Götz Alsmann: Tourstart mit „In Paris“ in Dortmund

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Überzeugt auch live mit seinem Chanson-Programm „In Paris“: Götz Alsmann. ▪

Von Ralf Stiftel ▪ DORTMUND–Wie er da am Piano sitzt in seinem babyblauen Sakko, scheinbar mühelos spielt und sich dann mit dem Fuß das Mikrophon zurechtschiebt, damit er den Refrain singen kann, das macht ihm so schnell keiner nach. Diese Lässigkeit. Dieser Charme. Götz Alsmann präsentierte an zwei ausverkauften Abenden im Konzerthaus Dortmund sein Album „In Paris“ (Blue Note/EMI), und es war wundervoll.

Die Meisterwerke des französischen Liedguts passen kongenial zum Jazzschlager, den Alsmann zu einer besonderen Kunstform perfektioniert hat. Auf der Bühne des Konzerthauses genügen zwei Kronleuchter mit elektrischen Energiesparkerzen für die Atmosphäre. Den Rest erledigen Alsmann und seine formidable vierköpfige Band, allen voran der brillante Altfrid Maria Sickling an Vibraphon, Marimba und Trompete. 15 Titel umfasst die CD, noch ein paar mehr bringt Alsmann im mehr als zweistündigen Konzert unter. Dabei begrüßt er die Zuhörer mit „Du bist mein liebster Gast“, einem Klassiker von Eddie Constantine. Und er verabschiedet sie mit „Wenn dieses Lied erklingt, dann bin ich längst gegangen“, einem Titel von Francoise Hardy, den er schon 1997 aufgenommen hat. Die Liebe zum Chanson ist bei ihm keine flüchtige Affäre.

Er liebt die Musik, die er interpretiert, und das schlägt sich in unbändiger Spielfreude nieder. Bei seiner großartigen Gainsbourg-Eindeutschung „Der Wolf tanzt Cha-Cha-Cha“ spielt er das Piano-Solo stehend, ach was: an den Tasten tänzelnd. Den Überschwang, mit dem er Charles Trenets „Boom“ vorträgt, den bringt er bis in die letzte Reihe. Aber ihm gelingt auch die Sentimentalität von Constantines „Der Vagabund und das Kind“, wo er auf jede Ironie verzichtet, ohne dass es peinlich würde. Da verzeiht man ihm, dass er aus Gilbert Becauds rührseliger Ballade „Was wird aus mir“ einen rumpligen Mambo macht (das Boogie-Piano im Solo ist aber hinreißend).

Vor allem beschränkt Alsmann sich nicht darauf, seine Platte möglichst genau auf die Bühne zu bringen, vielleicht etwas ausgeschmückt wie bei der pfiffigen Scat-Einlage in „Hallo schöne Frau, wie steht‘s mit Liebe“ (von der CD „Kuss“). Er plaudert zwischen den Liedern, erinnert sich, wie der kleine Götz 1967 einen großen Auftritt von Becaud bei Kulenkampffs Show „Einer wird gewinnen“ erlebte, beschwört seine Faszination für die Gangster-Filme mit Eddie Constantine, von denen der katholische Filmdienst immer abgeraten hat. Und er fabuliert von einem Erlebnis während der Plattenaufnahmen in Paris, im legendären Studio Ferber, wo er nachts noch in ein Bistro geführt wurde, wo all die großen Chansonniers herumgeistern, und wenn er einen Namen nennt, formt sich sein Klaviergeklimper zu einem Becaud-Hit, zu Gainsbourgs „Je t‘aime“, und auf einmal ist er beim „größten“, bei Yves Montand und „Les feuilles mortes“, dessen deutscher Text „Der Schleier fiel“ ziemlich kitschig ist, aber Alsmanns coole Interpretation lässt das vergessen.

Termine u.a. 11.11. Parktheater Iserlohn (ausverkauft), 28.11. Philharmonie Köln, 8.+9.12. Savoy Düsseldorf, 16.12. Festpielhaus Recklinghausen, 16.2. Stadttheater Lippstadt, 18.2. Stadthalle Wuppertal, 16.3. Musiktheater im Revier Gelsenkirchen, 17.3. Stadthalle Werl, 16.4. Paderhalle Paderborn, http://www.goetz-alsmann.de

Quelle: wa.de

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