Früherer Ruhrtriennale-Intendant Mortier gestorben

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Gerard Mortier, Gründungsintendant der Ruhrtriennale, ist im Alter von 70 Jahren gestorben.

Madrid/Brüssel - Die Oper- und Theaterwelt trauert um Gerard Mortier. Nur wenige Monate nach seiner turbulenten Absetzung als künstlerischer Leiter des Madrider Teatro Real erlag der Belgier einem Krebsleiden. In NRW wurde er vor allem als erster Leiter der Ruhrtriennale bekannt.

Der große belgische Opern- und Theaterintendant Gerard Mortier ist tot. Er starb in der Nacht zum Sonntag in Brüssel im Alter von 70 Jahren. Das teilte die belgische Kulturministerin Fadila Laanan mit. Mortier hatte Bauchspeicheldrüsenkrebs. Der frühere Intendant der Salzburger Festspiele, der zuletzt künstlerischer Berater des Madrider Teatro Real war, starb nach Angaben der spanische Nachrichtenagentur efe "im Kreise von Freunden und Familie". In Nordrhein-Westfalen machte Mortier sich von 2002 bis 2004 als Gründungsintendant des Kulturfestivals Ruhrtriennale einen Namen.

Der am 25. November 1943 in Gent in einer flämischen Bäckerfamilie geborene Mortier galt als einer der bedeutendsten Musikmanager Europas, aber auch als "Enfant terrible" der Szene.

In den 1970er Jahren hatte er zunächst vorwiegend für Christoph von Dohnányi und Rolf Liebermann in Düsseldorf, Frankfurt und Hamburg gearbeitet, bevor er 1981 die Leitung des Brüsseler Opernhauses La Monnaie übernahm. Dort machte sich Mortier als "Modernisierer" der Oper auch über die Grenzen seines Heimatlandes hinaus einen Namen. Mit dem Ziel, die Salzburger Festspiele auch einem jüngeren Publikum schmackhaft zu machen, wurde der Belgier dann 1991 nach Österreich berufen.

Mortier leitete  von 2002 bis 2004 die Ruhrtriennale

Von 2002-2004 leitete Mortier den ersten Zyklus der Ruhrtriennale. Er habe international Maßstäbe gesetzt, heißt es in einer Mitteilung des Festivals. Mit seinem Konzept habe er das Festival in den "Kathedralen des Industriezeitalters" etabliert. "Die Ruhrtriennale verliert mit seinem Tod einen ihrer größten Förderer, der ihr bis zuletzt eng verbunden blieb", hieß es weiter. Gerard Mortier habe es wie kaum ein anderer möglich gemacht, die Gattung Oper anders zu denken, als man sie zu kennen glaubt, sagte Heiner Goebbels, der aktuelle künstlerische Leiter der Ruhrtriennale, laut einer Mitteilung.

Zwischen 2004 und 2009 leitete das Mitglied der Berliner Akademie der Künste auch die Pariser Oper.

Das Teatro Real verpflichtete Mortier 2010. Als künstlerischer Leiter sollte er das bis dahin international wenig bedeutende Haus an die europäische Spitze führen. Seine Ambitionen wurde allerdings bald von der Wirtschaftskrise erschwert, in der auch das Opernhaus nicht von Sparmaßnahmen verschont blieb.

Kurz nach Bekanntgabe seiner Krebskrankheit im vergangenen Sommer wurde Mortier im Herbst nach einer großen Auseinandersetzung durch den Katalanen Joan Matabosch (52) abgelöst. Der Belgier machte dabei seinem Ruf, Konflikte nicht unbedingt aus dem Weg zu gehen, alle Ehre. Das Vorhaben des Madrider Kulturministeriums, einen Spanier zu seinem Nachfolger zu machen, kritisierte er scharf. "In Spanien sehe ich aber niemanden, der infrage käme", sagte er damals barsch. Dennoch blieb Mortier - der in Deutschland in ärztlicher Behandlung war - dem Opernhaus am Plaza Isabel bis zuletzt als Berater verbunden.

Quelle: wa.de

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