Götz Alsmann singt, juxt und spielt zu Songs aus „My Fair Lady“

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In Spiellaune und mit viel Musicalwissen: Götz Alsmann am Klavier im Großen Haus der Städtischen Bühnen Münster. Im Hintergrund Rudi Marhold.

Von Carmen Möller-Sendler MÜNSTER - Ein Mann, ein Musical? Kein Problem für den umtriebigen, stets sturmfrisierten Musiker, Moderator und Entertainer Götz Alsmann. Aber natürlich nicht à la carte, wie man „My Fair Lady“, dessen bekanntestes Stück den Titel für seine Songrevue „Es grünt so grün“ lieferte, aus ungezählten Inszenierungen und einem Oscar-prämierten Filmklassiker kennt. Sondern als fein komponiertes Menü, in dem Alsmanns multiple Fähigkeiten die Hauptrolle spielen: „Stellen Sie sich vor, wir schreiben das Jahr 1962. Sie sind ein einsamer Gast in einer Bar in irgendeiner Großstadt, es spielt eine mittelmäßige Barband, und Sie hören zu, was diese Kapelle so verzapft“, lud er sein Publikum ein im ausverkauften Großen Haus des Theaters seiner Heimatstadt Münster, wo er umjubelte Premiere feierte.

Mit etwas Kleingeld und dem einen oder anderen lauwarmen Doppelwacholder – so spinnt Alsmann seinen Faden weiter – entlockt der einsame Gast der Band die Hits aus diesem neuen Musical, das derzeit so Furore macht, und passend dazu noch das eine oder andere Stück aus jener Zeit. Es folgt ein temporeicher, unterhaltsamer und lehrreicher Abend, bei dem nicht nur sämtliche Lieder des Musicals zu hören sind. Sondern auch jede Menge Wissenswertes, Anekdoten und Historien rund um die vergnügliche Erfolgsgeschichte vom einfachen Blumenmädchen Eliza Doolittle, das der Philologe Professor Higgins mit Hilfe von Sprech- und Benimmunterricht zu einer Dame macht, die selbst in adeligen Kreisen brilliert.

Die Band tourt mit Alsmann seit 25 Jahren: Altfrid M. Sicking (Vibraphon, Xylophon, Trompete), Rudi Marhold (Schlagzeug), Markus Passlick (Percussion) und Michael Müller (E-Bass) machen gekonnt und mit sichtbarem Spaß die „My Fair Lady“-Revue zu einem Genuss. Am Klavier Professor Dr. Götz Alsmann, vor knapp zwei Jahren für Popularmusik an die Uni Münster berufen, der zwischen den Songs kenntnisreich über das populärste Musical aller Zeiten zu erzählen weiß. Etwa dass George Bernhard Shaw, der Autor der Ursprungs-Stückes, vor 100 Jahren zur Uraufführung seines „Pygmalion“ auch Winston Churchill geladen hatte – mit einem unverschämten Begleittext, den dieser gekonnt konterte. Oder dass das Motiv, sich ein perfektes, eigenes Wesen zu erschaffen, die Menschheit schon seit jeher beschäftigt hat.

Ganz nebenbei moderiert er sich von Lied zu Lied, erzählt das komplette Musical, fast atemlos, ansteckend: Auch wer es noch nicht kannte, hat das Gefühl, alles gehört und gesehen zu haben. Alsmann beschreibt, wie Higgins bei seinen Sprachstudien auf die ungebildete Eliza trifft, „so ne schnodderige, rotzlöffelige kleine Göre“, die er zunächst nur als Stoff sieht, den es zu formen gilt. „Ich bin ein Mann wie jeder Mann“, rechtfertigt sich Higgins: Frauen interessieren ihn nicht. „Wart’s nur ab!“ kontert die so Verschmähte. Der Durchbruch im Musical kommt mit der Sprechübung „Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühen“ und gipfelt im bekannten Lied. Für Münster zitiert Alsmann seine vier Musiker zu einer fiktiven Übungsrunde an den Flügel, zur großen Freude des applaudierenden Publikums, das dafür später bei der Zugabe selbst mit deklamieren und singen muss.

Titel wie „Ich hätt’ getanzt heut’ Nacht“, „In der Straße, mein Schatz, wo du lebst“ oder „Hei, heute morgen mach’ ich Hochzeit“ sind mal im Tanzkapellenstil, mal als Ballade arrangiert; für die Ascot-Gavotte gar, zu der Dame Eliza beim Pferderennen vornehm Furore macht, hockt Alsmann sich mit seinem Banjo auf den Flügel, während Percussionist Paßlick mit zwei Kokosnuss-Schalen den Rhythmus der Hufe gibt, mitsteppt und zum „Bonanza“-Thema über die Bühne galoppiert. Daneben gibt es Gershwins „A Day in London Town“, Joachim Fuchsbergers „Blumen für die Dame“ – und auch „Schlag nach bei Shakespeare“ aus dem Musical „Kiss me, Kate“, in dem es darum geht, wie Mann mit Bildung Eindruck bei den Frauen schindet. „Wer hätte gedacht“, kommentiert Alsmann, „dass diese Meisterleistung über Nacht zunichte gemacht würde durch den alles überragenden Erfolg von ,Bauer sucht Frau!’“ In „My Fair Lady“ aber funktioniert es: „Eliza entscheidet sich für den grauhaarigen Akademiker – ein typisch münstersches Ende“, frotzelt Alsmann.

Es ist die besondere Mischung aus Musik, Moderation und Information, die den Reiz dieses Abends ausmacht: Mitreißend, amüsant und lehrreich – ein gelungenes Multifunktions-Menü für jeden Geschmack.

Götz Alsmann: Es grünt so grün am Theater Münster, 7., 23.3., 3., 24.5., 20.6. Theater Münster, Tel. 0251/5909 100,

www.theater-muenster.com

21.3. Theater Herford, 10.4. Theater Lippstadt, 12.5. Musiktheater im Revier, Gelsenkirchen

Quelle: wa.de

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