt. Beseelt trägt er seinen Hit vor, begleitet von Piano und Bass. Der Superstar, der sonst Stadien braucht, um die Fans unterzubringen, er begnügt sich mit einem kleinen Auftritt von gerade drei Liedern. Das Publikum jubelt. Er geht. Denn dies ist der Abend von Jools Holland.

Den Musiker, einst Sänger der britischen New-Wave-Band Squeeze, ein brillanter Pianist, feiern sie in Großbritannien als Kultstar. Er empfängt die Großen zu seiner Show „Later With...“ im Programm der BBC. Da spielen mitunter Metallica direkt vor Carla Bruni, singt Paul McCartney zu Hollands Begleitung am Piano. Die hat er nicht mitgebracht auf seiner Deutschland-Tournee. Aber das Konzept ist geblieben: Eine bunte Mischung stilistisch sehr unterschiedlicher Akteure tritt quasi in der Guten Stube Jools Hollands auf und hat Spaß miteinander.

Das sind eben Kontraste: Der eine elegant im kragenlosen, eng anliegenden Sakko und in Lackschuhen. Der andere mit Dreitage-Bart im sportlichen Jackett und Vintage-Jeanshose, in deren Taschen er lässig seine Hand steckt. Marc Almond ist fester Bestandteil auf der Deutschland-Tour. Herbert Grönemeyer liefert am Donnerstag im ausverkauften FZW zum Tourstart genauso wie tags drauf im Kölner E-Werk das Lokalkolorit.

Beide wissen, was sich gehört. Sie halten sich dezent zurück und spielen ihren Part im durch Holland choreografierten Abend. Der Moderator hat einen intimen Rahmen gewählt, um sein neues Album vorzustellen – erstmals arbeitete er mit deutschen Künstlern. Das kann er nicht komplett präsentieren, da dieses Werk Kollaborationen mit Paul Weller, Tom Jones, Sting und Nick Cave vereint. Aber Ina Müller, Roger Cicero und Herbert Grönemeyer sind auch dabei.

Der in Deutschland weitgehend unbekannte Holland eröffnet am Piano den Abend mit einem Bassisten und einem Schlagzeuger, indem er Blues-Songs wie „Stranger Blues“ und „Mojo“ vorträgt. Mit seinem exquisiten Klavierspiel leitet er auch von einem Gastauftritt zum nächsten über.

Auch die später als Background-Sängerinnen zum Einsatz kommenden Künstlerinnen Louise Marshall und Rosie May haben einen Solo-Auftritt, begleitet von Holland am Klavier. Es ist ein unprätentiöser Abend, der die Musik in den Vordergrund stellt.

Den größten Jubel heimst Herbert Grönemeyer ein. Er präsentiert eine verträumte Version von Randy Newmans „Marie“. Ohnehin dürfte man den in London lebenden Sänger in dieser reduzierten Form höchst selten erlebt haben. Bei „Mensch“ gibt es im lauthals mitsingenden Publikum kein Halten mehr – und nach drei Liedern wird der sehr entspannt und locker wirkende Ruhrgebiets-Vertreter mit stehenden Ovationen verabschiedet. Zuvor hatte Jools Holland aber noch lobende Worte für Grönemeyer: „Seine Stimme ist erstaunlich. Ich liebe sie.“

Als Drama-Queen präsentiert sich Almond, New Wave-Legende aus der 80er Jahren mit seiner Band Soft Cell. Zappelig-aufgedreht singt er „Bruises“, dann routiniert seinen Allzeit-Hit „Tainted Love“ und mit einer riesigen Portion Leidenschaft über eine Beziehungskatastrophe „Say Hello, Wave Goodbye“.

Jools Holland genießt diesen Abend mit seinen Freunden sichtlich. Die mit einem geradezu Angst einflößenden Organ ausgestattete R-‘n‘-B-Sängerin Ruby Turner beschließt den zweistündigen Abend. Ihr gospelartiges Schluss-Statement „Nutze deine Zeit, denn sie weiter vorangeschritten als du denkst“ passt perfekt zur herausragenden musikalischen Reise durch Zeit und Stile.

In Großbritannien ist Jools Hollands Show „Later with ...“ ein Kultformat. Seit 1992 begrüßt der Musiker die Creme der internationalen Szene. Die Sendung ist auch im deutschen Fernsehen zu sehen, ZDF.kultur zeigt sie fast täglich um 17.55 und 0.40 Uhr.

http://www.bbc.co.uk/later/

http://www.joolsholland.com

Quelle: wa.de

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