24. Geierabend in Dortmund: „Nach uns die Currywurst“

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Es kann nur eine geben: Franziska Mense-Moritz spielt in der Nummer „Born in ‘nem Opel Kadett“ am Geierabend auf der Zeche Zollern in Dortmund.

Von Carmen Möller-Sendler -  DORTMUND Es wird wieder gegeiert auffe Zeche. Mit Händen und Füßen auf Tisch und Boden getrommelt zum Anlaufnehmen, und dann alle Arme hoch, damit er abhebt, der tolle Vogel: Immer wenn den Zuschauern etwas besonders gut gefallen hat, machen sie den Geier.

Auch für den verschmähten Kleingartenordnungs-Fundamentalisten, der im Nikolauskostüm mit Munitionsgürtel um den Bauch rasch noch eine hasserfüllte Videobotschaft an seine Vereinskameraden zischelt, während draußen die ungeduldige Ehefrau zur Weihnachtsfeier drängt: Nur wer die heilige Kleingartenordnung einhält, kommt ins Paradies. Alle anderen ... nun ja, sie werden sehen.

Es wird recht oft gegeiert bei dieser 24. Geierabend-Session des Dortmunder Theaters Fletch Bizzel mit dem Motto „Nach uns die Currywurst“. Sicher liegt das auch am neuen Co-Regieteam von Günther Rückert: dem Filmemacher und Kabarettisten Matthias Kutschmann und Kabarettistin Lioba Albus, die einst selbst zum Ensemble gehörte. Die als Prunksitzung getarnte bitterböse, zum Schreien und manchmal auch Weinen komische Comedy-Show bringt wieder Bissigkeiten vom Feinsten auf die Bühne der Zeche Zollern.

Dort übrigens zum letzten Mal, wie „Steiger“ Martin Kaysh, der die Show aus seiner zur Sitz-Bütt umgebauten Lore heraus moderiert, gleich verrät: Man habe da ein Angebot aus Bochum bekommen. Für ein riesiges Areal, das demnächst frei wird, was auch der Opel-Kadett-Rücksitz-Knutschclub Langendreer sehr bedauert: „So’n Kadett, dat is’ keine Karre – das issene Kumpel!“ Weil nämlich: „Der Kadett wird gar nicht von Opel gebaut. Den haben die auf dem Werksgelände großgezogen und dann im Ruhrpott ausgewildert.“ Aha.

Dafür bekommt Dortmund eine neue Attraktion, das Fußballmuseum, von dessen Eröffnung der Geierabend schon mal live berichtet. Hinein kommt Der Schuh (von Mario Götze) und als Heiligtum schlechthin natürlich der meisterschweißgetränkte Treter von Helmut Rahn, der sogar einen eigenen Senkelsaal bekommt. Leider verhindert ein rotnasiger Clown, der eine der beliebtesten Kostümierungen im Dortmunder Karneval zu werden verspricht, die Feier: Sein Tri-Tra-Trullala, ich bin der Clown mit Ebola“ sprengt garantiert jede Party.

Die findet dafür täglich im „Güllestübchen“ statt, der Dorfkneipe im sauerländischen Schnöttentrop. An sich ist der gemeine Sauerländer ja abhörsicher: Der sagt nix. Aber er singt. Was, das bringt den Dortmundern Joachim Schlendersack alias die „Helene Fischer von der Schnötte“ in lupenreinem Sauerländisch zu Gehör. Das beliebte Lied „Trinkfest und arbeitsscheu, aber der Kirche treu“ führt ein in dörfliche Gepflogenheiten: „Wenn der Bauer zecht, denkt das Huhn, es ist im Himmel. Und der Gockel hat einen riesengroßen P...ilz am Fuß.“

Apropos P – der Steiger hat eine schöne Definition von PEGIDA: Sein „Peinliche Ekelfressen gegen die Intelligenz des Abendlandes“ dürfte schnell die Runde machen. Die beiden Kumpels Osman, ein Schlitzohr wie Stammtisch-Klischee, und Yüksel, der Vorzeige-Türke, lassen genüsslich deutsche gegen türkische Mentalität aufmarschieren. Die Oppas aus dem AWO-Heim Recklinghausen erzählen von ihrer Tour nach Burbach, „wo ein paar Verrückte Abu Ghraib für Arme machen“, und sie als selbst ernannte Heimaufsicht für Ordnung sorgen wollen.

Partnerstadt des Geierabends ist Gladbeck. Der Steiger: „Das ist so dermaßen Ruhrpott, dass die Landesregierung Briefe ins Rathaus immer noch ins Polnische übersetzen lässt.“

Und für den Pannekopp-Orden – 28 Kilo Stahlschrott anne Kette – nominiert sind der Dortmunder Polizeipräsident und der Recklinghäuser Kreistag. Wer am 17. Februar die Negativ-Auszeichnung bekommt, bestimmt das Geier-Publikum per Internet und Trampel-TED. Sieger am Premierenabend wird Polizeichef Lange als „Hingucker des Jahres“: Als bei der Kommunalwahl in Dortmund Anhänger rechter Parteien das Rathaus stürmen wollten, griff die Polizei vor allem Gegendemonstranten an.

Das Motto des Abends „Nach uns die Currywurst“ spielt auf den industriell gefertigten Currywurst-Drink aus der Dose an, und was mit der Wurst noch so alles gemacht wird. Sogar ein Gesangsquartett wandelt Grönemeyers „Currywurst“-Gröler zum kunstvollen Madrigal.

Jessica Schmottke, Proll-Mami von „Kimbaläi Äbbigehl, Meils und Melodi Schackira“ hat einen Traum: Raus aus dem OP, wo sie als „Blutputze“ das, was vom Tisch fällt, wegmachen darf und rein in die Innere, wo der Arzt mit dem Porsche arbeitet. Das geht aber erst, wenn im OP Ersatz für sie gefunden ist. Jemand Interesse?

Das traurige Schlusslicht machen wie immer die „Zwei vonne Südtribüne“ mit einer erleichternden Erkenntnis: Der Ball ist schuld. Außerdem ist der Fußballgott ein Arschloch, und überhaupt sind die Dortmunder ja doch noch vorne: „Wenn man die Zahl der Tore durch den Wert der Mannschaft teilt, erhält man die Tor-Stückkosten. Die wertvollsten Tore der Liga schießt der BVB!“ Nötiger denn je gibt es auf die Frage: „Nehm’ wer noch ein’?“ nur eine Antwort: „Ja, sicha!“

8.-11., 14.-18., 21.-25. 1., 27.1.-1.2., 3.-8., 10.-17. und 20. 2.; Karten-Tel.: 0231/142525, www.geierabend.de

Quelle: wa.de

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