Götz Alsmann hat italienische Schlager übersetzt und eingespielt: „In Rom“

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Entspannt bei einem Glas Weißwein: Signore Alsmann in Rom.

„Volare“ sang 1958 Domenico Modugno und schuf einen Welthit. Überall ließ man sich von „Nel blu dipinto di blu“ (so der ursprüngliche Titel) davontragen in drei Minuten inneren Urlaub. Diese Stimmung hat Götz Alsmann kongenial getroffen in seiner Neuübersetzung. „Ich fliege“, singt er, ganz nah am Original.

Das Lied war auch in deutscher Sprache ein Erfolg, am bekanntesten wurde wohl die Version von Peter Alexander. Aber der alte Text von Kurt Feltz trägt schwer an Klischees, und „Bambina“ hat nun wirklich nichts mit der Vorlage zu tun. Zudem legt sich Alexander opernschwer ins Zeug. Das ist die besondere Qualität von Alsmann: Bei ihm hören wir nicht nur die Idee des Originals, er lässt es auch noch unbeschwert und selbstverständlich klingen.

„Volare“ findet sich auf dem Album „In Rom“ (Blue Note/Universal), dem Abschluss einer Trilogie, in der Alsmann sich jeweils einem Land widmete. „In Paris“ führte 2011 in die Chanson-Tradition, „Am Broadway“ (2014) enthielt Hits des American Songbook, wie sie sich im deutschen Schlager niederschlugen, meistens im Original, wenn nötig von Alsmann neu betextet. Jedes Mal fuhr die Band an den jeweiligen Schauplatz. So entstand nun „In Rom“ im „Forum Music Village“, das der Komponist Ennio Morricone mitgegründet hat. Hier hat schon Rita Pavone aufgenommen und auch die Red Hot Chili Peppers. Alsmann lobt: „Es gibt da ein fantastisches Technikteam, das wirklich mit Riesenohren da sitzt und alles ganz genau beobachtet und begleitet.“

Die Canzoni entstanden in den 1950er und 1960er Jahren, in der Wirtschaftswunder-Ära, als Italien das erste Fernweh-Ziel des Massentourismus wurde. Was sich der Mittelmeer-Urlauber erhoffte, das fassen Lieder wie „Carina“ zusammen: Dass man sich über Gelati, Kino und Vino näher kommt und dass sie am Ende nicht mehr Signore sagt, sondern du. Zwei, drei Wochen später muss er natürlich heim, Anlass für eine tränenschwere Ballade wie „Ciao Ciao Bambina“: „Die schönen Stunden sind nun vorbei.“ Die Macho-Pose ist heute völlig aus der Zeit gefallen. Aber einem Charmeur wie Alsmann trägt man das nicht nach, zumal er die richtige Dosis Ironie einfügt. Notfalls trägt er etwas dicker auf, wie in „Che Bambola“, wo der Erzähler von seiner angehimmelten „Puppe“ erst verprügelt und dann aus Mitleid doch noch erhört wird. Wenn auch Alsmann keine große Gesangsstimme hat, so verfügt er doch über unvergleichliche Lässigkeit.

Der Strauß immergrüner Klassiker löst heute noch den Sehnsuchtsreflex aus, sei es der Bossa Nova „Quando Quando Quando“, das rockige „Come prima“, das balladenhafte „Das kann der Anfang unserer Liebe sein“, ein Welterfolg aus einem Filmhit von 1962, der unromantischen Pseudo-Dokumentation „Mondo Cane“.

Man merkt Alsmann und seiner vorzüglichen Band an, mit welcher Lust sie das passende musikalische Kleid für jeden Titel zuschnitten. Beim „Mambo italiano“ gibt es einen Rhythmus-Wechsel zwischen Chacha und Mambo. Dann spielt Altfrid M. Sicking ein Vibraphon-Solo, das auch dem Latin-Jazz-Klassiker Cal Tjader gut angestanden hätte. Man hört feine Arrangement-Details für Trompete, Klarinette, Akkordeon, Banjo, Hawaiigitarre. Und wenn die Herren Begleitmusiker den Chor machen, hat das genau das richtige Nachtclub-Aroma. In „Azzurro“ gibt Alsmann nicht nur mit der Betonung des Refrains eine kleine überraschende Wendung. Er lässt sich auch zu einem bluesigen Piano-Solo hinreißen. Bei „Schau dich nicht um“ beginnt er mit schweren Liszt-Akkorden, und die innige Ballade von Umberto Bindi steigert die Band mit Trompetensätzen und Röhrenglocken zu einem so orchestralen Finale, dass man den Originaltitel „Il nostro concerto“ versteht. Rocco Granatas „Marina“ scheint Alsmann nicht ganz so zu lieben: Das singt er nicht, sondern haut es am Klavier hin, und mit Schnattern, Meckern, Wiehern, Dissonanzen und abrupten Pausen nimmt die Band milde Anleihen bei den wilden Song-Verwüstungen eines Spike Jones. Wen wundert es da, dass auch der bekannteste italienische Tonschöpfer aufgenommen wurde: Vom Zigeunerchor aus Giuseppe Verdis „Troubadour“ bieten sie eine fein verjazzte Instrumentalversion.

Auf einer Tournee stellt Götz Alsmann „In Rom“ vor. Premiere ist am 21. und 22.9. im Konzerthaus Dortmund. Weitere Stationen u.a.: 4. + 5.10. Kammerspiele Mainz, 6.11. Laeiszhalle Hamburg, 11.11. Die Glocke Bremen, 18.11. Halle Münsterland, Münster, 2.12. Historische Stadthalle Wuppertal, 7.12. Philharmonie Essen. www.goetz-alsmann.de

Quelle: wa.de

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